Einsam oder gemeinsam? Teil 1/4

Einsam oder gemeinsam – da hat mir Jacqueline Weber vom Verkehrsinstitut Altenburg ein schweres Thema aufgegeben, als Sie mir schrieb, ob ich mich in einem meiner Artikel dem Thema „Strategien zum Aufbau eines konstruktiven Dialogs zwischen Mitbewerbern“ annehmen könnte. Dies tue ich hiermit und danke gleichzeitig Jacqueline für ihre Anregung.

blog_Berg und Tal01-3Ich weiß, dass dies ein schweres Thema ist. Aus diesem Grund wird das Tema 4 Beiträge beanspruchen, um es einigermaßen seriös abhandeln zu können. Schauen wir uns erst einmal die aktuelle Situation in der Branche etwas näher an, bevor wir die Frage stellen, einsam oder doch gemeinsam in eine (noch) bessere Fahrschulzukunft zu gehen.

Externe Herausforderungen

  1. Wir haben trotz Scheitern einiger Fahrschulen keinen sinkenden Anbietermarkt. Es gibt noch immer Personen die der Meinung sind, dass man mit Fahrschulen super verdienen kann und die ohne Marktanalyse und trotz genügend Konkurrenten weitere Fahrschulen eröffnen.
  2. Die demografische Bevölkerungsentwicklung sorgt dafür, dass der innländische Konsumentenmarkt weiter im Sinken begriffen ist, was nur ein wenig von Zuwanderern abgefedert wird.
  3. Unsere Politiker sind ständig auf neuem Stimmenfang und deren Gesetzgebung ist somit für unsere Branche auch sehr unberechenbar geworden. Jüngstes Beispiel dafür ist das Bestreben von Jungsozialisten, theoretischen Fahrunterricht kostenlos in die Pflichtschulen zu bringen.
  4. Die Konkurrenz in der Branche wird immer größer. Als Beispiele davon führe ich hier Autofahrerclubs mit vorerst nur dem Fahrsicherheitstraining, andere Institutionen, die sich in der Berufskraftfahrer-Aus- und Weiterbildung stark machen und viele mehr.
  5. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden meiner Meinung nach statt liberaler, immer schwerer. Die Bürokratie häuft sich und kreativen Unternehmern wird nicht nur ein Stein vor die Beine geworfen.

Interne Herausforderungen

  1. Viele Fahrschulen haben nicht selten aus eigenem Unvermögen zu wenige Kunden. Zu wenig Kunden bedeutet auch zu wenig Umsatz, um ein finanziell sorgenfreies Unternehmerleben führen zu können.
  2. Fehlende gesunde Kalkulation und wie ich oft zu hören bekomme, eine vernichtende Preispolitik der Mitbewerber treibt die Preise in so schwindelnde Tiefen, dass an den meistens falschen Ecken und Enden gespart wird.
  3. Hohe Treibstoffpreise und vermeintlich hohe Kosten des Personals bringen Fahrschulbetreiber immer mehr zum Laufen im Hamsterrad, ohne inne zu halten und über die eigene Situation nachzudenken.
  4. Das fehlende Wissen über professionellem Verkauf führt zu geringen Abschlussquoten. Um das auszugleichen wird andererseits versucht, mit (zu) billigen Preisen oder unlauteren Angeboten zu Fahrschülern zu kommen.
  5. Neuerungen wie Mehrphasenausbildung, duale Fahrausbildung, Verwaltungsreform, EU-Richtlinien und vieles mehr fordern die oft personell unterbesetzten Fahrschulen und deren Ressourcen derart heraus, dass sie keine Zeit mehr zum erfolgreicher werden haben.

blog_Batzen01-3Das sind schon schöne Batzen an Herausforderungen, die Fahrschulen zu bewältigen haben. Vielleicht ist auch dies der Grund, dass so viele Fahrlehrer und Fahrschulbetreiber so viel raunzen, anstatt an ihrer Situation etwas zu ändern. Leidende haben ja ein unbändiges Mitteilungsbedürfnis. Sie lechzen nur so nach Zustimmung ihrer Leidensgenossen und fühlen sich bei dieser so richtig gut verstanden. Dabei brächte weniger Raunzen viel mehr Chancen. Heute ist das Wort Netzwerken in aller Munde. Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und die letzten Jahre haben uns gezeigt, was alles möglich ist. Andere Zeiten benötigen andere Ideen, andere Maßnahmen und beinhalten neue Chancen. Und ich habe so eine schräge Idee zu einer Kooperation, die ich Ihnen jedoch erst zum Schluss dieser Artikelserie kundtun werde.

Querdenken ist angesagt

blog_einmalig01-3Die oberen Herausforderungen zeigen, dass die Last auf einen einzigen Fahrschulbetreiber sehr hoch ist. Kein Wunder dass der eine oder andere darunter zusammen bricht und somit an der neuen Modekrankheit Burnout leidet. Vielleicht hat er es selbst noch gar nicht gemerkt. Grund genug, wieder einmal seine Gehirnzellen anzustrengen und quer zu denken. Müssen wir im Einzugsgebiet eigentlich das Messer derart zwischen den Zähnen haben und somit Spinnefeind sein? Diese Frage muss jeder in aller Ruhe für sich selbst beantworten. Sie bekommen jedenfalls am Ende dieser Serie von mir eine Idee, über die Sie auch nachdenken können, ob es sich auszahlt, Ihre Mitbewerber mit ins Boot zu holen.

Beraterpool von über 30 Spezialisten

blog_Beraterpool01-2Aus diesem Grund habe ich auch den Titel dieser Artikelserie gewählt. Gemeinsam statt einsam ist schon immer ein stiller Begleiter meines Lebens. Aus diesem Grund bin ich auch nach fast 20 Jahren noch immer Franchisenehmer von INLINE, obwohl ich mein Geschäft ganz alleine aufgebaut habe und betreibe. Da ich noch immer Franchisenehmer bin, bin ich in einem Beraterpool von mehr als 30 Spezialisten in vielen Unternehmensbereichen, die ich damit anzapfen kann. Andere in diesem Pool zapfen im Gegenzug mein Know-how an. Es ist ein Geben und Nehmen, das sich in der Waage hält. Und das macht uns gemeinsam erfolgreich.

Wenn da nicht die zerstrittenen Kollegen wären

blog_beschwerden02-3Folgende kleine Geschichte dazu. Ich wuchs als Kind von Eltern auf, die mit meinem jüngeren Bruder und mir lange Jahre in einem 20 qm Zimmer zu viert lebten und auf eine Wohnung warteten. Bad und Küche hatten wir gemeinsam mit der Familie der Schwester meines Vaters. Mein Vater war bei allen damaligen Parteien Mitglied und bezahlte Mitgliedsbeitrag, um die Chance auf eine eigene Wohnung zu wahren. Als wir nach Jahren endlich eine eigene Wohnung bekamen, musste mein Vater einen Kredit aufnehmen, um die 2.500 Schilling (EUR 181.68) Baukostenzuschuss bezahlen zu können. Das nur so nebenbei. Was ich Ihnen eigentlich erzählen wollte ist, dass meine Mutter hie und da mit Nachbarn Meinungsverschiedenheiten hatte. Und wenn sie die hatte, dann durften mein Bruder und ich auch nicht mehr mit den Nachbarn reden. Das war ein klarer Auftrag unserer Mutter.

blog_beschwerden01-3Vielleicht erging es den einen oder anderen von Ihnen in der Vergangenheit auch so ähnlich. Ich habe mich über den Auftrag meiner Mutter hinweggesetzt. Mir hat der Nachbar doch nichts Böses getan und deshalb verstand ich auch nicht, warum ich mit ihm nicht sprechen durfte. Das sollte die Brücke als Überleitung zu den teilweise zerstrittenen Kollegen sein. Nächste Woche geht es zum Thema „Direkte Strategien zum Aufbau eines konstruktiven Dialogs zwischen Mitbewerbern“ weiter.

PS: Im nächsten Beitrag geht’s mit dem so oft verbreiteten Preisdumping, mit dem Satz, dass das ganze Leben ein Gespräch ist, mit der Feststellung, dass jedes Projekt mit dem ersten Schritt beginnt weiter und endet mit einer weiteren kleinen Geschichte zum Thema.

– Autor: Guido Peternell

4 Gedanken zu „Einsam oder gemeinsam? Teil 1/4

  1. Dietbert Walter

    Querdenken: Miteinander bedeutet zum Ersten über den Tellerrand sehen. Wie geht es im direkten Umfeld den Gaststätten, Hotels, Friseuren & anderen Dienstleistern?
    Ich selbst habe viel gelernt im Gespräch mit diesen Geschäftsbetreibern….habe vieles von außen betrachtet viel einfacher gesehen als diese, die in ihrem Geschäft verbohrt und gefangen sind.
    Tipp: Sucht euch einen richtig guten Friseur zum Fachsimpeln, einen richtig guten Hotelier oder einen erfolgreichen ….der Blick über den Tellerrand öffnet neue Chancen…:)))
    Lg an Guido

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Dietbert,

      schön dass du dich auch immer wieder hier einbringst. Danke für deinen Input, denn von dir können viele viel lernen.

      Wie sagt man so schön: „Ein System kann sich selbst nicht erkennen.“ Deshalb bedarf es oft außenstehende, die einen weiter helfen können. Das geht jedoch nur, wenn man selbst nicht beratungsresistent ist und alles weiß oder immer besser macht.

      Du nutzt bereits die Chancen, die sich dir bieten. Andere müssen das „über den Tellerrand schauen“ erst lernen.

      Liebe Grüße aus Kärnten
      Guido 🙂

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  2. wolfgang ilsemann,Fahrlehrerforum Deutschland

    Lieber Guido,
    ich bin immer gespannt auf Deinen großen Fundus ;)“Interne Herausforderungen“, „Externe Herausforderungen“..wenn es doch nur alle lesen würden, 5 Minuten Zeit, wer sie sich nicht nimmt,scheitert schon an der ersten „Internen Herausforderung..
    Bin gespannt auf Deinen nächsten Artikel
    Herzlichen Gruß aus Bad-Homburg und weiter so!!!
    Dein Wolfgang

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Lieber Wolfgang,

      ja so ist es. Jede Unternehmung hat verschiedenste Herausforderungen zu meistern. Mit meinen Beiträgen hier gebe ich kostenlos ein wenig Hilfestellung dazu. Wer sie nicht nutzt, ist selbst schuld. Ist auch sein und nicht mein Problem.

      Danke für deine Wertschätzung und liebe Grüße nach Bad-Homburg

      Guido 🙂

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