Rückblick auf den 4. Fahrlehrerkongress in Berlin (1)

Der Fahrlehrerkongress in Berlin war wieder seine Reise wert. Eine schlechte Nachricht: Wenn Sie nicht dort gewesen sind kann ich nur sagen: „schade, sie haben einiges versäumt!“

FahrlehrerkongressWahrscheinlich hatten Sie wichtigeres zu tun als sich inspirieren zu lassen und sich weiter zu bilden. Ohne sie zu hören kenne ich viele Ihrer Ausreden dazu. Und die gute Nachricht: Ich werde meine Fahrlehrerkongress Eindrücke hier in meinem Blog reflektieren. Wie bereits gesagt hat sich die Reise nach Berlin gelohnt. Neben hervorragenden Referaten habe ich auch noch viele nette, gleichgesinnte Menschen kennen lernen dürfen. Danke dafür!

Blog_Bressensdorf01-3Eröffnet wurde der Fahrlehrerkongress durch Gerhard von Bressensdorf, dem Vorsitzenden der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e. V. Dieser würdigte die Kongressorganisation und die angeblich 1.680 Fahrlehrer, die vom In- und Ausland zum Kongress nach Berlin gekommen sind. In gewohnter Manier polterte Herr von Bressensdorf über die Regelungswut der EU, den fehlenden Übergangszeiten und vielem mehr.

blog_BVF01-3Andererseits lobte er – no na – die hervorragende Informationspolitik der Verbände, die seiner Meinung nach so aktuell wie möglich informieren. Er empfahl den Fahrlehrern abzuwarten, bis alle Entscheidungen gefällt sind. Er spricht auch von ausreichenden und angemessenen Übergangszeiten für die neuen Anforderungen an Prüfungsfahrzeugen und strich hervor, wie viel Arbeit die Verbände mit der Richtigstellung von Falschmeldungen hatten. Auch der 10jährige Kampf für die Neudefinition für Schalt- und Automatikgetriebe durfte am Fahrlehrerkongress nicht fehlen.  Und dann kam noch die Forderung nach der dringend notwendigen Reform des Fahrlehrergesetzes, die über das Eckpunktpapier hinausgehen muss.

blog_Kundeninformation01-3Herr von Bressensdorf betonte, dass die Landesverbände mit enger Abstimmung der Landesbehörden und dem Bundesministerium die richtigen Informationen zur rechten Zeit kommunizieren. Er sagt, dass sie alles daran setzen, dass die Entscheidungen praxisgerecht und richtig bei der Fahrlehrerschaft ankommen. Nicht zu unterschätzen ist der Fahrlehrerkongress im Informations-Mix. Er wies auch auf weitere brennende Themen wie City Maut, Pkw-Maut, E-Mobilität, praktische Prüfungsoptimierung, theoretische Prüfungsoptimierung, Fahrschulausbildungsoptimierung sowie Fahranfängervorbereitung hin, die noch anstehen.

Zum Ende seiner Eröffnungsansprache bedankte sich Gerhard von Bressensdorf noch einmal bei den Kongressteilnehmern für die zahlreiche Teilnahme sowie bei den über 70 Ausstellern und Sponsoren, die es laut Bressensdorf wieder geschafft haben, ihre Produkte phantastisch zu präsentieren.

Blog_Glowalla01-3Anschließend würdigte der Moderator vom Fahrlehrerkongress und Vorsitzende des Fahrlehrer-Verband Berlin Peter Glowalla die Arbeit von Bressensdorf mit der Aussage, dass von Bressensdorf seine Bundesvorsitzenden Arbeit mit Herzblut macht, wie es die Fahrlehrerschaft wohl nie mehr erleben wird.

PS: Dies ist die Einführung der Serie zu meinem Kongress-Rückblick, die mit der Sichtweise von Prof. Peter Wippermann zum Thema Mobilität trifft Kommunikation: Die Fahrschule der Zukunft, demnächst hier seine Fortsetzung findet.

– Autor: Guido Peternell

6 Gedanken zu „Rückblick auf den 4. Fahrlehrerkongress in Berlin (1)

  1. Jacqueline Weber

    Lieber Guido,
    ich freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit nimmst, um den Fahrlehrerkongress aufzuarbeiten. Obwohl ich mir selbst auch vornahm, ein paar Zeilen dazu zu schreiben, habe ich es zeitlich einfach nicht geschafft. Mein persönlicher Eindruck vom Kongress war allerdings etwas weniger euphorisch als Deiner. Obgleich ich schon beeindruckt war ob der vielen Teilnehmer, hatte die Veranstaltung für mich etwas von einer Veteranengala. Und Bressensdorfs feurige Reden bargen eine latente Realitätsverlaugnung in Bezug auf den desaströsen Zustand der Fahrlehrerbranche. Als Motivator hat er sich jedoch gekonnt ins Zeug gelegt. Ohne seine langjährigen Leistungen herabwürdigen zu wollen, denke ich aber, dass er mit seinem Weltbild eine Fahrlehrerschaft verkörpert, die ähnlich einem Totkranken, ihre Endstadiumssymtomatiken verleugnet. Wie soll diese Branche (Ausnahmen gibt es freilich!) da Selbstheilungskräfte mobilisieren, wenn sie Probleme aus der kollektiven Refexion ausblendet?

    Liebe Grüße nach Villach!
    Jacqueline

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Liebe Jaqueline,

      ja die Zeit ist eng bei mir im Herbst und deshalb komme ich erst jetzt dazu, meine Eindrücke kund zu tun. Ich glaube, du tust den Kongress doch ein wenig unrecht. Ich spreche da jetzt nicht die Selbstbeweihräucherung der Verbandsverantwortlichen an, sondern die Inhalte der Referenten, die die Fahrlehrerschaft wie die Butter auf dem Brot braucht.

      Ich sehe das übrigens ähnlich wie Jenny. Mir kam es vor, als wenn doch langsam der Beginn eines Generationsenwechsels startet. Und da Rom auch nicht in einem Tag, einem Monat oder einem Jahr aufgebaut wurde, kann dies in der Fahrlehrerschaft auch nicht sein. Da ich die Leute in der Branche zu wenig kenne kann ich nicht sagen, ob nicht doch vielleicht schon die Jugend nachrückt und ihre Interessen in ihre eigenen Hände nimmt. Vorausgesetzt, die Seniors lassen es zu 🙂 (ja Jenny?).

      Ja die Fahrlehrerschaft braucht Blutauffrischung – und das vor allem an den Stellen wo gestaltet und verhandelt wird. Und genau da scheint mir der Generationenwechsel von den Seniors (noch) nicht gewünscht, (noch) nicht geplant oder (noch) nicht in der Umsetzung, um diesen nahtlos vollziehen zu können.

      Von ca. 12.000 Fahrschulinhabern waren so an die 1.000 da und das sind ja schon 1/12. von Fahrlehrern, die sicher nicht alleine wegen der zu gewinnenden Preise den Weg nach Berlin eingeschlagen haben. Und dieses 12tel nimmt aus den Vorträgen von Wippermann, Lindemann, Gálvez, Ronzal und Huber etwas mit, was 11/12. nicht mitnehmen konnten, da sie gar nicht anwesend waren.
      Und der eine oder andere meiner Leser hier wird auch etwas für sich herausnehmen können, obwohl er gar nicht da war.

      Also hoffe ich weiter, dass sich die Selbstheilungskette in Richtung Branchen+ zu bewegen beginnt und mit der Zeit an Geschwindigkeit zunimmt, die die Branche braucht und die ihr sicher gut tun würde.

      Liebe Grüße
      Guido 🙂

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      1. Jacqueline Weber

        Lieber Guido, liebe Jenny,
        ja, mit dem Altersschnitt werdet ihr Recht haben; und auch die Referate/Referneten waren zum Großteil sehr gut. Doch es quält mich, wenn ich daran denke, dass es die Branche in einem Jahrhundert gerade mal auf 4 Fachkongresse gebracht hat. Man denke nur an die Psychologie, die hat es in 100 Jahren geschafft, von der „Pseudowissenschafft“ zu einer universitär verankerten Disziplin zu werden. Auch die Biologen sind erst „seit kurzem“ echte Naturwissenschaftler. Wenn in diesen Bereichen Kongresse organisiert werden, müssen keine Fossilien auf die Bühne gezerrt oder Unterhaltungseinlagen geboten werden. Da sind die Kongresse dann auch 4mal so teuer, weil die Leute 8mal so viel verdienen wie Fahrlehrer. Ich weiß, das klingt hart und böse, ist aber die Wahrheit.
        In dem Sinne, lasst uns ruhig auch mal kritisch sein. Schließlich soll doch der nächste Fahrlehrerkongress NOCH BESSER werden!

        Liebe Grüße
        Jacqueline

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        1. guido.peternell Beitragsautor

          Liebe Jaqueline,

          du hast RECHT mit deinen Ausführungen. Dass es in der Branche nur 4 Fachkongresse gegeben hat ist nicht ganz richtig, denn allein wir haben 7 solcher in Österreich veranstaltet. Dazu kam auch noch ein Fahrschulsymposium, bis das Interesse leider weiter nachließ und es immer schwieriger wurde, wirtschaftliche Teilnehmerzahl zu erreichen, um die Referenten bezahlen zu können.

          Ich bin froh dass du kritisch bist, denn genau das braucht die Branche. Wie es jedoch mit der Kritikfähigkeit der Branche aussieht zeigt die Akzeptanz standardisierter KundenFEEDBACK-Systeme wie der INLINE KundenMONITOR, der gerade so an die 60 Fahrschulen im System testet. Somit können nur einige wenige wirklich besser werden. Und das sind genau die, die haargenau wissen, was und wie ihre Fahrschüler über ihre Leistung denken.

          In diesem Sinne liebe Grüße aus Villach
          Guido 🙂

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  2. Jenny

    Lieber Guido, liebe Jacqueline,

    also in Anbetracht der letzten Jahre war der Altersdurchschnitt sehr sehr niedrig. Ich war diesbezüglich positiv überrascht. Vielleicht werde ich aber einfach auch nur älter 😉 Bin gespannt was Guido noch so zu berichten hat….

    VlG Jenny

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Liebe Jenny,

      wie unten beschrieben finde ich auch, dass sich der Altersdurchschnitt gesenkt hat. Wenn ich mein Alter hernehme, dann hat er sich jedoch auch erhöht 🙁

      Liebe Grüße nach Idstein
      Guido 🙂

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