Mein Weg aus der Komfortzone (2)

Mein Weg aus der Komfortzone kann auch dein Weg heraus werden. Ich habe in all meinen Tätigkeiten, privat wie auch beruflich, immer wieder Dinge in meinem Leben geändert. Und zwar deshalb, weil die Schmerzgrenze schon zu hoch war oder weil ich mich weiterentwickeln wollte.

Mein Weg aus der Komfortzone
Mein Weg aus der Komfortzone | © by guidopeternell

In meinen Augen ist die Komfortzone unsere Bequemlichkeits-Zone. Das ist die Zone, in der ich ohne großen Aufwand meine Routinen abspule und Gewohnheiten auslebe. Diese Zone sorgt per Autopilot für meinen Tagesablauf.

Irgendwie erinnert mich die Komfortzone an die amerikanische Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“. In dieser Komödie spielt Bill Murray einen Wetteransager, der ein und denselben Tag immer wieder erlebt.

Begeisterung treibt mich an

Ich brauche die Momente, in denen meine Augen zu leuchten beginnen und ich die Begeisterung über eine neue Idee von mir verspüre. Ich verlasse gerne meine Komfortzone, um eine neue Ski- oder Wandertour zu planen, mit meinen Enkelkindern zu basteln, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben oder ein neues Konzept zu kreieren.

Ich probiere gerne etwas Neues aus

Außerhalb meiner Komfortzone finde ich Inspiration, Kreativität, neue Ideen und Chancen, die ich zu meinem Vorteil nutzen kann. Dabei gehe ich mit offenen Augen durch die Welt, um das was ich sehe zu hinterfragen und vielleicht sogar aufzunehmen, um es für mich oder meine Branche umzusetzen.

Wir müssen nicht ständig etwas Neues erfinden, da es auf unserer schönen Welt schon viel Gutes beziehungsweise Nützliches gibt. Ich kann mich von diversen Ideen inspirieren lassen, sie verbessern oder anpassen und für meine Arbeit oder Freizeit nutzen. Auch du kannst so handeln und für dich Neues ausprobieren. Vielleicht sogar etwas, das du schon immer einmal machen wolltest, dich jedoch bisher nicht getraut hast.

Deine Gedanken sind der Anfang deiner Taten

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Achte auf deine Gedanken, denn sie sind der Anfang deiner Taten“. Als mich mein Blutdruck (220) und mein Übergewicht (dreistellig) plagten, sorgte mein Arzt mit seinen treffenden Aussagen über meine Lebenserwartung bei mir für die Einsicht, dass ich mein Leben ändern muss.

Ich war ja mit meiner damaligen Situation unzufrieden und wollte mir mit einer Herausforderung selbst beweisen, dass es auch anders geht. Also fasste ich den Entschluss, innerhalb von 2 Monaten meine Fitness so zu verbessern, dass ich stolz auf mich sein konnte.

Ich schwang mich jeden zweiten Tag auf mein Mountainbike

Mein Entschluss stand fest: „Ich fahre mich mit meinem Mountainbike wieder fit und gesund.“ Dazu wählte ich eine Strecke, die nach zirka 3,5 km von Asphalt auf Schotter wechselte und 16 km lang war. Aufwärts etwa 11 km und abwärts zirka 5 km. Der positive Höhenunterschied betrug 470 Höhenmeter.

Biken für meine Fitness und Gesundheit
Biken für meine Fitness und Gesundheit | © by guidopeternell

Als ich mit meinem Training begann, brauchte ich für diese Strecke zirka 1,5 Stunden. Na klar, ich hatte ja satte 100 kg Körpergewicht mit meinem Muskelbike (nicht E-Bike) zu bewegen. Und zwei Drittel davon auch noch aufwärts. Ich fuhr alle zwei Tage früh morgens von zu Hause weg, durch den Wald, vorbei an Wildhasen und Eichkätzchen und hörte zwischen meinem schweren Atem Vogelgezwitscher.

Nach etwa 2 Monaten hatte ich 480 km und 14.000 Höhenmeter in meinen Beinen. Diese Konstanz außerhalb meiner Komfortzone wirkte sich auch positiv auf mein Körpergewicht und meinen Blutdruck aus. Ich war sehr stolz auf diese Leistung und habe mir das Mountainbiken, das Wandern und das Skitourengehen bis zum heutigen Tag beibehalten. Heute wiege ich um die 85 kg und habe, wenn ich Sport betreibe einen Blutdruck von zirka 130/80 mmHg.

Positive Nebenerscheinungen

Mit der körperlichen Fitness und den positiven Gesundheitswerten hatte mein Training noch weitere Nebenerscheinungen. Mein SelbstMANAGEMENT wurde besser, da ich meine vorhandene Energie nicht mehr nur meiner Arbeit unterordnete, sondern damit alle vier Lebensbereiche bediente.

Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und so ist es auch mit den Wegen aus der Komfortzone. Mit jedem Schritt aus deiner Komfortzone entwickelst du dich weiter und bringst deine Karriere voran. Hier verrate ich dir meinen Weg in 9 einfachen Schritten, mit denen ich es immer wieder schaffe, aus meiner Komfortzone auszubrechen:

Schritt 1: Akzeptiere deine Komfortzone

Du hast genauso eine Komfortzone wie ich und alle anderen Menschen auf unserem Planeten. Beim einen ist sie größer und beim anderen ist sie kleiner. Sie schützt und behindert uns gleichzeitig. Wenn sie dich unglücklich und unzufrieden macht, weil du nicht weiterkommst, dann ist der Zeitpunkt gekommen, um Wege aus der Komfortzone zu finden.

Schritt 2: Kleine Schritte sind motivierender

Kleine Schritte mit Erfolgserlebnissen sind besser als große Schritte ohne Erfolg. Gut Ding braucht Weile. Erweitere nach und nach deinen Handlungsspielraum. Kleine Veränderungen, die machbar sind motivieren dich mehr als einen Gipfel zu stürmen, den du nicht erreichen kannst. Sei bereit, deine ersten Schritte aus der Komfortzone zu wagen. Gehe langsam auf dein kleines Ziel zu. Bleib konsequent auf Spur und taste dich an die Situation heran.

Schritt 3: Starte ungewohnt in den Tag hinein

Steh morgens um 10 Minuten früher auf und trink statt nur Kaffee jedes zweite Mal Tee. Nutz die dadurch gewonnene Zeit um anstatt in der Zeitung, in einem interessanten Buch zu lesen. Damit verlässt du schon dreimal deine Komfortzone. Ich lese gerade „Lebe deine Stärken von Jörg Löhr“ und „Der E-Mail Insider von René Rink“.

Schritt 4: Nimm nicht zu viele Dinge auf einmal in Angriff

Hast du zu viele Baustellen (Aufgaben, Projekte…) offen? Mir ging es früher auch so. Dadurch verspürte ich immer mehr ungesunden Stress, der mich bremste. Gesünder ist, einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Starte mit einer einzigen Veränderung und fokussiere dich darauf. Diese Vorgehensweise ist am erfolgreichsten und du kannst so Schritt für Schritt eine Baustelle nach der anderen abarbeiten.

Schritt 5: Formuliere deine Ziele und leg dir eine Löffelliste an

Beim Ausbrechen aus der Komfortzone helfen mir meine schriftlich formulierten Ziele und meine Löffelliste. Die Idee zur Löffelliste lieferte mein Freund und Mentor Martin Holubar und der Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson.

Erstelle auch du eine Liste mit Dingen, die du machen willst und Zielen, die du in deinem Leben noch erreichen willst. Berücksichtige darin auch deine ganz persönlichen Wünsche, die wie Fixsterne am Himmel stehen. Mit der Löffelliste wirst du feststellen, dass du deine Komfortzone verlassen musst, um diese Ziele erreichen zu können. Eine solche Erkenntnis ist oft ein Ansporn für große Taten.

Schritt 6: Red‘ nicht nur darüber sondern tu es einfach

Handeln kommt von H.A.N.D und nicht von M.U.N.D! Alles Große begann mit dem ersten Schritt. Analysiere deine aktuelle Situation. Schreib auf, was dich derzeit bedrückt und dein Problem ist. Dieser erste Schritt kostet dich nur ein Blatt Papier und ein wenig Zeit, über dich und deine aktuelle Situation nachzudenken.

Als zweiten Schritt machst du dir Gedanken zu deiner Erstaufzeichnung. Frag dich dabei, wohin du willst und was dein Wunschziel ist. Und so gehst du Schritt für Schritt in deinen Überlegungen weiter und fokussierst dich immer nur auf deinen nächsten kleinen Schritt.

Schritt 7: Achte nicht auf die Meinung anderer

Die Meinung anderer ist kein Grund, in der Komfortzone zu verweilen. Auch ich wollte jedermanns Liebling sein bis ich erkannte, dass das meiner Kundenakzeptanz nicht förderlich war. Also verließ ich den Pfad des Durchschnitts und der Anpassung, wurde anders als die anderen und verpasste mir ein ganz persönliches Profil.

Kritik tat mir anfangs zwar weh, ermöglichte mir jedoch enorm zu wachsen. Ich habe oft sehr intensiv mit meinen Kunden diskutiert, um sie auf Schiene zu bekommen und sie waren mir hinterher immer dankbar dafür. Natürlich war das ein harter Lernprozess. Er hat mich jedoch zu dem gemacht, was ich heute bin.

Heute weiß ich, was ich kann und dieses gesunde Selbstbewusstsein erlaubt mir, über der Meinung anderer zu stehen. Heute kann ich ignorieren, was andere von mir halten. Doch bitte nicht falsch verstehen. Ich bin bei Gott nicht arrogant oder eingebildet. Konstruktives Feedback wünsche ich mir sogar und Anerkennung nehme ich auch gerne entgegen. Ich weiß jedoch, dass ich nicht jedem zu Gesicht stehen kann und deshalb sehe ich über diverse Angriffe von Neidern und Besserwissern hinweg.

Schritt 8: Gib nicht auf

Das ist leichter gesagt, als getan. Als ich nach 13 Jahren in der Fahrschule kündigte, in der ich arbeitete, wusste ich nicht, wie schwer der Einstieg in die Selbstständigkeit ist. Ich ging die Sache mit der rosaroten Brille an und merkte erst nach und nach, welche Steine ich dort zur Seite zu schaffen hatte.

Ich habe jedoch meiner damaligen Selbstständigkeit niemals die Chance gegeben, wieder in einen Angestellten-Job zu wechseln. Aufgeben war nicht vorgesehen, obwohl ich mich in der Startphase sehr schwer über Wasser halten konnte. Theoretisch sah alles so einfach aus, hatte jedoch mit der Praxis sehr wenig zu tun.

Im Gegensatz zu meinem Einstieg in die Selbstständigkeit (Verlassen der Komfortzone) war die Komfortzone meiner alten Firma ein bequemes, ruhiges Örtchen. Als ich diese verlassen habe, bin ich öfters nahe an meine Grenzen gestoßen. Ich habe jedoch für mein Handeln nie Ausreden gesucht oder ein Aufgeben eingeplant gehabt.

Schritt 9: Die Wiederholung macht dich zum Meister

Hier möchte ich dir von meiner Höhenangst erzählen. Die war so stark, dass ich, wenn ich bei meiner Großmutter im 4. Stock am Balkon stand und von dort hinunterschaute, mir fast in die Hose machte. Für mich war das Gefühl so bedrückend, dass ich mich sogar dafür schämte. Was war ich doch für ein Feigling, wenn ich trotz Geländer fast meine Hose voll hatte.

Mein Tandemsprung
Mein Tandemsprung | © by guidopeternell

Das lies mir keine Ruhe und ich kämpfte dagegen an. Ich buchte ein Wochenseminar, in dem es um Persönlichkeitsentwicklung ging. Ein Höhepunkt dieses Seminares war ein Fallschirmsprung aus einem Hubschrauber von 3.000 Meter Höhe. Der Kerl mit dem roten Anzug im Bild oben bin ich. Vielleicht kannst du dir vorstellen, was das für eine Überwindung für mich war. Ich bekam fast einen Herzinfarkt, als ich beim Hochfliegen mit dem Hubschrauber bei offener Tür mit den Beinen auf den Kufen sitzen musste. Der freie Fall nach unten war ein Wahnsinn.

Ich mach‘ es immer wieder

Ich machte es wieder und immer wieder. Nicht den Sprung aus dieser Höhe, sondern mein Training gegen meine Höhenangst. Ich besuchte dazu mehrere Hochseilgärten, in denen ich in schwindelnder Höhe (doppelt gesichert) meine Antihöhenangst-Trainings absolvierte. Und im vergangenen Jahr bin ich mit meinem Freund und Mentor Martin Holubar schon drei Klettersteige gegangen. Senkrecht die Wände hoch. In Felsspalten und über eingeschlagene Hacken und Leitern.

Wiederholung fördert deine Routine

Durch das Wiederholen steigerte ich meine Routine und die Höhenangst wird mit jedem Schritt auf den Berg weniger. Ob ich sie ganz ablegen kann, kann ich dir noch nicht sagen. Ich kann dir jedoch sagen, dass ich stolz darauf bin, es soweit geschafft zu haben. Wenn ich so auf den Bergen stehe und die Aussicht dort genießen darf, dann weiß ich, wofür ich mich angestrengt habe und dass ich das in meiner Komfortzone nicht erleben könnte.

Und so kannst du dich auch von einem Abenteuer (und das gibt es nur außerhalb deiner Komfortzone) zum nächsten steigern und sogar zum Experten heranwachsen. Chancen finden, Erfahrungen sammeln, Ängste überwinden, persönlich wachsen, Stärken trainieren, Träume in die Tat umsetzen und dein Leben verbessern, kannst du nicht innerhalb deiner Komfortzone, sondern nur außerhalb. Du musst es nur TUN!

Für deinen Erfolg!

Dein immer wieder seine Grenzen auslotender

Guido – Autor: Guido Peternell

P.S.: Um gelerntes zur Gewohnheit werden zu lassen, braucht unser Gehirn angeblich mindestens 21 Wiederholungen.

P.P.S.: Nur wenn du die oberen Empfehlungen umsetzt, kannst du aus deiner Komfortzone ausbrechen!

2 thoughts on “Mein Weg aus der Komfortzone (2)

  1. Jacqueline Weber

    Lieber Guido,

    Höhenangst?! Du?!… Ich bin enorm verblüfft. Das hätte ich nicht erwartet.
    Doch wenn ich es genauer bedenke, wird es mir klar. Die Dinge, in denen wir die größte Leidenschaft zum Ausdruck bringen können, sind jene, die wir uns erringen mussten, die wir Widerständen zum Trotz anvisieren. Aus der Angst heraus mobilisieren wir Kraft und Willen.
    Das war bei mir auch so. Als kleines Kind hatte ich große Angst vor Maschinen. Mein Vater hatte eine Frese selbst gebaut, zum Beackern und Pflügen des Feldes. Es war ein möndtröses zweirädriges Ungetüm mit einem Wartburg-Getriebe, Kettenantrieb und ohne Schalldämpfer. Zum Abparken musste immer eine zusätzliche Person zwei Ziegelsteine vorn unter den Querramen legen. Das war meine Aufgabe. Da bekam ich jedesmal fast einen Herzinfarkt. Der Lärm, das Spucken, Knattern und Zittern des Monsters war grauenhaft. Irgendwie war mir aber auch die Angst davor unangenehm und ich wollte sie mit absichtlich Mutproben besiegen. Da begann ich Interesse für Motoren zu entwickeln und assistiere daraufhin freiwillig bei Wartungen und Feldeinsätzen. Jahre später meldete ich mich in einer Fahrschule für den LKW Führerschein und fuhr mit großer Freude quer durch Deutschland und Europa. Heute ist das Geräusch eines LKW Dieselmotors ein Genuss für mich.

    Danke, dass Du Deine Erfahrungen so offen mit den Lesern teilst, lieber Guido!

    Liebe Grüße
    Jacqueline

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Liebe Jacqueline,

      ja, so ist es. Es hat jeder von uns seinen Rucksack (bei uns sagt man Pinkerle) zu tragen.
      Die einen nehemen es ihr Leben lang hin. Die anderen TUN etwas dagegen. Ich gehöre zu den anderen, weil ich nicht aufhören will, mich weiter zu entwickeln.
      Angst ist ein schlechter Berater, den ich so wenig wie möglich in Anspruch nehme.
      Meine Hochachtung dafür, dass du die großen Truck’s quer durch Europa pilotiert hast. Das ist ja auch ungewögnlich für so eine zarte, intelligente Frau wie dich. Ich hatte einen Partner, der lieber seine LKW’s durch die Gegend lenkte, anstatt Fahrschüler auszubilden. Dafür taufte ich ihn „überqualifizierter LKW-Fahrer“.
      Ich teile gerne meine Erfahrungen mit interessierten Menschen, denn dadurch kann ich Mut machen, aus dem Durchschnitt auszubrechen und nach höherem zu streben.
      Danke fürs Weiterempfehlen meiner Beiträge.

      Liebe Grüße
      Guido 🙂

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