Perfekt sein – Turbo oder Hemmschuh?

Ist perfekt sein dasselbe wie ehrgeizig sein? Ich glaube nicht und Psychologen bestärken mich in meiner Meinung. Sie sind der Meinung, dass Perfektionisten Angst haben, Fehler zu machen, getadelt zu werden und dadurch vor anderen fehlerbehaftet dazustehen. Es geht also nicht um die Sache, sondern um den Perfektionisten.

Perfekt sein - Turbo oder Hemmschuh
Perfekt sein – Turbo oder Hemmschuh? | © by guidopeternell

Perfekt sein zu wollen bereitet Stress und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit. Egal in welcher Lebenssituation diese Menschen sind. Perfekt bei der Kindererziehung, in der Partnerschaft oder in der Arbeit. Immer muss alles richtig sein.

Dabei ist ja alles richtig und gut machen zu wollen etwas Gutes. Jedoch nur dann, solange es dazu führt, gründlich, sorgfältig und gut zu arbeiten. Meistens braucht man jedoch für eine mehr wie 100%ige Arbeit viel länger oder wird gar nicht damit fertig, weil man immer glaubt, dass sie nicht gut genug ist.

100 Prozent Leistung oder mehr

Der Arbeitsdruck, der auf uns lastet, ist enorm. 100 Prozent ist nicht mehr genug. Nein, oftmals werden 110 Prozent gewünscht oder sogar gefordert. Ständig soll man erreichbar sein. Soll ständig mehr gearbeitet werden, um noch mehr arbeiten zu können? Soll da oder dort noch ein Prozent mehr herausgepresst werden, um den Lebensstandard halten zu können?

In vielen Unternehmen werden Mindeststandards beibehalten, um deren Gewinne zu maximieren und die Aktionäre beglücken zu können. Die einfachste betriebswirtschaftliche Maßnahme dafür ist, Mitarbeiter freizusetzen. Und dafür werden auch noch horrende Prämien kassiert. Dafür sollten sie sich schämen, was sie nur leider nicht tun. Müssen wir immer alles bis zum Anschlag ausreizen?

Eingeplante Reserven brächten mehr

Züge und Flieger kommen zu spät, weil die Fahr- und Flugzeiten zu eng geplant sind. Jeder von uns kennt es, dass beispielsweise knapp geplante Termine bei Verspätungen kaum aufgeholt werden können. Genau das Gegenteil ist der Fall, denn sie setzen sich fort und führen zu Folgeherausforderungen. Wäre es da nicht besser, Reserven einzuplanen? Leider geht das nicht, denn wie soll denn dann der Gewinn maximiert werden?

Ich bin der Meinung, dass es nicht gut ist, alles bis zum Anschlag auszureizen! Es ist nicht gut, das Konto bis zum Anschlag auszureizen, auch ist es nicht gut, die Mitarbeiter bis zum Anschlag auszureizen, noch ist es gut, sich selbst täglich bis zur Erschöpfung auszureizen, es ist auch nicht gut, rund um die Uhr erreichbar oder online zu sein und vieles mehr.

Perfekt sein – Turbo oder Hemmschuh?

Ich habe dieses Thema deshalb gewählt, weil ich mich selbst immer wieder an der Nase nehmen muss. Ich bin ein bekennender Perfektionist. Ich verbringe viel zu oft mehr Zeit bei Arbeiten, die ich schneller fertigstellen könnte. Das aber nicht, weil ich ein zu geringes Selbstwertgefühl oder Angst habe, für meine Arbeit getadelt zu werden, sondern weil ich selbst einen sehr hohen Qualitätsanspruch habe.

Wenn es dir ähnlich geht dann freut es mich, denn dann wirst du Nutzen aus diesem Beitrag ziehen können. Zu meinem Zeit- und Selbstmanagement habe ich schon einiges geschrieben. Wenn dich das Thema interessiert, kannst du dich H.I.E.R dazu weiter informieren. Wie ich durch meine Aus- und Weiterbildungen zum (fast) perfekten Selbstmanager geworden bin, werde ich dir in einem meiner nächsten Beiträge verraten. Bleib also dran oder trage deine E-Mailadresse H.I.E.R ein.

Wie geht man am besten mit Perfektionismus um?

Wie ich mich immer wieder an der Nase nehme, um nicht zu perfektionistisch zu sein, werde ich dir in den folgenden 10 Schritten näherbringen. Ich verhalte mich schon sehr lange Zeit danach. Aber keine Angst, beim Schreiben dieses Beitrages stellte ich fest, dass mir der eine oder andere Punkt auch noch nicht immer gelingt. Du siehst also, dass es ein steter Prozess ist, dem man bei seiner Weiterentwicklung ausgesetzt ist.

Schritt 1: Verzetteln verboten

Ich setze mir, damit ich mich nicht verzettle, regelmäßig Zeitlimits. Ganz egal, wie klein oder groß meine Aufgabe ist. Für das Schreiben dieses Beitrages betrug mein Zeitlimit beispielsweise sechs Stunden inklusive Recherche des Themas, Bildgestaltung und in WordPress stellen. Für das Schreiben der E-Mail in meinem E-Mailprogramm (Klick Tipp) und die Planung der Veröffentlichung auf meiner Fanpage habe ich noch einmal zwei Stunden eingeplant.

Du siehst anhand dieser Zeitlimits, wie aufwändig es ist, einen guten Blogbeitrag mit entsprechendem Know-how zu schreiben und zu veröffentlichen. Mit diesen Zeitlimits stelle ich für mich sicher, dass ich mich bei der Umsetzung auf die Aufgabe konzentriere und nicht verzettle. Das Limitieren der Zeit habe ich von Cyril Northcote Parkinson, dem britischen Historiker, Soziologen und Publizisten gelernt der sagt: „Arbeit dehnt sich in dem Maße aus, wie Zeit dafür zur Verfügung steht!“ Was es damit auf sich hat, erfährst du wie bereits oben beschrieben, in einem meiner nächsten Beiträge zum Thema Selbstmanagement. Melde dich dazu hier an.

Schritt 2: Schlecht starten ist besser als perfekt zu zögern

Früher habe ich so lange an einem Konzept gearbeitet, bis es perfekt war. Die Frage dabei war nur: „Wann war es perfekt?“ Es war dann perfekt, wann ich es als perfekt empfand. Die Zeit verrann und ich arbeitete stunden-, tage-, wochen-, monate- und sogar jahrelang an Konzepten. Manche davon sind noch immer nicht fertig. Doch ihre Zeit kommt sicher irgendwann.

Von Vilfredo Federico Pareto lernte ich, dass 80 Prozent der Ergebnisse in 20 Prozent der Gesamtzeit erreicht werden. Du hast sicher schon vom Pareto-Prinzip gehört. Es wird in vielen Bereichen ein- und umgesetzt. Meine wichtigste Erkenntnis daraus ist, dass ich den Großteil meiner Arbeit mit viel weniger Zeitaufwand erledigen könnte, als ich es zwischenzeitlich tue. Ich muss jedoch immer wieder daran arbeiten, dass es mir gelingt.

Schritt 3: Gut genug ist besser als perfekt

Wie bereits oben beschrieben ist es viel wichtiger, etwas zu erledigen und zu Ende zu bringen, als seinem Perfektionismus zu frönen. Mach es fertig und freue dich, es erledigt zu haben. Niemand liest meine Beiträge, weil sie perfekte Bilder beinhalten. Sie werden gelesen, weil sie gewissenhaft recherchiert, gut genug geschrieben und die Beispiele darin in vielen Fällen von mir selbst erlebt wurden.

Sie sind auf keinen Fall makellos. Manchmal schleichen sich sogar Rechtschreibfehler ein, obwohl ich sie mehrmals durchgelesen habe. Ich will dir jedoch keine meiner Beiträge vorenthalten, weil ich dir damit Nutzen geben will. Du könntest von meinen Beiträgen nicht profitieren, wenn ich sie dir zu lange vorenthalte. Das fände ich unfair von mir.

Ich habe keine Angst vor denen, die mich auf Rechtschreibfehler aufmerksam machen oder denen meine Beiträge nicht gefallen. Sie tragen sich bei Nichtgefallen sowieso aus meiner E-Mailliste aus und das ist auch gut so. Einmal schrieb mir einer beispielsweise sogar, dass meine Beiträge Schwachsinn seien. Somit war er sowieso der falsche Adressat meiner Beiträge.

Schritt 4: Beschäftige dich mit deinem inneren Kritiker

Perfektionisten kämpfen im Grunde genommen mit ihrem inneren Kritiker, der permanent für Beweise sorgt, dass die Arbeit noch nicht perfekt ist. Solche Zwiegespräche musst du erkennen, denn nur dadurch kannst du sie einschränken und mit der Zeit ablegen. Hinterfrage die Argumente deines inneren Kritikers und stelle sie deinen Werten und Einstellungen gegenüber. Und wenn du dann bereit bist, die Argumente deines inneren Kritikers in Frage zu stellen, dann ist der nächste Schritt nicht mehr weit, ihnen gar nicht mehr zu glauben.

Schritt 5: Sei geduldig mit dir selbst

Eine solche innere Neuorientierung braucht Zeit und ist nicht von heute auf morgen möglich. Deinen Perfektionismus hast du ja auch nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre aufgebaut. Er ist ganz tief in dir verankert. Ich arbeite auch heute noch immer wieder gegen meinen inneren Kritiker, obwohl ich mich schon Jahre mit diesem Thema beschäftige.

Altes Verhalten und alte Glaubenssätze haben sich tief in unserem Gehirn eingenistet und breit gemacht. Sie und unsere Reaktionen daraus funktionieren wie ein Auto, das autonom durch die Gegend fährt. Dies muss in unserem Gehirn erst umprogrammiert werden, um die innere Neuorientierung auf das neue Autopilot zu bringen. Sei deshalb geduldig mit dir selbst.

Schritt 6: Vergleiche dich nicht mit anderen

Du solltest Vergleichen keine besondere Aufmerksamkeit schenken. Viel zu oft vergleicht man sich in Disziplinen, in denen man von Haus aus nicht gut abschneidet. Dabei braucht man sich nicht wundern, dass man sich minderwertig oder nicht gut genug vorkommt. Ich persönlich achte darauf, ob ich mich vergleiche. Früher war das viel öfter der Fall. Ich habe mich jedoch weiterentwickelt und deshalb vergleiche ich mich heute mit niemandem mehr.

Lebe auch du treu meinem Motto: „Lieber anders zu sein als die Anderen!“ Auch zu diesem Thema habe ich schon Blog-Beiträge geschrieben. Einen davon kannst du H.I.E.R nachlesen. Weitere Beiträge dazu findest du am Ende dieses Artikels. Jeder von uns ist individuell und kann etwas besser oder schlechter als andere Menschen. Meine Empfehlung dazu lautet: „Konzentriere dich auf deine Stärken und baue diese aus!“ Es haben nicht alle dieselben Talente. Mach deshalb das Beste aus deinen Talenten und schon wirst du erfolgreich(er) als andere.

Schritt 7: Lass dir durch Fehler den Weg zeigen

Anthony Robbins – auch einer meiner Lehrer und bekannter Buchautor glaubt beispielsweise, dass er nie scheitern kann. Seiner Meinung nach sind Misserfolge und Fehler für ihn wichtige Schritte, die er in seinen Büchern und Seminaren anderen Menschen berichten kann. Und er hat recht damit denn auch für mich ist jeder meiner Fehler eine Erfahrung, die mich weiterbringt und die ich dann auch dir weitergeben kann.

Für mich sind Fehler, die ich mache, keine Katastrophe. Ich versuche, aus ihnen zu lernen und sie nicht zu widerholen. Sie zeigen mir den Weg zu meinen Zielen. Fehler erlauben mir, mich kontinuierlich zu verbessern. Man könnte statt dem Wort Fehler auch das Wort Erfahrungen verwenden. Das bedeutet, dass ich bereit bin, Fehler zu machen und dadurch erfahrener zu werden. Auch du könntest bereit dazu sein.

Schritt 8: Kritik an dir lässt dich wachsen

Wer wird schon gerne kritisiert? Du genau so wenig wie ich. Dabei können wir an konstruktiver Kritik wachsen. Unsere Aufgabe dabei lautet, die Kritik nicht falsch zu deuten. Sie nicht als Angriff auf unsere Person zu sehen. Wohlgemerkt, ich schreibe hier von konstruktiver Kritik. Diese soll uns dabei helfen, uns zum Nutzen aller Beteiligten zu verbessern.

Wenn du glaubst, dass dich dein Perfektionismus vor Kritik schützt, dann täuscht du dich. Du kennst sicher das deutsche Sprichwort: „Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“. Wenn du es allen recht machen willst, dann verlierst du dein Ziel aus den Augen und verzettelst dich.

Und so gehst du professionell mit Kritik um: a) Bitte schon im Vorfeld um konstruktives Feedback; b) Betrachte eine Kritik positiv und nimm sie auch so auf; c) Höre dabei richtig zu und frag nach, wenn du etwas nicht richtig verstehst; d) Nutze diese Kritik, um es in Zukunft besser oder richtiger zu machen; e) Wenn es notwendig ist, dann entschuldige dich für das Fehlverhalten, wenn die Kritik unberechtigt ist, dann lege dazu deine Sichtweise klar; f) Hinterfrage dich zu guter Letzt selbst auch immer wieder kritisch.

Schritt 9: Nimm dir nicht zu viel auf einmal vor

Nichts raubt mir mehr die Motivation, als ein Berg voller Arbeit. Deshalb plane ich lieber etwas mehr voraus, als dass ich demotiviert in Arbeit ersticke. Zudem habe ich gelernt, auch unangenehme Dinge nicht vor mir herzuschieben. Diese Herausforderungen werden sonst immer größer und noch größer.

Du kannst auch mit kleinen Schritten zu großen Erfolgen kommen. Starte gleich jetzt mit einem winzig kleinen Schritt, der dich deinem Ziel näherbringt. Dann überlege dir den nächsten und den übernächsten Schritt. Wenn ich zu Winterbeginn mit dem Skitourengehen starte, dann suche ich mir auch ein kleines Ziel und gehe Schritt für Schritt auf dieses zu. Dabei peile ich immer das nächste Zwischenziel an und freue mich, wenn ich dieses erreicht habe. Als Belohnung gibt es dann etwas zu trinken oder vielleicht auch mal einen Energie-Riegel.

Es geht dabei immer wieder um den gleichen Ablauf. Konzentration auf das nächste Zwischenziel (Baum, Hügel, Hütte…), welches es zu erreichen gilt, dann das nächste und so weiter. Und wenn ich beim Zwischenziel oder am Gipfel angekommen bin und zurückschaue, bin ich stolz auf mich, das geleistet zu haben. Mit dieser Vorgehensweise verschaffe ich mir Erfolgserlebnisse und mein Körper schüttet Glückshormone aus. Du kannst das auch. Tu‘s einfach!

Schritt 10: Mach die empfohlen Schritte zu deiner Gewohnheit

Willst du das? Oder willst du weiter an deiner Perfektion verzweifeln? Damit du weißt, warum ich dich das frage, rufe ich dir noch einmal Vilfredo Federico Pareto in Erinnerung. Seine 80/20er Regel verstehe ich so, dass 80 Prozent der Ergebnisse mit 20 Prozent des Gesamtaufwandes erreicht werden können. Das bedeutet jedoch im Umkehrschluss, dass die verbleibenden 20 Prozent der Ergebnisse (auf 100 Prozent gerechnet) mit 80 Prozent die meiste Arbeit benötigen.

Gib dich dem Perfektionismus nicht geschlagen. Diese Entscheidung kannst nur du für dich treffen. Tu etwas so gut du es kannst und vergeude deine kostbaren 80 Prozent Zeit nicht für die restlichen 20 Prozent zur Perfektion. Ich habe es geschafft, aus dem Hamsterrad der Perfektion auszubrechen. Du kannst es auch schaffen, indem du meine Empfehlungen umsetzt.

Für deinen Erfolg!

Dein macht alles so gut er es kann

Guido – Autor: Guido Peternell

P.S.: Es ist höchst unproduktiv, alle Dinge perfekt und 100-prozentig erledigen zu wollen.

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2 thoughts on “Perfekt sein – Turbo oder Hemmschuh?

  1. Dieter Kirchner

    Lieber Guido,
    herzlchen Dank für deine Tipps (die zwar nicht neu sind – aber zu oft „vergessen“ werden), aber vor allem für dein Engagement trotz Rente (oder gerade, wegen Rente?). Nun hat mich ja das „Rentenalter“ auch eingeholt, doch von Müßiggang keine Spur… Deshalb war es gut, deine Tipps nochmals zu lesen.
    Bleib gesund bei allem was du (im Maßen) tust. Liebe GRüße aus Ffm
    D i e t e r

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Servus Dieter,
      schön von dir zu hören. Danke auch für dein Feedback. Es ist meine Motivation, diese Beiträge zu schreiben.
      Ich wünsche dir für die Rente dieselbe Erfüllung, wie sie für mich ist.
      Liebe Grüße und bleib auch gesund
      Guido 🙂

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