Vergangenheit: Waren die „alten Zeiten“ wirklich so gut?

Nicht mehr so oft und doch hie und da, wenn ich mit Freunden, Kollegen oder Kunden zusammenstehe, höre ich ein Nachtrauen der so genannten „guten alten Zeiten.“ Aber waren die immer so gut wie es manche Menschen noch glauben?

Vergangenheit: Waren die „guten alten Zeiten“ wirklich so gut? | © by guidopeternell
Vergangenheit: Waren die „guten alten Zeiten“ wirklich so gut? | © by guidopeternell

Na klar redet man gerne auch über die Vergangenheit. Wer denkt nicht gerne an schöne Erlebnisse zurück? In gemeinsamen Erinnerungen schwelgen macht auch Spaß, haltet Menschen zusammen und sorgt für positive Energie.

Vergangenheit ohne Corona

Natürlich würden wir uns die Zeit ohne SARS-CoV-2 gerne zurückwünschen. Die Zeit der allseits so gepriesenen Freiheit. Ist das nicht auch eine „gute alte Zeit?“ Eine Zeit, in der wir ohne Bedenken die ganze Welt bereisen und jedes Lokal besuchen konnten? Doch wünschen wir uns eine Zeit zurück, in der wir mit dem VW Käfer die Fahrschüler ausgebildet haben?

Schöne Erinnerungen an die Vergangenheit

Die Jugend von heute steht nicht auf Vergangenheit. Diese ruft nur bei älteren Semestern wie uns schöne Erinnerungen hervor. Wer von den Jungen steht heute noch auf Karl May, Knight Rider, Kojak, Raumschiff Enterprise, mit Schirm, Charme und Melone, 77 Sunset Strip, bezaubernde Jeannie, Bonanza und wie sie alle heißen?

In der Gegenwart handeln

Da du schon länger ein treuer Leser meiner Beiträge bist, weißt du auch schon, dass ich damit nicht vergangenem nachtrauere, sondern lieber in die Zukunft blicke und vor allem in der Gegenwart handle. Das sollte auch deine Vorgehensweise sein. Es herrscht immer noch die Denke in der Durchschnittsbevölkerung, dass die Führerscheinausbildung zu teuer ist und zu lange dauert.

Die Fahrausbildung war in der Vergangenheit viel teurer

Ich nehme dafür immer gerne meine Lehr- und Führerscheinzeit als Beispiel her. Als ich meine Führerscheinausbildung 1969 absolvierte, war ich als Kfz-Elektriker im 3. Lehrjahr und habe monatlich 290,00 Schilling verdient. Das waren damals sage und schreibe knapp 22,00 Euro. Meine Führerscheinausbildung hat damals ÖS 2.000,00 (zirka 150,00 Euro) gekostet – alles Netto.

Heute verdient ein Kfz-Lehrling im 3. Lehrjahr knapp 1.000,00 Euro netto und die Führerscheinausbildung kostet rund 2.000,00 Euro. Ich musste für meine Ausbildung fast acht Monate sparen, um sie mir leisten zu können. Ein Lehrling heute braucht, um seine Führerscheinausbildung finanzieren zu können, nur zwei Monatsgehälter. Und wenn du jetzt sagt, dass der Schein nicht 2.000,00 sondern 4.000,00 Euro kostet, dann ist er noch immer vier Monatsgehälter billiger als im Jahr 1969.

Stadt versus Land

Früher war die Sehnsucht nach dem Führerschein größer als heute. In den letzten 10 Jahren ist in manchen Regionen der Anteil an Jugendlichen mit Führerschein um ein Fünftel gesunken. Dies betrifft hauptsächlich die größeren Städte, die meistens über ein gutes öffentliches Verkehrsnetz verfügen. Viele Jugendliche in der Stadt sehen das Auto als Umweltbelastung und verwenden das Geld lieber für andere Vorlieben.

Gute, öffentliche Verkehrsnetze gibt es im ländlichen Bereich kaum. Deshalb herrscht diesbezüglich ein starkes Stadt-Land-Gefälle. In der Stadt mit den wenigen aber teuren Parkplätzen und im Gegenzug dazu günstige Öffis ist das Auto schon fast Luxus, das für die Mobilität nicht benötigt wird. Im ländlichen Bereich ist man hingegen noch immer auf das Kraftfahrzeug angewiesen.

Führerschein in Vergangenheit: ja. In Gegenwart: ja aber

Der Trend geht nicht in die Richtung, dass die Menschen für immer auf ihren Führerschein verzichten. Die Städter machen ihn nur sehr oft später. Und zwar dann, wenn für sie ein Kraftfahrzeug notwendig oder bequemer wird. Das kann einher gehen mit der Familienplanung oder wenn der Führerschein zur beruflichen Notwendigkeit wird.

Zugegeben, du bist damit viel flexibler, wenn beispielsweise Kinder zu Großeltern, zum Sport oder in die Musikschule transportiert werden, wenn mit Sack und Pack in den Urlaub gefahren wird oder größere Einkäufe getätigt werden. Und beruflich ist der Führerschein in den meisten Fällen eine notwendige Voraussetzung.

Das Werteverhältnis fürs Auto hat sich verändert

Dies zeigt die aktuelle YouGov-Mobilitätsstudie im Auftrag der HUK-Coburg. Darin müssen für die Mehrheit der Deutschen die Mobilitätskosten insgesamt sinken und die Mobilität in Zukunft bezahlbarer sein. Anlässlich der Corona Pandemie wird auch von vielen das eigene Auto aus Hygienegründen öffentlichen Verkehrsmitteln vorgezogen.

Der Führerschein ist kein Statussymbol mehr

Für den Großteil der heutigen Jugend ist der Führerschein oder das eigene Auto kein Statussymbol mehr. Diesen Rang haben ihnen iPhone, Zeit, Unabhängigkeit, Gesundheit, Familie, Freunde und die Freiheit, zu tun und zu lassen was sie wollen, abgerungen. Corona schränkt diese Freiheit derzeit zwar ein, ist jedoch bei diversen Öffnungsschritten des Lockdowns sofort ungebremst anwesend.

Wird Flexibilität zum neuen Statussymbol?

Wenn es nach Tristan Horx geht, dann ja. Er behauptet, dass Corona viele vorher kaum möglichen Entwicklungen beschleunigt hat, was der Jugend, die mehr Flexibilität sucht, in die Hände spielt. Horx sagt beispielsweise: „Meine Individualität ist mein Status.“ Das bringt auch für uns Arbeitgeber neue Herausforderungen. Wir müssen uns mehr Mühe geben, Mitarbeiter konstant und individuell zu fördern, da diese sich sonst schnell neu orientieren.

Immer wieder der demografische Wandel

Dieser spielt in unserer Branche eine große Rolle. Auch wenn SARS-CoV-2 und die dadurch hervorgerufenen Einschränkungen in der Branche einen Rückstau verursacht haben, zeigen aktuelle Zahlen einen Rückgang von jungen Führerscheinbesitzern. Der Hauptgrund dafür ist der demografische Wandel mit immer weniger jungen Menschen im Führerscheinalter. Und wie schon oben beschrieben, nutzen immer mehr Menschen in Großstädten Alternativen zum eigenen Auto.

Wirtschaftliche Entwicklung in der Branche?

Kurt Bartels, Fahrlehrer aus Wuppertal und Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein sieht an der derzeitigen Entwicklung noch keine Bedrohung für die Branche, da sie derzeit sehr gut ausgelastet ist. Ob das so bleibt, hängt auch von der Entwicklung des autonomen Fahrens ab. Deshalb heißt mein Credo: „Die Vergangenheit hinter mir lassen, in die Zukunft schauen und in der Gegenwart Handeln.“

Danke, dass du bis hierher gelesen hast. Ich freue ich mich, wenn du mir dazu deine Erfahrung oder dein Feedback kundtust.

Dein stets seinem Credo folgender

Guido – Autor: Guido Peternell

PS: Die so genannten „guten alten Zeiten“ sind zwar schöne Erinnerungen, jedoch keine Erfolgsbeschleuniger.

Newsletter abonnieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.