Fahrlehrer – noch ein Beruf mit Zukunft?

Digitalisierung ist in der heutigen Zeit für viele Fahrlehrer schon ein Schreckgespenst. Selbstfahrende Autos, Fahrsimulatoren, Carsharing und vieles mehr wirft die Frage auf, ob‘s in Zukunft noch Fahrschulen und Fahrlehrer in herkömmlicher Form geben wird.

Unsichere Zukunft für Fahrlehrer?

Zukunft02-3Fakt ist, dass die so genannte „Digitale Revolution“ nicht nur bei Fahrlehrer große Unsicherheiten auslöst. Nein auch zum Beispiel in Pflegeberufen, wo Roboter anstelle von Pflegepersonal die Arbeit übernehmen, Busfahrer, die durch autonom fahrende Autobusse ersetzt werden, Behörden und Institutionen ohne Mitarbeiter, weil die neue IT die Bearbeitung der Anträge übernimmt, vollautomatische Züge, die schlagartig das Zugpersonal überflüssig machen und vieles mehr.

Enorme Geschwindigkeit

Geschwindigkeit01-3Ja natürlich, die Geschwindigkeit, in der sich unser Alltag durch digitale Entwicklungen verändert ist enorm. Diese Entwicklung wird selbstverständlich auch die Fahrlehrer betreffen. Ich denke jedoch, dass es für Schreckensnachrichten keinen Anlass gibt. Überall werden diverse Szenarien entwickelt, wie die Arbeit der Zukunft aussehen kann. Nur was macht die Branche?

Bestmögliche Vorbereitung

Vorbereitung01-3Die Fahrlehrer müssen sich bestmöglich darauf vorbereiten. Das können sie jedoch nicht alleine. Fahrlehrer, Verbände und Politik müssen gemeinsam und aktiv den Rahmen dazu gestalten. So war es doch immer schon. Nach jeder industriellen Revolution: von der Arbeitskraft zur Mechanisierung, von der Massenproduktion bis zum Mobile-Zeitalter gab es immer große Veränderungen, die meistens für breite Schichten den Wohlstand erhöhten.

Gemeinsame Spielregeln

Spielregeln01-3Dafür müssen jedoch heute die Voraussetzungen geschaffen werden. Es müssen Fahrlehrer gemeinsam, wie oben bereits beschrieben, mit Verbänden und Politik Spielregeln aufstellen, mit denen sich das verändernde Berufsbild der Fahrlehrer gemeinsam weiterentwickeln lässt. Ob der Fahrlehrer dabei Fahrlehrer bleibt, oder sich zum Mobilitätsberater oder auch -anbieter weiterentwickeln muss, kannst du dir hier sicher selbst beantworten.

Schiffskapitäne, Piloten, Fahrlehrer…

Pilot01-3Viele fragen mich, ob‘s in Zukunft Fahrschulen und Fahrlehrer noch geben wird. Ich verweise dabei immer auf Kapitäne von Schiffen, die seit 1904 per Autopilot schon Schiffe steuern ließen. Lawrence Sperry brachte den Autopilot 1914 ins Flugzeug. Das war vor über 100 Jahren und jetzt meine Frage an dich: Gibt es heute noch Piloten und Copiloten, die Flugzeuge und Raumschiffe bedienen und steuern, obwohl die meiste Arbeit der Autopilot übernimmt?

Anspruchsvolleres Berufsbild

Berufsbild01-5Ja es gibt sie heute und genauso wird es Fahrlehrer in Zukunft auch geben. Durch die Komplexität, die Digitalisierung, zukünftige iCars, Google-Cars und andere wird sich jedoch die Qualifikation des Fahrlehrers verändern. Das Berufsbild wird anspruchsvoller, als im Zeitalter der Motorisierung mit Verbrennungsmotoren. Das bedeutet, dass der Mensch und dessen Wille, sich weiter zu entwickeln den Unterschied ausmachen werden.

Gemeinsame Gestaltungsmöglichkeiten

Gestaltung01-3Die Zeit der Digitalisierung erlaubt, Wissen in unglaublicher Geschwindigkeit aufzunehmen und zu teilen. Wer sagt, dass man dabei auch nicht gemeinsam Arbeitsbedingungen gestalten, Ideenpools anzapfen und sich ständig weiterentwickeln kann? Das mag für den einen Fahrlehrer ein Horrorszenario und für den anderen eine willkommene Chance sein. Eine Chance zu lernen, in Kompetenzen und Fähigkeiten zu denken. Eine Chance, die jedoch jeder selbst für sich ergreifen muss.

Großes Fahrschulsterben voraus gesagt

Fahrschulsterben01-4Wenn manche Experten der Meinung sind, dass ein großes Fahrschul-Sterben bevorsteht muss ich sagen, dass es höchste Zeit für solch eine Marktbereinigung ist. Österreich hat ca. 8 Mio. Einwohner und an die 450 Fahrschulen. Deutschland jedoch hat ca. 80 Mio. Einwohner und nicht 4.500, sondern ca. 11.600 Fahrschulen. Davon können viele Fahrlehrer und Fahrschulbetreiber nicht einmal mehr ihren Lebensunterhalt damit bestreiten.

Wertewandel in der Zielgruppe

Wertewandel01-2Und dann sind da noch die undankbaren Kunden, die sich lieber ein iPhone anstatt einen Führerschein leisten, die lieber mit öffentliche Verkehrsmittel als mit eigenen Auto fahren, die im eigenen Auto KEIN Statussymbol mehr sehen, die erst mit 20 oder mehr Jahren ihren Schein machen, die sich lieber selbst verwirklichen als ein Auto zu haben, die sich wegen der Abgase ideologisch mit dem Führerschein schwer tun, obwohl sie das Geld hätten, den Schein zu machen, die die Betriebskosten für ein Auto abschrecken, die keine Zeit für eine Führerschein-Ausbildung investieren wollen, weil sie sich das Geld dafür erst verdienen müssten und so weiter.

Nachdenken ist angesagt

Nachdenken01-3Du siehst also, dass es für Fahrlehrer höchste Zeit ist, intensiver über ihren Berufsstand nachzudenken. Dass es wichtiger ist, anstatt zu sudern die oben beschriebenen Veränderungen aktiv zu gestalten. Dass es wichtiger sein würde, eine Initiative „Fahrschule & Fahrlehrer 2020“ ins Leben zu rufen. Das dafür Fahrschulexperten mit Blick auf 2020 und später Zukunftsszenarien entwickeln, mit denen sich die Branche auf die Zukunft vorbereiten kann.

Fragen über Fragen

Fragen02-3Wie sieht der Arbeitsalltag der Zukunft in einer Fahrschule aus, im Büro, im Lehrsaal, im Auto? Wie verändert sich das Berufsbild des Fahrlehrers? Das hat Auswirkungen auf die komplette Dienstleistung „Führerschein-Ausbildung“. Ein anderes Projekt sollte sich mit der Ausbildungs-Effizienz wie -Effektivität und dem Ausbildungserlebnis der Kunden beschäftigen. Wie wird Service und Kundenbegeisterung aussehen müssen, um den Wünschen der Kunden gerecht zu werden?

Fahrschulbetreiber und Fahrschulmitarbeiter

Mitarbeiter01-3Und nicht zu vergessen ist das soziale Zusammenspiel zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dabei sollte nach neuen und fairen Formen der Zusammenarbeit gesucht werden. Einer Zusammenarbeit, die sowohl die Interessen der Mitarbeiter als auch die der Fahrschulunternehmung berücksichtigt. Es kann kein Verband zufriedenstellend für beide Gruppen schaffen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam zu vertreten.

Herausforderungen zu stemmen

Stemmen01-4Du siehst also, dass der Berufsstand große Herausforderungen zu stemmen hat, die nur gemeistert werden können, wenn Fahrschulunternehmer, -mitarbeiter, Verbände, Kunden, Experten und Politik ihre Zukunftspläne auf den Tisch bringen und daraus ein alle Bereiche umfassendes Paket zum Nutzen aller Beteiligten schnüren.

PS: Wenn du mir zum Beitrag etwas zu sagen/schreiben hast, dann hinterlass bitte deine Nachricht unten in der Kommentarfunktion. Danke.

– Autor: Guido Peternell

8 Gedanken zu „Fahrlehrer – noch ein Beruf mit Zukunft?

  1. Dieter Kirchner

    wie immer, umfangreich recherchiert; danke für dein Engagement. Ich befürchte nur, dass genau die Kollegen, die es be-treffen wird, deine Hinweise gar nicht lesen werden.
    Mir hat auch dein Vergleich Österreich – Deutschland gefallen, mit der Schlußfolgerung der „natürlichen Auslese“ 🙂 Und genau so ist es in wirtschaftlichen Bereichen allerorts… Seit mehreren Jahren verfolge ich kopfschüttelnd, wer oder was sich auf einmal Fahrlehrer nennen darf. Das ist nicht lustig!
    Bei allem was ich dir wünsche steht, bleib gesund!
    Liebe Grüße
    D i e t e r

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Lieber Dieter,

      vielen Dank für dein ausführliches Feedback. Das Thema betreffen und lesen kannst du ein wenig beeinflussen, indem du meinen Beitrag oder Blog an befreundete Fahrschulen weiter empfiehlst. Viel mehr können wir nicht beeinflussen.

      Liebe Grüße
      Guido 🙂

      Antworten
  2. Melvin

    Lieber Guido,

    hab diesen Blog erst heute entdeckt – er gefällt mir sehr gut. Bin schon gespannt auf zukünftige Beiträge.

    Bezüglich diesen Beitrags sind bei mir einige Fragen aufgetaucht: Ich würde mich gerne zum Fahrlehrer (in Österreich) umschulen lassen – bin jetzt aber total verunsichert. Wäre gerne Vollzeit-Fahrlehrer geworden. Habe aber bedenken, meinen Job als Fahrlehrer dann zu verlieren.

    Werden in Österreich auch so viele Fahrschulen Ihre Pforten schließen müssen?

    Beste Grüße, Melvin 🙂

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Servus Melvin,

      danke für dein Feedback. Meine Meinung zu deinen Fragen:

      1) Verunsicherung
      Wenn man etwas gerne macht und Spaß an der Arbeit hat (also seiner Berufung nachgeht), dann glaube ich, hat oder findet man seinen Job.
      2) Pforten schließen
      Ich glaube nicht, dass in Österreich auch viele Fahrschulen ihre Pforten schließen müssen. Der Wettbewerb ist zwar auch härter geworden, doch so eine Dichte an Fahrschulen wie in Deutschland gibts bei uns nicht.

      Ich freu‘ mich, wenn du meinen Blog weiter empfiehlst.
      Liebe Grüße aus Villach

      Guido 🙂

      Antworten
      1. Melvin

        Danke für die schnelle Rückmeldung!

        Du glaubst also schon dass ich in ein paar Jahren noch eine Anstellung als Fahrlehrer finden werde?

        Oder werden wir dann alle arbeitslos wenn immer weniger Fahrlehrer gesucht werden?

        Ich werde deinen BLOG weiterempfehlen, natürlich doch 🙂

        Gruß, Melvin

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        1. Guido Peternell Beitragsautor

          Hallo Melvin,

          soviel ich weiß, suchen vor allem in Deutschland viele gute Fahrschulen gute Fahrlehrer. Ich höre eher das Gegenteil, dass gute Fahrlehrer sehr schwer zu finden sind. Und wie im Beitrag beschrieben denke ich, dass je techniklastiger die Fahrzeuge werden, desto wichtiger der Fahrlehrer wird. Voraussetzung ist jedoch, dass er offen für jede Art der Weiterbildung ist, die der Berufsstand zukünftig erfordert. Und das ist NICHT nur die fachliche, sondern vor allem auch die Weiterbildung im persönlichen Bereich und der KundenBEGEISTERUNG.

          Liebe Grüße und danke fürs Weiterempfehlen.

          Guido 🙂

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  3. Melvin

    Hallo Guido,

    es ist sehr interessant, dass vor allem in Deutschland viele Fahrlehrer gesucht werden.

    Ja, ich glaub auch dass es vor allem in der Kundenbegeisterung sehr hapert. Viele in dieser Branche üben ihren Beruf sehr unmotiviert aus und das merkt der Kunde natürlich.

    Ich freu‘ mich auf jeden Fall schon sehr auf die Ausbildung 🙂
    ….und danke dir nochmals für die ausführlichen Antworten

    Liebe Grüße, Melvin 😀

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Servus Melvin,

      gute Fahrlehrer sind rar und deshalb werden diese auch gesucht. Es gibt Fahrschulen, die am aufsteigenden und Fahrschulen, die am absteigenden Ast sind. Die am aufsteigenden Ast brauchen immer gute Fahrlehrer, die kundenorientiert und begeisternd arbeiten.

      Viel Erfolg bei deiner Ausbildung.
      Liebe Grüße, Guido 🙂

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