Fehler können dich (noch) erfolgreich(er) machen

Fehler bieten dir die Möglichkeit, dazu zu lernen. Leider entspricht dieser Lernvorgang nicht unserem Erfolgsverständnis, da soweit ich denken kann, in unseren Schulen eine 1 ein „sehr gut“ und eine 5 (oder 6) ein „nicht genügend“ bedeuten. Nicht genügend bedeutet also: „Zu viele Fehler gemacht!“

Fehler können dich (noch) erfolgreich(er) machen
Fehler können dich (noch) erfolgreich(er) machen | © by guidopeternell

Ich weiß nicht, wie das bei dir war. Ich jedenfalls wurde schon als Kind immer darauf aufmerksam gemacht, Fehler zu vermeiden. Im Kindergarten und vor allem in der Schule wurde ich immer wieder auf meine Fehler aufmerksam gemacht.

An meinen Fehlern gemessen

Ich sah es immer wieder, wenn ich in meinen Schulheften mit rotem Stift dick eingekreist oder unterstrichen auf meine Fehler aufmerksam gemacht wurde. Damit sollte ich wahrscheinlich nie meine Fehler vergessen. Auch wenn mehr Antworten richtig anstatt falsch waren, war die Konzentration immer nur auf meine Fehler gerichtet. Und die Noten zeigten mir, dass ich (fast) nur an meinen Fehlern gemessen wurde.

Fehler kratzten an meinem Selbstvertrauen

Meine Fehler haben damals meinem Selbstvertrauen geschadet. Ich hatte in meiner Schulzeit und Ausbildung Angst, etwas falsch zu machen. Mir wurde immer wieder das Gefühl vermittelt, dass ich zu schlecht, zu dumm oder zu faul bin und es im Leben zu nichts bringen werde. Ich war jedoch nicht der Einzige in meiner Klasse, der dies durchmachte, denn diese Vorgehensweise hatte bei einigen unserer Lehrer System.

Dies verdanke ich meinen Pflichtschul-Lehrern

Vielleicht war das auch der Grund, dass ich nicht gerne zur Schule ging. Dass ich dort nur das Nötigste tat, um nicht rauszufliegen oder um weiterzukommen. Ich war bei Gott kein Musterschüler und habe deshalb meine Zeugnisse nie meinem Sohn gezeigt. Oft bin ich mir wie ein Vollidiot vorgekommen, der nur darauf aus war, keine Fehler zu machen.

Die Konzentration auf Fehler führt zu behindernden Glaubenssätzen

Glaubenssätze haben großen Einfluss auf unser Leben und blockieren unsere Weiterentwicklung. Sie führen dazu, dass wir uns mit Selbstvorwürfen geißeln und uns über uns selbst ärgern. Das ist jedoch kontraproduktiv, denn besser wäre es, wenn wir uns auf die mögliche Lösung konzentrieren.

Übliche Fehler und fatale Fehler

Natürlich können Fehler sich auch fatal auswirken. Manchmal können sie wie im Verkehr (Straßen-, Zug-, Luftverkehr) oder bei einer Operation sogar tödlich enden. Davon wollen wir jedoch nicht ausgehen, denn sonst würden wir uns in keinen Flieger mehr setzen oder uns nicht mehr operieren lassen.

Angst vor Fehler

Meistens haben wir Angst davor, was andere über uns denken. Oder wir haben Angst vor den Konsequenzen. Angst bremst jedoch unsere Handlungsfähigkeit. Wenn ich mir bei jeder Tätigkeit erst eine Rückversicherung holen muss, weil ich Angst habe, etwas falsch zu machen, dann habe ich nicht die Verantwortung über mein Leben, sondern bin fremdgesteuert. Wenn du Angst vor dem Stolpern gehabt hättest, hättest du nie gehen gelernt.

Angst bremst unsere Produktivität

Unternehmer unter uns denken sich jetzt: „Ja das stimmt und ich muss etwas dagegen tun!“ Angestellte unter uns denken sich jetzt vielleicht: „Ich bin ja angestellt und bekomme sowieso mein Geld.“ Solch denkende Angestellten dürfen sich nicht wundern, ausgetauscht zu werden, denn kein Unternehmen kann es sich leisten, vom Mitbewerber überholt zu werden.

Auch Sportler machen Fehler

Im Sport wird jede Übung bis zur Perfektion geübt. Und trotzdem kann kaum ein Sportler 100% Perfektion erreichen. Fehler können fast nicht vermieden werden und oft auch sehr schmerzhaft sein. Eine Sekunde Unkonzentriertheit bezahlen Skirennläufer, Motorradrennfahrer oder auch nur Hobby-Mountainbiker wie ich einer bin oft mit einem Sturz. Das musste ich erst gestern wieder schmerzlich selbst feststellen. Ein kaputtes Fahrrad, Prellungen und Hautabschürfungen sind die Folgen eines Fehlers oder einer Unachtsamkeit.

Kinder machen einen Fehler nach dem anderen

Daraus lernen sie und können sich weiterentwickeln. Ihnen ist es egal, ob jemand dabei zuschaut oder was andere über sie denken. Sie sind nur auf ihr nächstes großes Projekt oder ihr nächstes Abenteuer fixiert. Sie strotzen vor Tatendrang und betreiben immer wieder dasselbe Spiel: „hinfallen, aufstehen, hinfallen, aufstehen!“ Sie holen sich keine Rückversicherung sondern TUN es so lange immer wieder, bis es funktioniert.

Negative Erfahrung mit Fehler

In weiterer Folge des Lebens kommt die Angst dazu. Die Angst, vor anderen doof dazustehen, die Angst vorm Scheitern. Die Folge daraus ist, dass wir risikoscheuer werden und lieber in unserer Komfortzone verharren. Wir fühlen uns wohl in unserer Komfortzone, in der uns niemand beobachtet. Alles ist schön rund und eingespielt. Das einzige, was uns darin fehlt, ist unsere persönliche Weiterentwicklung.

Wir bleiben lieber in unserer Komfortzone
Wir bleiben lieber in unserer Komfortzone | © by guidopeternell

Fehler sind nichts Negatives

Negativ über Fehler zu denken hemmt dich in deiner Weiterentwicklung. Dadurch wirst du nur nervös und unsicher. Du bekommst Angst davor, weitere Fehler zu machen. Stattdessen solltest du Fehler als Chance für deine Weiterentwicklung sehen. Lerne aus deinen Fehlern und mach es das nächste Mal besser. So wie die Kinder: „Umfallen, aufstehen, weitergehen, bis sie es können!“

Fehler bringen dich weiter

Es sind die Fehler, die dich weiterbringen. Es ist das, was du aus deinen Fehlern gelernt hast und du zukünftig besser machen kannst. Thomas Alva Edison brauchte angeblich über 10.000 Versuche, um eine brauchbare Glühbirne zu entwickeln. Das bedeutet jedoch auch, dass er mindestens 10.000 Mal umgefallen, aufgestanden und es weiterversucht hat.

Zufällig kann ein Fehler zum Erfolg führen

Der US-amerikanischer Chemiker Spence Silver arbeitete bei 3M und entdeckte durch Zufall einen nicht besonders gut haftenden Klebstoff. 3M stempelte diesen Klebstoff als Fehlproduktion ab. Spence Silver zeigte jedoch den Klebstoff jedem, der sich dafür interessierte. Fünf Jahre später nutzte ihn sein Freund Arthur Fry, um damit in seinem Gesangsbuch Musikstücke zu markieren. Damit hat Arthur Fry mit der von 3M abgestempelten Fehlproduktion die Post-its erfunden.

In jedem Fehler steckt eine Chance

An der oberen Geschichte von 3M kannst du sehen, dass in jedem Fehler auch eine Chance für Fortschritt und Erfolg liegt. Es gäbe ohne solche Fehler keine Kreativität, Innovation oder nützlichen Erfindungen. Es ist also nicht wichtig, perfekt und fehlerlos zu sein, sondern an unseren Zielen dranzubleiben. Auch wenn wir dabei Fehler machen. Ich habe auch Rückschläge einstecken müssen, bin dadurch oftmals umgefallen, aufgestanden und weiter gegangen.

Mit Ausdauer zum Ziel

Wenn du also deine Ziele erreichen willst, dann darfst du keine Angst vor Fehlern haben. In der Akquise sagt man, dass man für ein „Ja“ vorher zehn „Nein“ einstecken muss. Das wissen erfolgreiche Vertriebler und genau deshalb sind sie auch erfolgreich. Erfolglose Vertriebler verzweifeln mit jeder Absage mehr und geben dadurch oft viel zu früh ihr Vorhaben auf. Sie haben Angst vor der Absage und werden deshalb auch nie ihr Ziel erreichen.

Neues entsteht durch das Lernen aus Fehlern

Gute Qualifizierung schafft gute Rahmenbedingungen für eine konstruktive Fehlerkultur. Es ist nicht wichtig, bei Fehlern einen Schuldigen zu suchen. Viel wichtiger ist, Fehler sachlich zu analysieren, um in der Folge daraus zu lernen und um sie nicht zu wiederholen. Nur wenn wir die Angst vor dem Scheitern verlieren, dann steigt der Wille, Risiken auf sich zu nehmen und Experimente zu starten. Auch aus gescheiterten Experimenten können wir lernen, um es mit dem daraus gelernten erneut zu versuchen.

Ein Sprichwort sagt: „Das Leben ist kein Ponyhof“

Das Leben ist vollgepflastert mit Ungewissheiten und Fehlentscheidungen. Niemand weiß im Vorhinein, ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist. Was heute richtig erscheint, kann morgen schon wieder falsch sein. Niemand ist perfekt. Es kochen alle nur mit Wasser. Wichtig dabei ist ist nur, hinter seiner Entscheidung zu stehen und wenn sie wirklich falsch war, dann es das nächste Mal besser zu machen.

Und so gehst du am besten mit Fehler um

Schritt 1: Wenn dir ein Fehler auffällt, dann gib ihn zu

Viele geben ihre Fehler nicht zu, sondern vertuschen oder verheimlichen sie. Das zeigt von schwachem Selbstvertrauen, ist nicht gut und verhindert meistens die Auseinandersetzung mit der Ursache des Fehlers. Diese Vorgehensweise erschwert, mit dem Fehler konstruktiv umzugehen und ihn das nächste Mal zu vermeiden. Und wenn man (Chef, Kollege, Kunde) dann trotzdem drauf kommt, ist man noch mehr der Buhmann.

Schritt 2: Entschuldige dich, falls jemand dadurch zu Schaden gekommen ist

Zeig dem Geschädigten, dass es dir richtig leidtut und sei, wenn möglich, auch bei der Schadensgutmachung behilflich. Auch wenn du die Erfahrung machen musst, dass mit deiner Entschuldigung der Ärger der geschädigten Person nicht gleich verfliegt.

Schritt 3: Lass Taten folgen und hilf das Problem zu lösen

Wenn du bereits eine Lösung in Sicht hast, dann fällt es dir auch leichter, einen Fehler zu beichten. Nimm dir deshalb vor deiner Beichte beim Chef oder einem Kunden ein wenig Zeit und überleg dir eine mögliche Schadensbegrenzung. Wie könnte eine solche aussehen und was könntest du den Betroffenen anbieten. Das bereitet weniger Zores als einfach nur zu sagen. „Chef, ich habe einen Fehler mit diesen oder jenen Folgen gemacht.“

Schritt 4: Vermeide Rechtfertigungen

Die meisten Leute sind sehr schnell in der Rechtfertigungs-Position, wenn sie auf einen Fehler angesprochen werden. Wenn du Gründe für deinen Fehler anbringen willst, dann kommt es sehr stark auf das „WIE“ an. Die Gründe allein sind sinnlos, außer du unterstreichst sie mit einem Plan, wie solche Fehler in Zukunft vermieden werden können.

Schritt 5: Hol dir das Vertrauen wieder zurück

Wie schon oft in diesem Beitrag beschrieben, können Fehler passieren. Wenn du die oberen Punkte befolgt hast, dann hast du bereits vertrauensbildende Maßnahmen gesetzt. Es wird dir damit nicht schwerfallen, das Vertrauen deiner Kollegen, deines Chefs oder deiner Kunden zurück zu gewinnen. Dein Krisenmanagement zeigt ihnen, dass sie sich auf dich verlassen können und deshalb sei das nächste Mal in einer ähnlichen Situation besonders vorsichtig.

Schritt 6: Vertrau dir selbst auch wieder

Der Mensch ist meistens selbst sein größter Kritiker. Das führt sehr leicht dazu, nach einem gröberen Fehler unsicher zu werden. Das Selbstwertgefühl ist angeknackst. Deine innere Stimme spricht permanent auf dich ein, was du dir für einen Fehler geleistet hast. Du kannst ihr nicht entkommen. Außer du ersetzt diese innere Stimme durch eine positive, aufbauende Stimme, die dabei behilflich ist, dir selbst, deinem Können und deiner Leistung wieder mehr zu vertrauen. Tu es einfach und du wirst sehen, dass es hilft.

Für deinen Erfolg!

Dein auch immer wieder Fehler machender

Guido – Autor: Guido Peternell

P.S.: Der schlimmste Fehler ist, dieselben Fehler immer wieder zu machen.

2 thoughts on “Fehler können dich (noch) erfolgreich(er) machen

  1. Dietbert Walter

    Hey,
    das ist ja wieder ein super interessanter Beitrag von dir.
    Realistisch und motivierend.
    Die Wahrheit auf den Punkt bringend.
    Es ist auffallend, daß viele Genies, viele Visionäre, die die Welt verändern, in der Schule relativ schlecht waren, schlecht gemacht wurden oder sich schlecht gefühlt haben.
    Gerade jungen Menschen kann man(n) durch das ständige Aufzeigen ihrer vermeintlichen Fehler das Leben vermiesen oder besser gesagt den Spaß am Leben nehmen.
    Lg dein Freund Dietbert, der mit 63 Jahren täglich aus seinen Fehlern lernt, eine never ending story.

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Hallo mein Freund Dietbert,

      schön von dir zu hören und vielen Dank für dein Feedback. Ich denke, dass es in unserem Bildungssystem viele Baustellen gibt. Jetzt wird bereits seit 40 Jahren daran herumgetüftelt. Ein Experte löst den anderen ab und übrig bleiben leider nur frustrierte Schüler und pädagogisches, veraltertes Stückwerk. Das ist vielleicht auch einer der Gründe, warum immer mehr Privatschulen aus der Taufe gehoben werden.

      In den Fahrschulen hat sich schon viel getan. Als ich meine Unternehmensberatung gründete (1993) und mit diversen Fahrschulen zu arbeiten begann, gab es beispielsweise noch welche, in denen der Fahrschullehrer erhaben mit weißem Mantel und Stock in der Hand auf einem Podest stand und auf seine Fahrschüler herunter schaute. Mancher hatte dabei auch noch weiße Handschuhe an. Das hat sich GsD geändert und trotzdem ist noch viel zu tun, um dienstleistungsgerecht und motivierend die Fahrschulkunden zeitgemäß zu unterstützen.

      Ein gescheiter Mann sagte einmal, dass die Fehlerquote erhöht werden muss, um erfolgreich, kreativ und innovativ arbeiten zu können.

      Es ist mir ein Anliegen, die Fehler in der Ausbildung so zu verpacken, dass sie als Chance gesehen und für den Fahrschüler motivierend, anstatt demotivierend sind.

      Ihr habt es in der Hand, denn damit bekommen sie an der Führerscheinausbildung Spaß und sehen diese nicht als ein weiteres Problem in ihrem Leben. Solche haben sie schon genug mit ihren Lehrern, Eltern, Freunden und Freundinnen.

      Auch ich mache Fehler und werde täglich etwas klüger daraus. Das ist auch mit fast 68 Jahren keine Schande.

      Ich freu mich, wenn ich Feedback bekomme. Danke nochmals dafür. Die anderen, die diesen Beitrag lesen trauen sich anscheinend hier nicht ihre Meinung zu schreiben. Ich finde das schade, denn jede einzelne Meinung hier lässt uns alle, die das lesen und schreiben, weiter dazuzulernen.

      Liebe Grüße
      Guido 🙂

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