Machen Fahrschulen mit Durchfaller Zusatzgeschäfte? Teil 2

Die Wogen haben sich ein wenig geglättet und doch regt das Thema „Machen Fahrschulen mit Durchfaller Zusatzgeschäfte?§ noch auf. Die Artikel über die ACE Aussagen füllen Zeitungen und Internet. Jeder gibt seinen Senf dazu.

blog_Zeitungen01-3Leider viele davon ohne seriöse Recherche oder ohne sich in der Branche auszukennen. Egal, jedenfalls sind die Fahrschulen in den Medien. Ob positiv oder negativ, die Leserschaft spricht darüber. Viel PR also für Fahrschulen. Die Schlagzeilen sind Quotenbringer. Albtraum Führerscheinprüfung, jeder Dritte fällt durch. Mancher will sogar wissen, dass Sachsen-Anhalt die höchsten Durchfaller aufweist. Sofort wird das mit mangelhafter Ausbildung interpretiert, ohne dabei zu vergessen, für Fahranfänger nützliche Tipps dabei zu verteilen.

Durchfaller ACEDer ACE hat die Veröffentlichung seiner Presseaussendung geschickt vor den Beginn des 51. Verkehrsgerichtstages (23. bis 25.1.) rausgesendet. Bei der Tagung, zu der in Goslar rund 1900 Verkehrsexperten zusammen kamen, sollte somit die Verbesserung der Fahrausbildung ein zentrales Thema sein. Ich hoffe, es waren auch genügend Fahrschulverantwortliche dort anwesend, um so ein wichtiges Thema nicht nur den so genannten Verkehrsexperten zu überlassen. Sonst würde nur noch mehr das Gerücht geschürt, dass es einen Zusammenhang zwischen den vielen Durchfallern und der schlechten Ertragslage gibt. Ein netter Zug vom ACE ist, Führerscheinaspiranten dazu aufzufordern, Fahrschulen nicht unbedingt nach vermeintlichen Billigpreisen auszusuchen. Ein wahrlich netter Zug vom Club.

Durchfaller ADACAuf der anderen Seite vergleicht der ADAC die Führerscheinkosten in 15 verschiedenen Städten. Osten günstig und Süden teuer lautet darin die Aussage. Es ist ungemein seriös, einen Preis-Check wie es der ADAC nennt zu machen, ohne dabei die Verdienststruktur, die Arbeitslosenrate, die Kaufkraft und die Lebenshaltungskosten dabei zu berücksichtigen. Auch hier werden somit Äpfel mit Birnen verglichen. Auch ganz logisch ist, dass Großstädte durch den größeren Wettbewerb etwas günstiger sind als kleinere. Grundgebühren, Anmeldegebühren und Prüfungsgebühren sollen laut dem Autofahrerclub große Unterschiede aufweisen. Anscheinend weiß dieser nicht, dass Fahrschulen keine Behörden sind und somit keine Gebühren verrechnen dürfen.

blog_bezahlen01-3Die Aufforderung des Autofahrerclubs, die Fahrschulkosten detailliert aufzulisten, ist in Österreich durch das Tarifblatt, das ausgehängt werden muss, gegeben. Und Grundbeitrag wie Vorführung bei den Prüfungen sind kalkulierte Preise der Fahrschulbetreiber, die man ohne Gebührenordnung nicht vorschreiben kann. Auch wenn manche schreien, dass die Führerscheinkosten staatlich gewollter Wucher sind und die Theorie in der Schule unterrichtet gehört, darf man nicht vergessen, dass es dabei um die Verkehrssicherheit und das Leben unserer Jugend geht. Und Verkehrssicherheit zum Nulltarif ist und bleibt eine Illusion. Auch wenn von manchen noch mehr Wettbewerb gefordert wird.

Durchfaller Fahrschule_MagazinAuch Fahrschule 2/2013 kritisiert die Verunglimpflichung des Berufsstandes durch den ACE. Darin wird festgestellt, dass der Club sich in seinen willkürlich zusammengestellten Fakten oft in Widersprüche verstrickt und sich in diversen Argumenten auf den Bundesverband Deutscher Fahrschulunternehmer (BDFU) bezieht. Dies schreibt so Hans Kitzberger von der Fahrschule (Das Magazin für erfolgreiche Fahrlehrer), sei ein kleiner Verband, der große Fahrschuleinheiten favorisiert.

Blog_Bressensdorf01-3Im Magazin steht auch, dass Gerhard von Bressensdorf durch die Pressemitteilung des ACE rund 40 Gespräche mit Redaktionen, Radio- und TV-Stationen führen musste. Darin beteuerte er, dass die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) alles in ihrer Macht stehende tut, um gegen die schwarzen Schafe der Branche anzukämpfen. Dieter Quentin, der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen glaubt sogar an eine Marktbereinigung durch Fahrschulen mit hohen Durchfallquoten.

Dr. Walter Weißmann, der 1. Vorsitzende des Landesverbandes Bayrischer Fahrlehrer (LBF) begrüßt Anregungen für eine weitere Verbesserung der Ausbildungsqualität. Somit empfehle ich den Lesern dieser Zeilen, ihre Verbesserungsvorschläge bei Dr. Walter Weißmann im LBF zu deponieren. Wir werden dann sehen, inwieweit sich die Ausbildungsqualität dadurch verbessert.

Und auch Matthias Wimpff, dem Vorstand der Academy Holding AG wurde im Magazin für erfolgreiche Fahrlehrer eine Plattform gewährt, indem Teile seiner Presseaussendung zu den Vorwürfen des ACE zitiert wurden.

blog_Lupe01-3Nett empfinde ich vom ACE, die Führerscheinaspiranten dazu aufzurufen, Fahrschulen nicht unbedingt nach vermeintlichen Billigpreisen auszusuchen. Entscheidend sei eher eine hohe Quote bestandener Prüfungen, sagte Sprecher Hillgärtner. Ein gut gemeinter Ratschlag. Wo doch Interessenten und Kunden viele Möglichkeiten haben, die Durchfallquoten von verschiedensten Fahrschulen miteinander zu vergleichen. Daran sieht man wieder einmal, dass Rat-Schläge auch Schläge sein können.

Durchfaller LBFInteressant ist auch die Pressemitteilung des Landesverbandes Bayrischer Fahrlehrer. Darin wird auf die Kritik des ACE eingegangen und mit niedrigeren Fahrausbildungszahlen und gleichbleibenden Durchfallquoten dagegen argumentiert. Es wird auch darin festgehalten, dass die Fahrlehrerverbände bereits jahrzehntelang die Anhebung der Zugangsvoraussetzungen fordern. So zahnlos ist der BVF nicht, dass er mit einer Forderung jahrzehntelang keinen Erfolg hat. Voraussetzung ist natürlich, wie konsequent und nachdrücklich eine solche Forderung an den richtigen Stellen immer und immer wieder platziert und nachgefasst wird.

Es sei nicht auszuschließen, dass „einige Institute auf eine hohe Durchfallquote spekulieren, um anschließend zusätzliche Fahrstunden abrechnen zu können“, zitiert die WAZ NewMedia GmbH & Co. KG in DerWesten die Studie. Infame Unterstellungen kritisiert Friedel Thiele, der Vorsitzender des Fahrerlehrer-Verbands NRW. „Diese Studie ist eine Mogelpackung und absolut unseriös“ meint er.

Durchfaller RampenlichtOb jetzt die Studie eine Mogelpackung ist oder nicht, der ACE hat jedenfalls damit erreicht, dass er wieder in allen Medien ist. Und mit ihm die „ach so unseriösen Fahrschulen“, die ihre Kunden abzocken. Fakt ist, dass damit auch die Fahrschulen im Rampenlicht stehen. Seriöse wie schwarze Schafe gemeinsam in einem Topf geworfen. Ist das nicht ungerecht? Ungerecht ja, und vielleicht gleichzeitig eine Chance, das System zu hinterfragen. Kann ein System gut sein das ermöglicht, ständig neue Fahrschulen zu eröffnen und mit Lockangeboten Interessenten vom Markt abzuziehen? Kann ein System gut sein das ermöglicht, in immer kürzerer Zeit zu immer billigeren Preisen eine Ausbildung anzubieten, das unser aller Verkehrssicherheit gefährdet? Kann ein System gut sein das ermöglicht, mit Durchfaller zu kalkulieren um den Deckungsbeitrag zu erhöhen? Kann ein System gut sein das ermöglicht, trotz hoher Bürokratie fast unkontrolliert im Unternehmen schalten und walten zu können, nur um Mitbewerber und Kunden zu betrügen? Kann ein System gut sein das ermöglicht, Mitarbeiter auszubeuten und mit Abmahnungen zusätzliches Geld zu verdienen?

blog_Veränderung03-3Es ist deshalb wichtig, gegen das System etwas zu unternehmen und nicht immer auf die Mitbewerber zu schauen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen dann haben auch schwarze Schafe (die es immer geben wird) keine Chance, unbemerkt und unkontrolliert ihre Spielchen zu treiben. Ich habe am 4. Fahrlehrerkongress in Berlin das Gefühl gehabt, dass in der Branche ein Generationenwechsel stattfindet. Die pädagogisch sicher gut ausgebildete junge Generation wird an ihre Aufgaben heran geführt. Ihnen muss man die Chance geben, sich auf ihre Arbeit konzentrieren zu können, ohne in der Bürokratie zu ersticken.

Andererseits bedarf es eines Überwachungssystems, das die Legalität gewährleistet, damit nicht die ehrlichen Fahrschulbetreiber durch die Finger schauen.

PS: Junge Fahrschulbetreiber formiert und engagiert euch. Auch wenn es schwer ist, in bestehenden Strukturen der Verbände Fuß zu fassen und neues, modernes durchzusetzen. Es ist eure Zukunft und die kann/darf nicht NUR von Personen meines Alters gestaltet werden. Veränderung erfordert Engagement und kostet Energie. Das ist der Preis, den Ihr für eure Zukunft bezahlen müsst.

– Autor: Guido Peternell

2 Gedanken zu „Machen Fahrschulen mit Durchfaller Zusatzgeschäfte? Teil 2

  1. Ulrich Pfaffe

    Hallo, die Aussage des ACE kann man gleichsetzen mit dem dummen Sprüchen eines Betrunkenen. Vielleich wollen die sich nur mal in den Vordergrund stellen weil man die Vereinigung kaum kennt! Auf meiner Homepage kann jeder in das Gästebuch sehen, auf der Seite Gratulation sieht man die bestandenen Fahrschüler der letzten Zeit, da steht fast immer:“…beim ersten Mal!“ Und das bei 95% der praktischen Prüfung in den letzten 14 Monaten! Ich bemühe mich sehr, die Verkehrssicherheit mit meiner Arbeit zu erhöhen, hoffentlich bemüht sich der ACE auch so sehr und versucht, wie z.B. der ADAC, mit Fahrschulen zusammenzuarbeiten um die Sicherheit der jungen Leute zu erhöhen! Ich habe bis jetzt noch nicht von einem ACE gehöhrt!! In meinen Augen dummes Geschwätz, über das meine Fahrschüler sehr gelacht haben!! Ulrich Pfaffe (ulis-fahrschule.com)

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Uli,

      ja natürlich wollen die sich in Szene setzen. Das tun sie damit sehr gut. Der Zeitpunkt war für sie auch perfekt. Nur leider auf Kosten der Fahrschulen.

      Deine Kundenfeedbacks zeigen, dass du deine Arbeit sehr gut machst. Da können auch Verunglimpflichungen von Mitbewerber nichts daran ändern. Ganz im Gegenteil – das spornt eher noch an.

      Weiterhin viel Erfolg und danke für den Kommentar.
      Liebe Grüße nach Markneukirchen
      Guido 🙂

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