Einsam oder gemeinsam? Teil 2/4

Mitbewerber sind Wettbewerber. Jeder schaut auf sein Geschäft. Jetzt ist es vielfach so, dass sich Mitbewerber zwar grüßen und gemeinsam smal-talken, sich jedoch gegenseitig nicht trauen. Ich denke da nur an unsere Kammersitzungen, bei denen Dinge gemeinsam beschlossen wurden und kaum jemand hielt sich daran.

blog_Gehirn02-3Schon während den Sitzungen konnte man sehen, wie die Gehirne daran arbeiteten, gemeinsam besprochenes zu umgehen. Dabei können Situationen entstehen, in der mehrere etwas Unterschiedliches wollen oder denken, was scheinbar nicht konform ist oder wo jeder sich im Recht wähnt. Häufig wird das über Verleumdung, Angst machen, Beleidigung, Beschimpfung und dergleichen ausgetragen.

Preisdumping

blog_gefangen01-3Beispiel: Zwei Fahrschulbetreiber streiten sich darüber, wer wem beim Preis unterboten hat. Sie machen sich gegenseitig Vorwürfe, beschimpfen und beleidigen sich. Keiner der Beiden ist zimperlich, um sich im Konflikt durchzusetzen. Es wird nichts zu einer für beiden befriedigenden Lösung führen. Auch wenn sich zwei oder mehrere scheinbar unvereinbare Standpunkte oder Handlungswünsche gegenüberstehen, können solche nicht durch Vorwürfe, Beleidigungen oder Beschimpfungen gelöst werden.

blog guido peternell: wie werden Konflikte ausgetragen?In kaum einer Gemeinschaft gibt es ein Zusammenleben ohne Konflikte. Konflikte können ja auch förderlich sein. Es hängt immer davon ab, wie sie ausgetragen werden. Konflikte geben den Beteiligten die Chance, sich oder etwas zu verändern. Sie können zur Entwicklung und Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen und/oder Situation beitragen. Sie ermöglichen vielleicht

  • Kompromisse, in dem beide Seiten einige Forderungen aufgeben bzw. Zugeständnisse machen oder
  • Zusammenarbeit, bei der beide Seiten gewinnen. Wenn sich die Konfliktparteien gegenseitig wertschätzen und respektieren, dann können im Idealfall sogar beide Seiten ihre Interessen verwirklichen.

Das ganze Leben ist ein Gespräch

blog_Jammern01-3In letzter Zeit habe ich Hans A. Pestalozzi sehr oft zitiert. Dieser sagte: „Das ganze Leben ist ein Gespräch!“ Ich glaube, diesen Satz kann man nicht oft genug zitieren. Mir hat er in meinem Leben bisher sehr geholfen. Auch in vermeintlich verworrenen Situationen, bei denen ich mit viel Bauchweh in unangenehme Gespräche ging. Ich habe mir immer diesen Satz vor Augen gehalten. Er könnte auch als wichtigste Strategie zum Aufbau eines konstruktiven Dialogs zwischen Mitbewerbern beitragen, denn jeder Dialog beginnt mit dem ersten Gespräch.

Wann Übernehmen Sie die Initiative?

blog_Meeting13-3Wenn Sie nicht damit beginnen, wer dann? Starten Sie den Versuch, die Streitparteien unter Ihren Mitbewerbern an einen Tisch zu bekommen. Wann? Beginnen Sie gleich heute mit der Planung dazu. Gemeinsam ist besser als einsam. Sonst machen Sie sich nur gegenseitig kaputt. Es gibt doch genügend Bereiche, in denen eine Zusammenarbeit fruchtbar sein würde. Und glauben Sie mir eines, ich habe in diese Richtung schon sehr quer und schräg gedacht. Vielleicht für die Fahrschulbranche (noch) zu schräg. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass gemeinsam erfolgreicher macht als einsam.

Starten Sie noch heute

blog_Start01-1Beginnen Sie mit dem ersten Schritt, der Planung. Überlegen Sie sich, mit wem Sie zusammenarbeiten und wen Sie nicht in dieser Kooperation haben wollen. Doch müssen Sie sich damit im Klaren sein, dass dies eine Ausgrenzung sein würde, die den ganz großen Erfolg einer wirklich guten Kooperation ohne gegenseitigen Preiskampf verhindern kann. Auf der anderen Seite ist es sehr schwierig, alle Mitbewerber zu motivieren, an einer gewinnbringenden Kooperation mitzumachen. Doch wer‘s nie versucht wird nicht wissen, ob‘s funktioniert und versperrt sich und anderen die Tür für gewinnbringendes Unternehmertum.

Jedes Projekt beginnt mit dem ersten Schritt

blog_Ideensammeln01-3Und wenn Sie sich dazu entschlossen haben, den ersten Schritt zu machen und Ihre Mitbewerber auf Ihre Idee hin anzusprechen, dann sollten Sie gut vorbereitet ans Werk gehen. Notieren sie sich dafür Stichworte zur Einleitung der Gespräche und mögliche Fragen zur Sichtweise der Konfliktparteien. Es erwarten Sie bei Ihrem Vorhaben nämlich folgende zwei Gruppen, die es gewohnt sind, ihre Konflikte auf verschiedene Art auszutragen:

  1. Die destruktive Gruppe geht kein Problem gemeinsam an. Sie sieht immer in den anderen Personen das Problem und sie glaubt, dass ihnen ihr vermeintlicher Gegner im Wege steht. Diese Gruppe möchte sich nie selbst sondern immer nur die andere Seite verändern und die so genannten Gegner verlieren sehen. Somit erfordert es viel Geschicklichkeit und Fingerspitzengefühl, diese Gruppe auf Ihre Seite zu ziehen.
  2. Die konstruktive Gruppe bevorzugt es, zusammenzuarbeiten. Sie sucht immer eine Lösung für ein Problem die sicherstellt, dass alle gewinnen. In dieser Gruppe übernehmen alle gemeinsam Verantwortung für das Problem und suchen zusammenarbeitend eine Lösung dafür. In dieser Gruppe bringt jeder gerne seine Interessen voll ein. Sie ist kooperativ und so handelt sie auch. Diese Gruppe ist einfacher auf Ihre Seite zu bringen.

blog_Frage02-2Sie sehen also, dass es kein Honiglecken wird, mit der ganzen Meute zu sprechen. Nur wenn Sie es nicht tun, wer soll es dann tun? Vielleicht suchen Sie sich einen oder mehrere Verbündete, die Sie bei Ihrer Idee unterstützen. Die diversen Konflikte, die Sie und Ihre Mitbewerber bewusst oder unbewusst haben, hatten ja mal einen Anfang. Einen so genannten Ausgangspunkt. Und ich kenne so manche verfeindeten Personen, die gar nicht mehr wissen, was den Ausschlag gegeben hat, so verfeindet zu sein.

Dazu hier eine weitere kleine Geschichte

Jeder Konflikt fängt mit Spannungen an. Sie treffen Sich mit Ihren Mitbewerbern zu diversen Anlässen und haben miteinander nicht viel zu tun. Eigentlich wissen Sie nicht woran es liegt, aber wenn Sie einen Ihrer Mitbewerber (ich nenne ihn Mister X) sprechen hören und sehen, wie er sich gibt, finden Sie immer mehr, dass das ein komischer Vogel ist. Sie fühlen sich nicht wohl wenn Sie ihm begegnen und er mit Ihnen spricht.

Als Mister X bei einer weiteren Ihrer Begegnungen abfällige Bemerkungen über Fahrlehrer macht, greifen Sie ihn mit den Worten „dass der Fisch beim Kopf zu stinken beginnt“ an. Das eine Wort ergibt das andere. Seitdem begegnen Sie sich misstrauisch und gereizt.

Nach ein paar Begegnungen sind Sie beide der Meinung, dass „man mit der Dumpfbacke“ sowieso nicht reden kann. Sie haben wie man so sagt, keine gemeinsame Wellenlänge mehr. So wie Sie sich gegenseitig provozieren sieht jeder, dass die Spannung steigt.

Jetzt beginnt die Phase der Suche nach Verbündeten. Jeder versucht Kollegen auf seine Seite zu ziehen und lässt keine Gelegenheit aus, den anderen zu provozieren. Ab jetzt gibt es keinen Weg zurück mehr. Ich oder er lautet die Devise.

Bei jeder Möglichkeit versucht einer den anderen im schlechten Licht dastehen zu lassen. Es werden Boshaftigkeiten ausgetauscht und Unwahrheiten verbreitet. Jeder droht dem anderen und die verfeindeten Kollegen werden immer unversöhnlicher. Die Auseinandersetzungen nehmen an Härte zu und wo es nur geht, versucht einer den anderen Schaden zuzufügen. Der Streit eskaliert, der Ruf ist kaputt und beide stehen vor der Ruine ihrer Existenz.

Wie es zu diesem Thema weiter geht erfahren Sie nächste Woche an der selben Stelle.

PS: Im nächsten Teil erzähle ich Ihnen mehr über die Liebe zu den Menschen, die Empfehlung diverser Spielregeln, Ihre Rolle als Moderator und die Ankündigung meiner schrägen Kooperations-Idee.

– Autor: Guido Peternell

2 Gedanken zu „Einsam oder gemeinsam? Teil 2/4

  1. Günter Schröder

    Hallo Guido,klasse wie du es mal wieder auf die Punkte bringst! Wir haben hier eine Gruppe gegründet, in der fast alle Fahrschulinhaber vertreten sind, da wir uns gegen einen Mitbewerber aufstellen wollten. Wir machen so einige Dinge zusammen, die man als Ein Mann Fahrschule so gar nicht durchführen könnte. Mir fällt auf, das es soetwas wie eine Wellenbewegung gibt, mal steht dieser Verbund fest geschlossen, mal eher lose. Aber was ich eben für das wichtigste halte ist, das wir alle miteinander reden können. Danke für deinen Beitrag.

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Günter,

      es freut mich, dass dir das Thema gefällt und dass du meinen Gedanken folgst. Noch mehr freut es mich, dass du meiner Meinung bist, dass gemeinsam besser als einsam ist. Auch wenn gemeinsames mit manchen Kompromissen behaftet ist, ist es gut, miteinander zu TUN und vor allem zu REDEN.

      Weiterhin viel Erfolg und liebe Grüße aus kärnten
      Guido 🙂
      PS: Ich glaub, ich hab in dieser 4er-Serie noch mehr das dir gefallen wird

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