Fahrschüler fördern? Ja aber wie?

So wie sich die Zeiten ändern, ändern sich auch die Menschen. Mit dem Ändern der Menschen ändert sich auch deren Belastbarkeit, womit wir schon mitten im Thema wären. Ihre heutigen Fahrschüler können Sie mit den Fahrschülern vor 10 oder 20 Jahren nicht mehr vergleichen.

blog_Kooperation02-2Heute lernt die Jugend wie auch unsere Fahrschüler anders, sind oftmals weniger belastbar und tanzen mit einem Hintern auf vielen Kir(ch)tagen. Zudem haben sie heute viel andere Verpflichtungen als in der so genannten „guten alten Zeit“. Dieses Thema ist mehr als aktuell und deshalb freut es mich ganz besonders, in Berlin am 4. Deutschen Fahrlehrerkongress Frau Isolde Lang www.fahrschüler-coach.de/ persönlich kennengelernt zu haben, die mir für diesen Artikel kompetente Inhalte lieferte.

Täglich steigen die Anforderungen an unsere Fahrschüler

blog_Menschen05-3Die Lehrstelle, die Schule, das Elternhaus, der Sport und vieles mehr fordern die Jugendlichen heute stärker denn je. Der Druck steigt und nicht selten kommen sie schon gestresst, abgearbeitet, müde oder genervt zur Fahrstunde oder zum Unterricht. Da ist es kein Wunder, wenn der eine oder andere von ihnen mit seinen Gedanken oft wo anders ist. Sie kennen sicher die Situation, dass ein Fahrschüler, in einer Fahrstunde plötzlich wie ausgewechselt ist und ihm nichts gelingen will. Ganz sicher kennen Sie auch die Situation, dass Fahrschüler während der Prüfungsfahrt einfache Abläufe nicht durchführen können, obwohl Sie sie sorgfältig und gründlich darauf vorbereitet haben.

Gemütsverfassung, Fertigkeiten und Fähigkeiten

Wie hängen Gemütsverfassung mit Fertigkeiten und Fähigkeiten zusammen? Wir beschränken uns hier der Einfachheit halber auf drei Gefühlszustände, obwohl es noch viele Fein-Abstufungen dafür gibt. Zusammenhang Fähigkeiten und Gefühlszustand:

blog guido peternell: Gemütsverfassung mit Fertigkeiten und Fähigkeiten+  = ruhig, gelassen, gute Verfassung, „Ich schaffe es, ich glaube an mich!“

  = total angespannt, fast panisch, voll gestresst, „Oje! Das schaffe ich niemals!“

~ = leichtes Herzklopfen, leicht zittriger Fuß, ein wenig Angst, etwas angespannt, im Grunde optimistisch: „Naja! Irgendwie schaffe ich es schon!“

Fazit: Ist der Fahrschüler ruhig und entspannt, so kann er auf alles, was er gelernt hat zugreifen. Er kann meistens so fahren, wie Sie es ihm gelernt haben.

Wohlfühl-Klima aufbauen

Ruhe und Entspannung erreichen Sie durch Sicherheit, Vertrauen und Empathie. Aus diesem Grund sollte Ihr Ziel sein, Maßnahmen zu setzen, mit denen Sie Ruhe und Entspannung beim Fahrschüler fördern. Diese fördern Sie folgend:

  1. Eine strukturierte und transparente Ausbildung nach dem curricularen Leitfaden in Deutschland oder dem Lehrplan B in Österreich. Dies gibt den Fahrschüler Sicherheit und beugt eventuell aufkommenden Lernstress vor. An Hand der Ausbildungsdiagrammkarte (D) oder dem Ausbildungspass (A) sieht der Fahrschüler seine Fortschritte, lernt im Lernfortschritt Selbstverantwortung zu übernehmen und sich dadurch gut selbst einzuschätzen.
  2. Eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung baut Vertrauen auf und schafft ein zum Lernen notwendiges Wohlfühl-Klima. So lernen Ihre Schüler gut, schnell und nachhaltig.
  3. Empathie, die Fähigkeit sich in den anderen einfühlen zu können, gehört zur Grundveranlagung eines jeden Menschen. Allerdings ist sie unterschiedlich ausgeprägt. Konkurrenzdenken, Leistungsgesellschaft und gehäufter Konsum von Gewalt (in Medien) sind eher ein Anti-Empathie-Programm. Die gute Nachricht: Empathie kann erlernt und trainiert werden. Dazu bieten bereits manche Fahrlehrerverbände das Programm von Isolde Lang www.fahrschüler-coach.de/ in unterschiedlichen Ausrichtungen an.

Empathie entwickeln und Feinfühligkeit zeigen

blog_Nachdenken01-3Bereits „Kleinigkeiten“ können einen Fahrschüler aus der Ruhe bringen. Sie können nicht verhindern, dass ein Reiz Emotionen auslöst. Dieses Programm läuft vollautomatisch bei Ihren Fahrschülern ab und ein empathisch entwickelter Fahrlehrer bemerkt in so einem Fall schnell die Veränderung an seinem Schüler. Entscheidend jedoch ist, wie Ihr Fahrschüler dieses Gefühl wahrnimmt. Seine Bewertung und seine gedankliche Weiterverarbeitung bestimmen die weitere Entwicklung und Stärke der Emotion: „Lern- oder Prüfungsstress“.

blog_konzentrieren01-2Ein emotional betroffener Mensch kann schnelle und wortreiche Redebeiträge von Ihnen nicht verarbeiten. Abhilfe schaffen kurze, einfach formulierte Sätze sowie verständliche, gut betonte, sanfte und langsame Sprache. Laut Erkenntnissen aus der Gehirnforschung arbeitet das Gedächtnis unter Stress und Angst deutlich schlechter als im Entspannungszustand. Das gilt sowohl für das Aneignen von Lernstoff und Fähigkeiten, als auch für das Abrufen von Inhalten und Handlungsabläufen.

Perspektivenwechsel erleichtert das Verstehen

blog guido peternell: Wenn Sie sich an Zeiten zurück erinnernWenn Sie sich an Zeiten zurück erinnern, in denen Sie etwas völlig neues gelernt oder zum ersten Mal gemacht haben, wie ist es Ihnen dabei gegangen? Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Was hat es Ihnen schwer gemacht? Was hat Ihnen geholfen dabei erfolgreich zu sein? Waren nicht gerade folgende Kommentare wie „So geht’s nicht!“, „Das ist völlig falsch“ oder „Stell Dich nicht so an!“ völlig kontraproduktiv? Hat Ihnen nicht eher dabei geholfen, wenn Sie hörten, was genau Sie gut gemacht haben, und wie Sie es noch besser machen können?

Positives Verhalten hervorheben und Lernchancen verteilen

blog_motiviert01-3Auch Ihrem Fahrschüler ist nicht geholfen, wenn er gesagt bekommt: „Jetzt hast du das Auto abgewürgt!“ Das hat er doch selbst bemerkt. Sie unterstützen ihn mit positiver Rückmeldungen an seinem Verhalten: „Jetzt hast du die Kupplung schon langsam ausgelassen. Du kannst es dir noch leichter machen, wenn du gleichzeitig noch etwas Gas gibst“. Auch Sie setzen einen Tipp eher um, als wenn Sie einen Fehler vorgehalten bekommen. Wenn Sie anschließend wieder das positive Verhalten betonen, merken Sie, dass sich der Fahrschüler freut, ja vielleicht sogar begeistert ist. Das Vertrauen in seine Fähigkeiten wächst und er wird stressfreier gute Lernfortschritte erzielen.

Auf die Sprache kommt es an

blog_gestik01-3Ein guter Fahrlehrer bildet sich ständig weiter, sensibilisiert seine Wahrnehmung, beobachtet das Gesicht, die Körperhaltung, die Mimik, die Gestik, den Tonfall und die Wortwahl seiner Schüler. Der Satz „Heute ist nicht mein Tag!“ könnte zur selbsterfüllende Prophezeiung werden, wenn Sie den Schüler nicht freundlich mit „bis jetzt ist noch nicht dein Tag!“ verbessern würden. Damit öffnen Sie die unbewusste Begrenzung des Fahrschülers. Sprechen Sie dann einige kleine positive Dinge an, die er schon gut kann. Sie werden sehen, wie sich die anfängliche Skepsis Ihres Fahrschülers auflöst.

Auch Sätzen, wie: „Das lerne ich nie“ oder „immer verschalte ich mich“ können Sie wirkungsvoll entgegenwirken. Erwähnen Sie: „Immer“ ist immer falsch und „nie“  ist nie richtig“. Sie bringen Ihren Schüler zum Nachdenken oder gar zum Schmunzeln. Dadurch haben Sie seine negative Denkschleife unterbrochen und Ihr Schüler ist offen für eine angenehme Fahrstunde mit guten Lernfortschritten.

Eigenreflektion

blog_Lupe01-3Ein guter Fahrlehrer nimmt auch regelmäßig seine eigenen Sätze und automatischen Anweisungen genauer unter die Lupe. Verwenden Sie gelegentlich das Wort „eigentlich“? Vielleicht sogar im Zusammenhang mit „eigentlich war es gut“? Sicherlich möchten Sie damit ausdrücken, dass es für den Stand des Schülers angemessen gut ist. Leider hinterlässt das Wort Eigentlich einen bitteren Nachgeschmack und lässt den Schüler an Ihren Worten (Lob) zweifeln. Dazu ein kleines Beispiel: Ihre liebe Frau oder Ihre Lebenspartnerin fährt mit Freundin ein Wochenende in ein schönes Wellness-Hotel. Als Sie zurück kommt fragen Sie so zum Spaß: „Na Schatz, warst du mir treu?“ Sie antwortet: „Eigentlich schon“. Wie fühlen Sie sich nach dieser Konversation?

blog_Fahrstunden02-2Sie kennen sicher auch Äußerungen wie: „Ich hab so Angst vorm Fahren, vor der Autobahnfahrt oder vor der Prüfung!“ Drücken Sie in solchen Fällen Ihr Verstehen aus. Erwähnen Sie, dass es normal ist wenn man angespannt vor etwas Neuem ist und dass es auch gut so ist, um sich besser konzentrieren zu können. Schauen Sie gemeinsam mit Ihrem Schüler positiv nach vorne. Sagen Sie Ihrem Fahrschüler, dass Sie ja deshalb dabei sind und ihn unterstützen werden. Oft beruhigt es Menschen, wenn ihnen selbstverständliche Dinge nochmals gesagt werden.

Empfehlenswert ist auch, das kleine Wort „oje“ (Ohne jede Erfolgsaussicht) durch ein „aha“ (Achtung höhere Anforderung) zu ersetzen. Sie werden die Veränderung der Körperhaltung bemerken, wenn Sie selbst einige Male vorm Spiegel „oje“ oder danach „aha“ sagen.

Die nächsten zwei Artikel haben das eigene Stressmanagement zum Inhalt. Freuen Sie sich darauf.

PS: Herzlichen Dank nochmals für den Input an Frau Isolde Lang, die Fahrlehrerin, Fahrschulinhaberin, Dozentin in der Fahrlehrerweiterbildung, ASF und ASP-Lehrgangsleiterin, Trainerin bei verschiedenen Bildungsträgern, Seminarleiterin für Stressmanagement und Prävention sowie Entspannungspädagogin ist.

– Autor: Guido Peternell

2 Gedanken zu „Fahrschüler fördern? Ja aber wie?

  1. Manfred

    Lieber Guido danke mal wieder für deine Bestätigung. der AHA Effekt ist super und die Abkürzung oje hab ich notiert. Waren mir in dieser Interpretation neu. Also möchte ich gerne folgendes vortragen und um deine Meinung bitten: Die von dir angesprochenen Schüler/innen entsprechen ganz der Realität, um jetzt die schwereren Fälle erfolgreich durch die Prüfung bringen investierte ich 18,23€ und kaufte offiziell in der Apotheke Placebos. Der Erfolg ist faszinierend. Die Leute spürn eine klae Entspannung und sind enorm ruhig. Was meinst du nun? Danke M.Nowara

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Mani,

      die Idee (oje und aha) kommt von Isolde Lang, der dafür dein Dank gebührt. Ich bin überzeugt davon, dass sie das hier ebenso lesen wird.

      Deine Idee mit den Placebos finde ich super. Weitermachen und damit erfolgreich sein. Gratuliere zur Idee und danke für dein Feedback hier.

      Liebe Grüße aus Villach
      Guido 🙂

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