Digitalisierung – betrifft sie die Fahrschulen?

Die Digitalisierung verändert die Welt. Sie macht auch vor unserer Branche nicht halt. Experten sagen: „Wer nicht mitmacht, wird über kurz oder lang vom Markt verschwinden“. Das einzig fixe ist die Veränderung lautete einer meiner Blogartikel, der mehr Mut zur Veränderung machen soll.

Digitalisierung war ein Fremdwort

digitalisierung01-4Ich habe noch in einer Fahrschule gearbeitet, in der Digitalisierung ein Fremdwort war. Diese Fahrschule hatte nicht einmal einen Computer. Dort wurde noch mit Karteikarten gearbeitet und Zettelwirtschaft betrieben. Ich musste noch meine Fahrstunden mit dem Fahrschüler terminieren und diese danach oder am Abend in den Fahrschulkalender eintragen. Oder die Fahrschüler standen nach dem Theoriekurs im Büro Schlange, um ihre Fahrstunden zu erhaschen.

Wo ist diese Zeit geblieben?

digitalisierung02-3Das sind doch erst 25 Jahre her. Bevor die Fahrschule einen Computer hatte, hatte ich privat einen. Zuerst war es ein PC mit einer Festplatte, die so groß war, wie heute ein halber Arbeitsspeicher. Beim Erstellen einer Grafik war die Festplatte voll. Die Digitalisierung zeigte die ersten Speicherplatzprobleme. Das einzige was mir blieb, war Dateien zu löschen. In meiner Unwissenheit damals löschte ich nicht nur die Dateien, die ich nicht mehr benötigte, sondern auch Systemdateien. Das Ergebnis? Der PC stürzte ab und blieb nach dem Einschalten tot.

Intensive Lernphase für mich

digitalisierung03-3-lernphaseDie Erstphase der Digitalisierung war eine intensive Lernphase für mich. Und ich blieb neugierig. So neugierig, dass ich obwohl Autodidakt, von vielen meiner Freunde, Verwandten, Bekannten und Kollegen immer wieder zum Thema um Rat und Hilfe gebeten wurde. Die Speichermedien im PC wuchsen mit der Zeit, sodass ich damit schon schöne und wertvolle Dinge machen konnte. Mein erstes Fahrschulkonzept schrieb ich digital auf meinem ersten PC.

Fahrstunden im Buchkalender

kalenderbuch01-3Die Fahrstundeneinteilung und Kunden-Aufzeichnungen machte ich damals noch in einem Buchkalender, den ich von der Versicherung zur Verfügung gestellt bekam. Also weit entfernt von der Digitalisierung. Dieser Kalender beinhaltete alle meine Termine, Adressen, Telefonnummern und dergleichen. Am Jahresende musste ich Telefonnummern und Adressen, sowie vorauseilende Termine händisch in den neuen Kalender übertragen. Das machte mir keinen Spaß und ich suchte nach Alternativen.

Casio Digital Organizer

casio_01-3Diese fand ich in meinem ersten Casio Digital Organizer. Damit schritt meine Digitalisierung voran. In dem investierte ich viel Zeit, um mühsam all meine Kontaktdaten mit Telefonnummern und Adressen einzutragen und zu verwalten. Das war schon eine tolle Innovation. Ich war der erste Fahrlehrer in unserer Gegend, der per Casio auch seine Fahrstunden einteilte. Er war kleiner und handlicher als der Papierkalender von der Versicherung. Leider konnte man damals noch keine Daten mit dem PC synchronisieren. Bis er mir eines Tages beim Bücken aus der Brusttasche meines Hemdes im freien Fall auf den Boden fiel. Ergebnis: kaputtes Display und somit alle Daten unbrauchbar – also futsch.

Mein erstes Zeitplanbuch

timesystem01-2Damit hatte ich vorerst einmal die Nase voll von der Digitalisierung. Ich investierte in das Zeitplanbuch von Time/System. Hier gab es die jährlichen Kalender zum Nachkaufen. Die Kontaktadressen blieben immer gleich. Doch die Digitalisierung hat mich gepackt und deshalb ersetzte ich mein Zeitplanbuch Time/System durch einen Palm Organizer, der meine Daten bereits mit meinem Computer synchronisierte. Einziges Manko: Die Fahrschule arbeitete noch immer mit Versicherungskalender und Karteikarten.

Nokia Communicator

nokia-communicator01-3Die Digitalisierung ließ sich nicht aufhalten. Nach den ersten Handys kamen schon die kleinen Computer, die immer effizienter wurden. Auch hier ging ich mit der Zeit und schaffte mir den Nokia Communicator an. Dieser wurde damals bereits als mobiles Büro gehandelt, da man auf ihm schon Microsoft Word und Excel lesen und bearbeiten konnte. Eine wahre Innovation nur leider urlangsam und träge. Ein Schatten der Smartphones, die heute mehr leisten, als große PCs in den 90er Jahren.

Veränderungen treffen jeden

erstberuf01-3Unternehmer und Mitarbeiter. Ich war immer offen für jeden Fortschritt und gab auch gerne, meine Erkenntnisse wie Erfahrung weiter. Das war schon in meinem Erstberuf als Lehrlingsausbildner. Diese von mir ausgebildeten Azubis arbeiteten auf Basis von „Learning bei doing“ nach intensiver Einschulung nach 2 -3 Monaten selbstständig. Meine Aufgabe war da nur mehr Controlling und verbessern. Dies förderte die Produktivität und machte sich wirtschaftlich bemerkbar.

Jugend wächst digital auf

digitale-jugend01-3Ob dir die Digitalisierung recht ist oder nicht. Fakt ist, dass die Jugend – also unsere Zielgruppe mit der Digitalisierung aufwächst. Dir bleibt also gar nichts anderes übrig, als auch mit der Zeit zu gehen? Es gibt keine Alternative. Auch die Mitarbeiter sind in der digitalen Welt angekommen. Einer Umfrage zu Folge wünschen sich 85% von ihnen einen besseren Zugang zu Informationen und 84% regelmäßige Feedbacks von ihren Vorgesetzten. Erfüllst du schon diese Wünsche?

Zeitfenster der Digitalisierung

zeitfenster01-3Heute ist es schwierig, die Digitalisierung in der Fahrschulbranche genau nachzuvollziehen. Das muss gar nicht sein. Die Zeit der Unterrichtstafeln, Diaprojektoren, Overheadfolien und dergleichen ist Geschichte. Sie wurden von bewegten Bildern durch Video, CD-I, Beamer, iPad, Smartphone als so genannte digitale Medien abgelöst. Fahrsimulatoren werden für den praktischen Erstunterricht eingesetzt. An neuen Fahrzeuggenerationen zur E-Mobilität und autonomen Fahren durch totale Vernetzung wird getüftelt. Also Digitalisierung, wohin das Auge reicht.

Erzähl‘ uns deine Meinung

deine-meinung01-3Welche Meinung hast du zu dieser Entwicklung? Es wäre schön, wenn du hier unten in der Kommentarfunktion mit mir in Dialog trittst. Siehst du den Fahrlehrer-Beruf durch diese Entwicklung gefährdet? Oder bieten sich gerade dadurch Chancen für den Berufsstand? Ich freue mich auf deine Meinung und dein Feedback.

PS: Und wenn du meinen kostenlosen Newsletter abonnieren möchtest, dann hinterlass hier unten deine E-Mailadresse.



– Autor: Guido Peternell

4 Gedanken zu „Digitalisierung – betrifft sie die Fahrschulen?

  1. Claus

    Hallo Guido,

    digitalisierung hin oder her. Werden wir uns irgendwann digital den Hintern abwischen? Werden wir uns digital lieben? Wo gehen wir hin und muss man das alles unbedingt so mitmachen?

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Servus Claus,

      du hast mit deinen Fragen vollkommen Recht. Nur was ist die Alternative?

      Ich beispielsweise habe die Digitalisierung persönlich zurück geschraubt. Ich bin mobil nicht mehr auf twitter, facebook oder xing erreichbar. Und das ist für mich gut so, denn dadurch kann ich mich auf viele andere Dinge konzentrieren, die mir wichtiger geworden sind. Meine Antwort auf deine Fragen sind also:

      1) Mit dem iPad den Hintern wischen macht nur mehr Sauerei

      2) Digital lieben? Wenn ich die Jugend sehe, die sich in Lokalen gegenüber sitzen und am Handy herumfummeln…

      3) Muss man oder muss man nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden. Manche Dinge sind sinnvoll, viele (Apps zB…) sind (für mich) für die Fisch

      Das ist jedoch nur meine Meinung. Danke für dein Feedback.

      Liebe Grüße nach Unterpleichfeld
      Guido 🙂

      Antworten
  2. Heidi

    Digitalisierung ja bitte. Erinnern wir uns an die Zeit als wir am Wochenende mühsam handgeschriebene Tagesnachweise in den PC eintippen. Overheadfolien malten und ich mit meiner Sauklaue versuchte es irgendwie leserlich zu machen. Bei Krankheit alle Fahrschüler anriefen um den Theorie-Unterricht abzusagen. Heute wird synchronisiert, upgedatet und per WhatsApp mit ein paar Klicks alle erreicht. Ich finde diese erleichtern. Sicher bringt die Digitalisierung auch Nachteile mit sich, aber wenn ich halt mal nicht mehr will, habe ich immer die Möglichkeit meine digitale Welt einfach auszuschalten. Klick.

    VG Heidi

    Antworten
    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Servus Heidi,

      danke für dein Feedback. Auch ich kann mich sehr gut an die Zeit ohne Digitalisierung erinnern. Sie war anders und wie du richtig schreibst auch vielfach mühsamer.

      Und wie du richtig schreibst hat jeder die Möglichkeit, das Beste daraus zu machen, auch wenn das Beste ausschalten bedeutet.

      Liebe Grüße
      Guido 🙂

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.