Einsam oder gemeinsam? Teil 4/4

Heute komme ich zu meiner schon vor drei Wochen angekündigten schrägsten Kooperations-Idee, in der alle Beteiligten gemeinsam als Gewinner aussteigen. Ja, als Gewinner. Und das auch finanziell.

blog_Konzept01-3Was, Sie glauben, das kann es nicht geben? Sie glauben, dass es kein Konzept geben kann, das die Preissituation entschärft und die Ressourcen entspannen kann? Spanne ich Sie mit meinen Fragen auf die Folter? Das ist gewollt, denn die Idee ist wirklich schräg. Stellen Sie sich einmal vor, dass es ganz egal ist, ob die eine oder andere Fahrschule in Ihrem Einzugsgebiet die Preise senkt. Sie haben keinen Schaden daraus, wenn das der Fall sein würde. Auch wenn ich mir fast sicher bin, dass das Preisesenken durch meine Kooperationsidee der Vergangenheit angehören wird. Gemeinsam statt einsam.

Meine schräge Kooperations-Idee

blog_Idee01-2Stellen Sie sich vor Sie schaffen es, dass alle Fahrschulen in Ihrem Einzugsgebiet gemeinsam in einen Topf wirtschaften. Sie glauben das geht nicht? Ich sage Ihnen, das geht mit klugen Verträgen und einem schlüssigen Konzept. Ich stelle mir das so vor. Jede Fahrschule in Ihrem Einzugsgebiet wird von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft und bewertet. Mit diesem Wert bringt sich die Fahrschule in den regionalen Fahrschulverbund ein. Ob das eine GmbH oder eine andere Gesellschaftsform ist entscheidet der findige Steuerberater. Angenommen das Konstrukt steht und funktioniert, dann kommt das Erwirtschaftete in einen Topf, der nach Abzug der Aufwände je nach Wert der Fahrschule auf die Fahrschulen ausgeschüttet wird. Über monatliche Akontozahlung und Jahres-Schlussabrechnung. Das ist meine schräge Kooperationsidee vereinfacht dargestellt.

Unendliche Synergien

blog_Synergien01-2Stellen Sie sich einmal die unendlichen Synergien vor. Die Autos, die Lehrmittel, die Versicherungen, die Treibstoffe, die Motorräder, die Geschäftsausstattung und vieles mehr wird gemeinsam zentral eingekauft, womit ein dementsprechender Preis erzielt werden kann. Die Mitarbeiter werden gemeinsam aus- und weitergebildet, ein einziger Steuerberater macht für den gesamten Verbund die Buchhaltung und Lohnverrechnung, die Werbemittel können bei intelligentem Konzept gemeinsam erstellt bzw. produziert werden und für das Marketing ist ein einziger Marketing-Koordinator zuständig.

Über den Schatten springen

blog guido peternell: Über den Schatten springenSelbstverständlich müssen einige der Fahrschulbetreiber über ihren Schatten springen. Selbstverständlich muss das ganze System auch qualitativ abgesichert werden. Selbstverständlich müssen die einzelnen Fahrschulen untereinander verglichen werden. Betriebswirtschaftlich und in der Qualität ihrer Dienstleistung. Selbstverständlich wird das nicht von heute auf morgen gehen. Die Frage ist, was haben Sie für eine Alternative, wo doch der Fahrschulmarkt immer schwieriger wird? Wo doch angeblich die Kunden immer nur den billigen Schein wollen und nicht mehr bezahlen können. Wo doch Ihre Mitbewerber nur über den Preis verkaufen. Wo’s doch der Branche so schlecht geht oder wo doch früher alles anders und besser war?

Nutzen für alle Partner

blog_Nutzen01-2Schauen Sie auf die Synergieeffekte zum Nutzen für alle Partner. Sie wissen doch, wer alleine arbeitet, addiert und wer zusammen arbeitet, multipliziert! Gemeinsam ist besser als einsam! Sehen Sie nicht die Nachteile, sondern die Vorteile. Gemeinsame Projekte sind oft besser und billiger. Gemeinsamer Know-how-Austausch, gemeinsamer Kundenservice und gemeinsamer Verkauf sind auch nicht zu verachten. Wo steht geschrieben, dass jede Fahrschule einen Lkw, einen Traktor, einen Anhänger und vieles mehr haben muss?

blog_Ziel02-3Es ist auch gut und fördert die Zusammenarbeit, wenn jeder Koop-Partner seine Kooperationsziele definiert und sich auch fragt, wie er diese erreichen möchte. Es ist auch gut wenn jeder Kooperations-Partner Aufgaben und Funktionen übernimmt und somit seinen aktiven Beitrag zum Gelingen der Kooperation leistet. Es ist doch gut wenn die unterschiedlichen Fähigkeiten der Kooperationspartner so gewinnbringend wie möglich im System eingesetzt werden. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich Gedanken über diese Dinge machen.

Würden Sie Aktien von Ihrer Fahrschule kaufen?

blog_Aktie01-2Von Ihrer Fahrschule vielleicht nicht. Von dieser schrägen regionalen Fahrschul-Kooperation vielleicht schon. Wenn alle in einem Topf wirtschaften dann kann auch wertgerecht kalkuliert werden und die Preise würden moderat steigen. Selbstverständlich müsste nach außen der Schein der Autonomität jeder einzelnen Fahrschule gewahrt bleiben. Das kann man alles mit einem intelligenten Vertrag mit Treuhandvertrag regeln. Da scheint in der Gesellschaft dann kein Gesellschafter öffentlich auf. Glauben Sie mir, ich weiß dass es solche Verträge gibt und dass sie auch funktionieren.

Anforderungen an Sie alleine

blog_Hindernis01-2Denken Sie doch nochmal kurz an die enormen Anforderungen, die Gesetzgeber, Gesetze, Verordnungen, Behörden, Prüfer und Überwachungsorgane an Sie und Ihre Mitbewerber stellen. Oder an die teilweise lustlosen Fahrschüler, die hohe Ansprüche haben und auf der anderen Seite glauben, nichts lernen zu müssen, weil sie ja sowieso genug für den Führerschein bezahlen. Oder an die Mitarbeiter, die mehr verdienen, neue Autos fahren oder weniger arbeiten wollen.

Positive Ertragssituation

blog_Ertrag01-2Wenn Sie jetzt einmal in sich gehen und die Wirtschaftlichkeit einer solchen Kooperation unter die Lupe nehmen, dann werden Sie erkennen, dass Einsparungen und höhere erzielte Preise sich sehr positiv auf die Ertragssituation einer solchen Gruppierung auswirken könnten. Ich sagte schon, dass es kein leichtes Unterfangen sein wird, die Fahrlehrerschaft, die ja durch den Lehrberuf doch sehr gerne auch von Besserwisserei begleitet ist, dafür zu begeistern. Ich denke jedoch, dass sich der Versuch lohnt, vor allem dann, wenn man mit seinen Kollegen wieder besser kann und dadurch vielleicht eine für alle Beteiligten gewinnbringende Kooperation auf die Beine stellt.

Abenteurer oder Sicherheitsdenker

blog_Abenteurer03-3Mir ist schon klar, dass diese Artikelserie keine Strategie zum Aufbau eines konstruktiven Dialogs zwischen Mitbewerbern ist. Ein Ansatz für einen Start dorthin ist sie auf alle Fälle. Es kommt immer auf die beteiligten Personen an, ob sie den Mut haben, sich auf ein solches Abenteuer einzulassen, oder ob sie Sicherheitsdenker sind und lieber in vorhandenen Spurrinnen weiterfahren wollen. Vielleicht kennt der eine oder andere von Ihnen die „Schöpferische Zerstörung“. Sie ist ein Begriff aus der Makroökonomie und bedeutet im groben, dass Zerstörung hie und da notwendig ist, damit Neuordnung stattfinden kann. Warum soll eine solche Neuordnung nicht mit einer schrägen Idee einer für alle gewinnbringenden Kooperation stattfinden?

blog_beschwerden01-3Werfen Sie also alle alten Glaubenssätze, die Sie behindern über Bord und starten Sie mit einer Sache, bei der es nur Gewinner gibt. Starten Sie noch heute mit der Idee und machen Sie einen Plan. Wenn Ihnen das Fahrschulbusiness Spaß macht, dann macht es Ihnen keine Arbeit. Legen Sie jetzt gleich los. Worauf warten Sie noch? Beginnen Sie jetzt gleich Geschichte im Fahrschul-Business zu schreiben. Alle erfolgreichen Menschen fangen an und ziehen ihr Projekt durch. Beginnen Sie gleich mit Ihrer Projekt-Zielplanung. Arbeiten Sie jeden Tag an Ihrem gesteckten Ziel und wenn Sie jetzt glauben, dass dieses Ziel ein zu hoch gestecktes Ziel ist, dann sind Sie bereits wieder in Ihrer eingefahrenen Denkweise mit den Glaubenssätzen, die schon immer da waren und solange da sein werden, bis Sie es ändern.

PS: Ich freu mich schon auf die sicher auch kontroversen Feedbacks zu dieser Artikelserie. Sie haben die Möglichkeit, hier unten in der Kommentarfunktion Ihre Meinung dazu zu äußern.

– Autor: Guido Peternell

6 Gedanken zu „Einsam oder gemeinsam? Teil 4/4

  1. Manfred Nowara

    Lieber Guido, vielleicht mach ich was falsch. Gerade bin ich dabei für ASP und ASF und MPU Beratung einige Fahrlehrer im Verbund zu gewinnen. Denke eine 80jhr zu schwängern ist einfacher. Habe schon 30 Std investiert und erst einer macht mit. Mehr Schüler heisst da mehr Kurse mehr Auslastung mehr Verdienst. Das aber welches ich hör die Verteilung die Höhe der Kurskosten ( das kann man doch nicht verlangen ) es nervt nur und in unser Forum wollen die auch nicht weil da könnten die anderen was erfahren haha . Ich wünsche den Kollegen das sie weniger Dickschädel in ihrem Gebiet haben und so etwas vernünftiges aufziehen können Liebe Grüsse Mani

    Antworten
    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Mani,
      wenn etwas nicht auf Anhieb funktioniert muss man ja nicht gleich etwas falsch machen. Es kommt immer auf die Qualität und den Verkauf des Konzeptes an. Gut Ding braucht Weile. Rom wurde auch nicht in einem Monat erbaut.
      Ich kann verstehen, dass es nervt und und ich kann auch verstehen, dass manch misstrauischer nicht gleich in ein gemeinsames Forum will. Dann haben diese Personen noch nicht den Nutzen für sich erkannt. Und ich weiß nicht, ob man das gleich als Dickschädel abtun kann. Wer den Nutzen sieht und erkennt, der wird trotz Vorsicht darüber nachdenken und gesprächsbereit sein. Also weiter am Konzept feilen, den Nutzen hervorheben (oder auch erhöhen) und nicht aufhören, an das Gelingen des Konzeptes zu glauben und zu arbeiten.

      Laufen manchmal Dinge nicht nach Plan, dann neigen wir dazu, nach Umständen und Personen zu suchen, die unserer Meinung nach dafür verantwortlich sind. Wir schieben die Schuld da oder dort hin. Ob das nun Personen oder Umstände sind, ist uns egal. Es ist jedoch falsch, die Schuld außerhalb zu suchen. Ich muss an mir arbeiten, damit ich die erwünschten Resultate zustande bringe. Bodo Schäfer sagte: Wer anderen die Schuld gibt, der gibt ihnen auch die Macht.

      Es kommt die Zeit, zu der JEDE IDEE REIF FÜR DIE UMSETZUNG IST.
      Liebe Grüße aus Kärnten
      Guido 🙂

      Antworten
  2. Tom Radetzky

    Hallo Guido,

    deine Idee ist nicht Schlecht. Ich habe unlängst ansatzweise die Erfahrung machen dürfen mit einem Fahrlehrer zu sprechen der in etwa so eine Sache vor hatte. Nur leider stimmte da nicht die Chemie. Dazu gehört Vertrauen und der richtige Team-Player.
    Ich selber war und bin auf der Suche in der Region Dresden Bautzen nach Partnern die Interesse an so einem Projekt haben. Ich will jemand der mir sagt wie es geht und nicht wie es nicht geht. Bisher ist es mir nicht gelungen eine Partnerschaft zwischen Fahrschulen in verschiedenen Städten aufzubauen. Aber, ich mache solange weiter bis ich (wir) habe was ich will.
    Das wichtigste ist aber meiner Meinung nach, dass die Individualität und der Charme von so mancher Fahrschule nicht unter solchen Projekten leiden darf.
    Und jetzt wandel ich mal nenn Satz ab, Fahrlehrer aller Länder „vereinigt Euch“
    Guido, eine Ehe zwischen zwei Menschen zu schließen ist ne leichte Sache aber was aus mancher Ehe entsteht darf jeder in seinem Bekanntenkreis erleben.
    Hochsensibel dieses Thema. Sehr sensibel.
    Ich selber lebe in einer Fahrschul OHG und habe somit meine Kollegen zum Lebenspartner auf ewig an meiner Seite. Das ist gut so. Ich werde Dich weiter auf dem Laufenden halten was aus Projekt Sachsen Leipzig Dresden Bautzen wird.

    Tom vom Team AUTOGEN

    Antworten
    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Tom,
      siehst du, das gefällt mir. Du schriebst: Ich will jemand der mir sagt wie es geht und nicht wie es nicht geht. Auch ich denke in Lösungen und nicht in Problemen.

      Und wenn du die Ehen ansprichst gebe ich dir auch vollkommen RECHT. Zuerst verliebt man sich, dann heiratet man, dann will ein Partner den anderen verändern und wenn er ihn verändert hat, dann ist er uninteressant. Zudem fehlen auch in vielen Ehen die gemeinsamen Ziele.

      Ein solches gemeinsames Projekt zum Ziel, bei dem alle ihren Nutzen haben, kann nur ein Erfolgsprojekt sein. Vertrauen ist wichtig, Kontrolle ist bei solch einen Projekt noch wichtiger. Das muss Kontrolle in allen Belangen beinhalten. Es darf sich niemand übervorteilt fühlen.

      Tu tust gut daran solange an dieser Idee weiterzuarbeiten, bist du sie umgesetzt hast. Die Individualität und die Identität muss beibehalten werden.

      Ja, auch die FL aller Länder sollten sich vereinigen, damit man ihnen nicht immer auf den Kopf Sch……! Du siehst das ganz richtig. Partnerschaften funktionieren nur, wenn man Partnern vertraut, Ihnen den gewissen Freiraum zugesteht, gemeinsame Ziele und Interessen hat und verfolgt sowie immer und immer wieder miteinander spricht.

      Ich finde das mit deinen Kollegen als Lebenspartnern in der OHG hervorragend und als Grundstein, zu einem wirklich großen Ganzen: dem regionalen Fahrschulverbund der allen rießigen Nutzen bringt.

      Liebe Grüße aus Kärnten
      Guido 🙂
      PS: Ich freue mich auf deine Berichterstattung

      Antworten
  3. Hannes Hopmann

    Hallo Guido,

    Deine Idee ist brilliant! Es wäre gut sie käme in Gang! Aber wird das in Deutschland unter den Bedingungen funktionieren, die für deutsche Fahrschulen gilt???

    1. Die mächtigsten Gegner Deiner Idee werden die Fahrlehrerverbände sein. Für den Fall, dass die Idee wirklich von Fahrschulen einer Stadt oder einer Region in Deutschland in Gang gesetzt werden sollte werden die Verbände aus allen Rohren schießen!!
    2. Andere Gegner werden die Fahrlehrer sein. Die meisten Fahrlehrer, jeder für sich selbst selbst.

    Du weißt, dass ich beide Gegnergruppen genau kenne und für meine beiden Punkte gute Begründungen liefern kann.
    Per hannes@hopmann.com kann ich das Dir und jedem, der es wissen möchte gerne erklären. öffentlich möchte ich das nicht.

    Dr. Hannes Hopmann
    für die, die mich nicht kennen:
    mehr als 30 Jahre Software und Berater für Fahrschulen. Seit 12 Monaten im Ruhestand

    Antworten
    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Hannes,

      danke für dein Feedback. Es freut mich, dass ein echter Kenner der Branche hier auch mal seine Meinung kund tut.

      Ich glaube, dass die Idee überall funktionieren kann. Egal ob mit österreichischen, deutschen oder schweizer Fahrschulen. Voraussetzung sind die richtigen Partner.

      Die FLVerbände geht solch eine Kooperation meiner Meinung nach nichts an, da ja jede kooperierende Fahrschule in ihrer Identität bestehen bleibt. Mit einem intelligenten Kooperationsvertrag und dem dazugehörigen Treuhandvertrag scheint zwar irgendeine GmbH auf, jedoch ist nicht einsehbar, wen dieser Treuhandvertrag vertritt.

      Du weißt, dass ich eine der von dir genannten Gegnergruppen, die FL auch sehr gut kenne. Und viele FL, die ich kenne, sind auch kritisch. Aber wenn das Konzept passt und der Nutzen für alle Beteiligten erkennbar ist auch bereit, neue Wege zu gehen.

      Ich freue mich, wenn du an meine E-Mailadresse guido.peternell@inline.at die angesprochenen guten Begründungen für deine Meinung sendest und verstehe, dass du das nicht öffentlich machen möchtest.

      Also nochmal danke für dein feedback und
      liebe Grüße aus Kärnten
      Guido 🙂

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.