Rückblick auf den 4. Fahrlehrerkongress in Berlin (4)

Im heutigen Fahrlehrerkongress-Beitrag geht es um das Thema „Umfassende und nachhaltige Mobilität sichern“, das der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung als Redner innehatte.

Wie bereits vor zwei Jahren sage ich auch diesmal, dass ich mir wünschen würde, auch in Österreich einen so kompetenten und der Fahrlehrerschaft gut gesinnten Fahrlehrerkongress Dr. Peter RamsauerVerkehrsminister zu haben. Den Bundesminister Dr. Peter Ramsauer MdB brauche ich sicher nicht näher vorstellen. Dieser begann seinen Vortrag am Fahrlehrerkongress mit der Aussage, dass die Kalkulation der Fahrstundenpreise genauso schlimm ist wie die der Mehlpreise. Was auch immer das zu bedeuten hat. Fakt ist, dass der Bundesminister einen Chauffeur hat, der Fahrlehrer ist und ihn immer wieder auf die Probleme der Fahrlehrer anspricht. Wahrscheinlich verdient der Fahrlehrer als Chauffeur des Bundesministers mehr als bei der Ausbildung von Fahrschülern.

Der Bundesminister betonte, dass die Anforderungen an die Fahrlehrerschaft vielfältiger werden. Er war froh, dass so viele Fahrlehrer nach Berlin gekommen sind, denn der Aus- und Weiterbildung wird zukünftig eine noch stärkere Gewichtung in der Verkehrspädagogik zugesprochen.

FAhrlehrerkongress VerkehrssicherheitMehr Verkehrssicherheit ist ein zentrales Anliegen auch am Fahrlehrerkongress. Die ersten Zahlen haben bereits erkennen lassen, dass dieses Jahr trotz steigendem Verkehrsaufkommen mit weniger Toten auf Deutschlands Straßen zu rechnen ist. Leider werden 62% der Unfälle mit Personenschäden von Fahranfängern verursacht. Mit begleitendem Fahren und Alkoholverbot für Fahranfänger wolle man dies eindämmen, was laut Ramsauer durchwegs positiv von Jugendlichen beurteilt wird.

FAhrlehrerkongress SeniorenAndererseits wird viel über autofahrende Senioren diskutiert und geschrieben. Fakt ist, dass Senioren deutlich seltener an Unfälle beteiligt sind, jedoch 2010 jeder vierte getötete im Straßenverkehr älter als 65 Jahre war. Dazu kommen von vielen Seiten diverse Empfehlungen, die von nichts tun bis zu dirigistischen Maßnahmen reichen. Peter Ramsauer ist da eher für freiwillige Maßnahmen wie:

  • Augen-, Ohren und/oder Hausarzt
  • Trainieren der Bewegungsfreiheit beim Rückwärtsfahren
  • Auch die Erhöhung von Nachschulungsangeboten wäre denkbar.

Fahrlehrerkongress VerkehrssuenderdateiNatürlich darf in Ramsauers Vortrag die Verkehrssünderdatei nicht fehlen. Er ist der Meinung, dass das derzeitige System zu kompliziert und sehr schwer nachvollziehbar sei. Es gehört seiner Meinung nach stark vereinfacht, um leichter durchschaubar zu sein. Das würde das System auf alle Fälle auch gerechter machen. Er steht dafür, dass die Eintragungen auf Verkehrssicherheitsrelevanz beschränkt gehören. Aus diversen Institutionen sind dafür über 30.000 Verbesserungsvorschläge gekommen. Dabei soll die Punktezahl von 18 auf 8 reduziert werden. Auch mehr Strenge ist eingemahnt worden.

Für strafrechtliche Vergehen soll es künftig mehr Punkte geben. Bei 4-5 Punkten wird erstmals ermahnt, bei 5-6 Punkte verwarnt und Fahreignungsseminare durch Fahrlehrer vorgeschrieben. Ab 8 Punkte wird die Fahrerlaubnis entzogen. Die Vorschläge dazu kommen Ende November oder Anfang Dezember ins Kabinett. Der Aktualität halber ein Link zu „Umstrittene Freiwilligen-Seminare: Der Knackpunkt bei Ramsauers Reform“.

fahrlehrerkongress 26.OktoberEs ist natürlich bereits ein wenig schwieriger, sich nach ca. zwei Monaten genau auf die Inhalte solcher Referate zu erinnern. Ich hab mir natürlich die eine oder andere Notiz dazu gemacht. Auch die 3. EG Führerschein-Richtlinie streifte der Bundesminister am Fahrlehrerkongress im Schlussabschnitt seines Referates noch kurz. Er untermauerte, dass bereits erworbene Führerschein-Klassen bleiben und die Fahrlehrer vorerst keine neuen Fahrzeuge für die Fahrausbildung benötigen werden. Zur bereits vor zwei Jahren am 3. Fahrlehrerkongress angesprochenen Schilderwaldnovelle sagte der Bundesminister, dass er sich das viel leichter vorgestellt hat. Die Bürokratie und die dafür zuständigen Institutionen machten es jedoch viel schwerer, als er es sich gedacht hat. Fakt ist jedoch, dass der Bundesrat im September zu den Neuerungen seine Zustimmung gegeben hat und diese mit 1. April 2013 in Kraft treten werden.

Blog_Bressensdorf01-3Gerhard von Bressensdorf forderte am Fahrlehrerkongress zum Referats-Schluss Dr. Ramsauer noch einmal auf, im Fahrlehrerrecht die pädagogische Qualität zu erhalten und auszubauen. Er würdigte auch die tolle Zusammenarbeit mit dem Ministerium und den Fachreferaten, indem er sich beim Minister und der zuständigen Beamtin, die anwesend war, in aller Öffentlichkeit bedankte. Damit ging der Vortrag des Bundesministers Dr. Ramsauer zu Ende und machte Platz für Cristián Gálvez den Experten zum Thema Persönlichkeit, Motivation und Wirkung, von dem ich im nächsten Beitrag hier wieder berichten werde.

fahrlehrerkongress adagio-im-autoZum Schluss dieses Beitrages ist es mir noch ein Anliegen, auf das Projekt „Adagio im Auto“ hinzuweisen. Ich wähle diesen Ort der Promotion, da Bundesminister Ramsauer ein Mozart-Konzert für den guten Zweck beigesteuert hat. Ramsauer, selbst ein herausragender Pianist, spielt auf dieser Klassik-CD neben anderen namhaften Klaviersolisten und Musikpreisträgern wie Christoph Eschenbach oder Lars Vogt zusammen mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart.

Diese CD enthält ausschließlich langsame Mittelsätze aus Mozarts Klavierkonzerten, die im Auto konsumiert für entspanntere Fahrweise sorgt und dadurch zur Verkehrssicherheit beiträgt. Zudem geht von der nur sechs Euro teuren CD pro Verkauf ein Euro an die „Aktion Kinder-Unfallhilfe e.V.“ Bisher konnten bereits 25.000 Stück dieser CD verkauft werden. Mehr darüber zu diesen Projekten auf den jeweiligen Homepages.

PS: Im nächsten Fahrlehrerkongress-Teil erwarten Sie das Thema „Persönlichkeit schafft Wirkung“. Auch heute freue ich mich auf Ihre Kommentare hier unten.

– Autor: Guido Peternell

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