Vom Mit-Arbeiter zum Wettstreiter 1/2

Boris Becker hat mit dem Satz „Gewonnen oder verloren entscheidet sich zwischen den Ohren“ einen möglichen Weg zur Spitzenleistung beschrieben. Dieser Satz sagt aus, dass Spitzenleistung von Ihrer eigenen Denkweise abhängt. Was hat aber jetzt Spitzenleistung mit dem Titel „Vom Mit-Arbeiter zum Wettstreiter“ zu tun?

blog_Chefin09-3Das ist eine gute Frage. Ich bin der Meinung, dass Spitzenleistung nur von Spitzenleuten erbracht werden kann. Solche Spitzenleute gibt es jedoch nicht von der Stange. Die muss man aufbauen. Und um die aufbauen zu können, muss man selbst eine Spitzenkraft sein. Sind Sie so eine Spitzenkraft, die aus einem Mit-Arbeiter einen Wettstreiter machen kann? Wenn ja, dann ist die erste Stufe geschafft und Sie können sich hier noch die eine oder andere wertvolle Anregung dazu holen.

blog_Spitzenkraft01-3Besitzen Sie Eigenschaften wie mentale Stärke, positive Grundhaltung, Kreativität, Ehrlichkeit und Empathie, Geduld, sich nicht mit Erreichtem zufrieden geben und ähnliches? Das sind auch die Eigenschaften von Spitzensportler. Zugegeben, Sport hat wenig mit der Fahrschulbranche zu tun. Obwohl, der Wettbewerb zwischen Spitzensportlern und Fahrschulbetreibern ähnlich hart ist und oft alle Ressourcen erfordert, um darin bestehen zu können. Die Frage, die ich mir stelle lautet jedoch, „Was bewegt Spitzensportler dazu, in Ihrem Beruf, dem Leistungssport alles zu riskieren und alles zu geben?“

Ist es Ruhm? Ist es Anerkennung?

blog_Sieg01-3Ist es Geld und Wohlstand? Ruhm und Anerkennung kann ich mir gut vorstellen. Wohlstand? Wohlstand mag für den einen oder anderen vielleicht auch eine Triebfeder sein. Nur wer allein Wohlstand anstrebt, wird ihn seltener erreichen als viele glauben. Wer in sich geht, in sein innerstes hört und sich fragt, was macht mir in meinem Leben Spaß, was liebe ich, wovon bin ich begeistert, der soll es, wenn er es gefunden hat zu seinem Hobby machen. Und wer seine Arbeit zu seinem Hobby macht, der wird, weil er davon so begeistert ist, keinen Tag (mehr) arbeiten „müssen“. Und wie oft hören wir alleine im Radio, das Wochenende ist noch so weit entfernt, das Wochenende ist nicht mehr weit weg, endlich Wochenende und viele mehr dieser ähnlichen Sprüche? Oder wie oft lesen wir in Facebook: „Hurra, das Wochenende ist da!“

Freuen Sie sich „nur“ aufs Wochenende?

blog_Wochenende01-2Wenn Sie sich „nur“ auf das Wochenende freuen, können Sie sich ja gar nicht auf den Wochenbeginn und die Arbeit freuen. Oder sehen Sie das anders? Wie soll jemand mit Freude und Spaß arbeiten, wenn er sich nur aufs Wochenende freut? Wenn ich an meinen Start zur Selbstständigkeit zurück denke, da hat der Tag doch nie aufhören dürfen. Der war immer zu kurz. Die Woche war immer zu schnell um und das Wochenende war gar kein Wochenende, denn das habe ich gar nicht bemerkt, ohne auf den Kalender zu blicken. Da war ich von Begeisterung getrieben und habe alle um mich herum mit dieser Begeisterung angesteckt. Da wurden auch sehr oft die Nacht zum Tag und ein Projekt nach dem anderen herausgestampft. Da schien es überhaupt kein Hindernis zu geben.

Ich wurde vom Mit-Arbeiter zum Wettstreiter…

blog_Guido02-2… als ich Verantwortung übertragen bekam. Diese Verantwortung hat mich so beflügelt, dass die Anerkennung von alleine kam. Und beides zusammen infizierte mich derart, dass ich von alleine (viel) mehr tat, als ich musste. Bis dies meiner damaligen Chefin zu viel wurde und sie sagte: „Du Guido, ich möchte dir nur sagen, das ist meine Fahrschule und nicht deine!“ Das war 1993 nach 13 Jahren Arbeit in ihrer Fahrschule und mehreren Jahren interner Geschäftsführung, während sie drei Kinder zur Welt brachte. Ich bin mir sicher, dass sie sich bis heute noch nicht bewusst ist, was sie damals mit dieser Aussage für einen Fehler gemacht hat. Oder lassen Sie einen Mitarbeiter gehen, der den Laden erfolgreich schupft und Sie sich auf andere Aufgaben konzentrieren können? Ich nicht!

An die Spitze kommen

blog_erfolgreich01-3Von einem bin ich überzeugt, nur Spitzenleute mit Spitzenmitarbeiter haben in der Fahrschulbranche die Chance, an die Spitze zu kommen. Spitzenleistung wird immer mehr zur Herausforderung. Die Arbeit am Menschen und das vielfach in einer 1:1 Ausbildung belastet so manches Fahrschul-Budget bis zur Belastungsgrenze. Gerade deshalb finde ich es unklug, in Fahrschul-Saisonen, in denen Kunden sowieso ihre Ausbildung machen, mit Schnäppchenpreisen zu ködern.

Ihr Beitrag zu Spitzenleistung

blog_begeisterung01-3Was können Sie als Chef zur Entwicklung eines „Mitarbeiters zum Wettstreiter“ beitragen? Sehr viel, denn Sie als Chef sind für den Flow zuständig, den Sie und Ihre Mitarbeiter bei der Arbeit erleben. Dazu durfte ich einen hervorragenden Vortrag von Kasimir M. Magyar beiwohnen, der gemeinsam mit Peter Prange das Buch „Lust beflügelt, Unlust lähmt: Das Lustprinzip im Management und Marketing“ schrieb. Spitzenarbeit macht Spaß, beflügelt, motiviert und kann auch sehr oft (wie bei mir) zum Karrieresprungbrett werden. Spitzenarbeit verursacht weniger Stress, sorgt für bessere Gesundheit und höhere Zufriedenheit. Wie zufrieden sind Sie und Ihre Mitarbeiter? Wie gesund sind Sie und Ihre Mitarbeiter? Wer von Ihnen kann den Flow bei seinen Mitarbeitern sehen, hören, fühlen?

Bieten Sie die Ressourcen, die gebraucht werden

blog_weiterbilden01-3Lassen Sie Ihren Mitarbeitern den Spielraum, den sie zum Erfüllen ihrer Aufgaben brauchen und sorgen Sie dafür, dass diese ihr gesamtes Potential ausschöpfen können. Hören Sie auf die Bedürfnisse, Zielvorstellungen und Wünsche Ihrer Mitarbeiter. Erkennen Sie ihre Begabungen und fördern Sie diese. Fügen Sie ihnen keine Schmerzen zu. Beantworten Sie sich selbst die folgenden Fragen: „Erreichen meine Mitarbeiter ihr Potential? Lernen Sie kontinuierlich dazu? Dienen sie den Kunden? Erzielen sie die erforderlichen Resultate? Passen sie sich den ständigen Veränderungen reibungslos an? Können sie mit Herausforderungen umgehen?

Sie sehen also, dass es sehr stark auf Sie ankommt, ob aus Ihren Mit-Arbeitern Wettstreiter werden. Ich habe meine Bibliothek durchstöbert und gesucht, ob ich einen Hinweis dazu finde, wie man aus einem Mit-Arbeiter einen Wettstreiter macht. Leider habe ich vergeblich nach einer Gebrauchsanweisung dazu gesucht, bin jedoch wieder einmal an der Maslowschen Bedürfnispyramide hängen geblieben, die ich Ihnen in der zweiten Folge dieses Beitrages ein wenig näherbringen werde.

PS: Bitte nehmen Sie sich kein Blatt vor dem Mund und diskutieren Sie hier unten in der Kommentarfunktion mit. Ich freu mich darauf.

– Autor: Guido Peternell

6 Gedanken zu „Vom Mit-Arbeiter zum Wettstreiter 1/2

  1. Jacqueline Weber

    Erstklassiger Artikel Guido! In Deinen Sätzen schwingt immer jener Flow mit, über den Du hier auch schreibst. Ich finde das großartig. Es ist ein sehr wichtiges und tiefgründiges Thema, das Du mit dieser neuen Reihe anreißt. Es geht hier um etwas, das sehr grundlegend das Menschsein berührt. Auch wenn man es heutzutage nur mehr bei wenigen Menschen wahrnimmt. Gesellschaftliche Entwicklungen und „Verbildung“ haben eine Menge menschlicher Potentiale verschüttet. Wir sind heute nicht mehr Herr über unsere Bedürfnisse, sondern weitestgehend Industrien; deswegen ist auch unser Denken verschoben. Ziel sollte es sein, die macht über unsere Bedürfnisse zurück zu erobern und sie zu entkapitalisieren. Erst dann können wir ein wahres Hochgefühl bei dem entwickeln, was wir tun. Wir tun es dann aus einem Wettstreitgedanken heraus, der nicht mehr darauf abzielt, den anderen zu unterwerfen oder hinter sich zu lassen, sondern um als „Repräsentant“ für eine Gesellschaft oder eine Spezies zivilisatorischen Fortschritt zu verkörpern. Eine Gesellschaft, in der Wettstreit nach dem darwinschen Prinzip (Nur der Potenteste überlebt) funktioniert, ist zum Scheitern verurteilt.

    Ich freue mich auf die nächsten Artikelteile!
    Liebe Grüße
    Jacqueline Weber

    Antworten
    1. guido.peternell Beitragsautor

      Liebe Jacqueline,

      danke für dein Feedback. Ja mit dem Flow hast du RECHT. Und auch mit dem verschütteten Potential triffst du den Nagel auf den Kopf.

      Ich finde, dass heute zuviel Platz dem fachlichen Know-how eingeräumt wird und dabei das persönliche Know-how unter die Räder kommt. Die Entkapitalisierung wäre wünschenswert.

      Wettstreit ist schon ok, jedoch nicht auf Kosten der Menschlichkeit. Und ohne Menschlichkeit gibt es kein Flow.

      Liebe Grüße aus Kärnten
      Guido 🙂

      Antworten
  2. Sigrid Ferl

    Hallo Guido
    (Und in diesem Fall auch hallo Jacqueline)
    Ich kann mich dieser Denkweise nur anschließen. Und ich möchte mich kurz bedanken, denn der Artikel war wieder einmal ein kleiner Motivationsschub (den ich im Übrigen beim Lesen all deiner Artikel erlebe 😉 )

    Grüße aus Bad Wildbad
    Sigi

    Antworten
    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Sigi,

      sorry, dass ich dir erst heute antworte. Ich war die letzte Zeit viel unterwegs und habe dadurch meinen Blog ein wenig vernachlässigt. Es war schön, dich am Bayerntreffen persönlich kennen zu lernen. Wir hatten ja interessante Tage und Gespräche.

      Ich freu mich über jedes Feedback. Also bitte nur weiter so.
      Liebe Grüße aus Villach

      Guido 🙂

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  3. Frank Kutscher

    Danke für den super Beitrag.
    Ich habe immer die Erfahrung gemacht, das Fahrlehrer auf fairen Lohn nicht so viel Wert legen. Die Branche ist hier mit das schwarze Scharf. Steuersparen durch Rentenvorsorge wird abgelehnt da die Rente vom Bund schon feststeht.
    Steuersparmodelle unwichtig lieber so nebenbei was. Auf dem Komentar “ Wir achen das aber nicht“ .Warum denn nicht, alle machen das so.

    Seit solchen Begleiterscheinungen, wollen wir nur noch selbst Ausbilden um der Sache Herr zu werden.

    Schade das faire Löhne nicht anerkannt werden.

    Beste Grüße

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Servus Frank,

      danke für dein Feedback. Von diesem Phänomen habe ich zwar schon gehört, es selbst jedoch GsD nicht erlebt. Steuersparmodelle wirken sich nicht ersichtlich in der Geldbörse aus und deshalb sind sie kein Motivationsinstrument.

      Schwarze Schafe gibt es überall. Das die gesamte Branche das schwarze Schaf ist, will ich nicht glauben. Und zwar deshalb nicht, weil ich so viele, ehrenhafte Fahrschulbetreiber kenne. Unehrenhaftigkeit fällt einem über kurz oder lang auf den Kopf.

      Die zukünftigen Mitarbeiter selbst auszubilden ist eine sehr gute Sache. Wie schon beschrieben, habe ich meine Mitarbeiter auch (fast) immer selbst ausgebildet. Demenstprechend qualitativ hochwertig war auch ihre Arbeit bei uns.

      Mach weiter so. Liebe Grüße und viel Erfolg

      Guido 🙂

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