Billig oder Kundenorientiert?

Billig oder kundenorientiert ist eine gute Frage. Es ist schon bezeichnend für die Branche, dass gerade diejenigen, die für Verkehrssicherheit stehen sollen, oft auf die Billigschiene aufspringt. Aber vielleicht können die es gar nicht anders.

billig 01-2Nun bin ich seit 1979 in der Fahrschulbranche und habe viele Trends und Fahrschulen kommen und gehen gesehen. Einige Trends habe ich mitgestaltet. Bei anderen war ich mit meiner Idee ein paar Jährchen zu früh. Ich habe immer über den Tellerrand der Branche hinaus geschaut und mir dabei immer die folgenden Fragen gestellt: „Passt das auch in die Fahrschulbranche? Wie kann man das in unserer Branche umsetzen? Womit starte ich für die Umsetzung innerhalb von 72 Stunden?“ Nur den billig Trend habe ich nie mitgemacht.

blog_Uhr01-3Sie sehen also, dass ich die von mir immer wieder angesprochene 72 Stunden-Regel selbst auch umsetze. Und ich halte immer wieder Ausschau nach Pro und Contra zur viel diskutierten Premium- und Discount-Dienstleistung. Erst kürzlich las ich in einem Artikel von Mirjam Hecking im Manager Magazin über die Probleme der irischen Billigfluglinie Ryanair. Ryanair ist bekannt dafür, bei rechtzeitiger Buchung billig von einem Zielflughafen zum anderen fliegen zu können.

Ryanair 01-3Service und Kundenfreundlichkeit hat im billig-Konzept bei Ryanair keinen Platz. Trotzdem hatte die Fluglinie lange großen Erfolg. Doch der Wind hat sich gedreht. Ryanair bricht massiv der Gewinn weg und bringt die Fluglinie damit in enorme Turbulenzen. Auf die Frage, ob Fluggäste bald für jeden Atemzug extra bezahlen müssen antwortete der Ryanair-Chef mit: „Das ist eine Spitzen-Idee!“ Vielleicht sind gerade solche Gedanken und Maßnahmen dafür verantwortlich, dass Ryanair derzeit sich mit massiven Luftlöchern auseinandersetzen muss. Wie kommt es, dass Europas größte Billigfluglinie in Turbulenzen gerät?

Meiner Meinung nach ist die Situation ganz logisch.

  1. Ryanair war mit ihrer Preispolitik als erste Airline am Markt und schnitt sich damit von diesem ein großes Stück vom Kuchen ab. Sie nutze Flughäfen außerhalb von Ballungszentren und ließ sich ihre Präsenz von der dort ansässigen Politik auch noch fürstlich subventionieren. Dadurch wurden kleinere Flughäfen belebt, Passagiere gewonnen und in den dort ansässigen Gemeinden und Städten die Budgetkassen ausgehöhlt.
  2. Geht der Politik das Geld aus oder sie will nicht mehr ihre Gemeindekasse für Ryanair öffnen. Auch wenn Ryanair seine Starts und Landungen von diesen Orten/Städten abzieht und dadurch das Loch in der Flughafen- und Gemeindekasse noch größer wird.
  3. Die Konkurrenz hat nachgezogen. Die etablierten Fluglinien haben den Trend (etwas spät, wie es bei solchen Unternehmen üblich ist) erkannt und konzernintern selbst Billigfluglinien installiert. Und genau damit wurde die Preisspirale nach unten eröffnet. Das Ergebnis davon ist, dass die Flugpreise sinken und sinken und sinken. Auch wenn die Fluglinien Meister im Verstecken von Preisen sind.
  4. Arbeitsbedingungen: Billigunternehmen müssen immer irgendwo sparen und wo ist am einfachsten zu sparen? Natürlich, bei den Mitarbeitern. Die lassen es sich eine gewisse Zeit gefallen, weil sie um ihren Arbeitsplatz bangen. Unmut findet Verbündete und Verbündete können fürs Unternehmen sehr unangenehm werden.

twitter 01-2Und siehe da, die so ins Trudeln geratene Billigfluglinie Ryanair setzt erstmals auf Kundenbefragungen. Bisher war Ryanair doch die Meinung der Kunden völlig egal. Jetzt hat Ryanair-Boss Michael O’Leary sogar einen Twitter-Account, auf dem er seinen Kunden Rede und Antwort steht. Zudem hat er einen persönlichen Briefkasten für Kundenbeschwerden eingerichtet. Wozu braucht ein Discounter das? Wenn doch viele der Meinung sind, dass allein der Preis das entscheidende ist. Ist das wirklich so?

mehr-mehr-mehr 01-3Ich denke nicht. Meine Erfahrungen mit Rabatten und Preisnachlässen ist, dass auch wenn der Preis in die Tiefen der Wirtschaftlichkeit sinkt, gerade diese Zielgruppe immer mehr will. Warum sonst will Ryanair seinen nicht gerade service-verwöhnten Kunden zukünftig entgegen kommen? Warum sonst will Ryanair zukünftig für die Aufgabe von Gepäck statt 60,00 nur mehr 30,00 Euro berechnen? Warum sonst will Ryanair für die erneute Ausstellen einer vergessenen Online-Bordkarte zukünftig statt 70,00 nur mehr 15,00 Euro berechnen? Warum sonst will Ryanair zukünftig sogar ein zweites Stück Handgepäck erlauben? Sie sehen also, dass gerade Discounter immer tiefer in die Tasche greifen müssen, um ihre Kunden (die das Sparen geradezu zelebrieren) bei Laune zu halten.

Rabatt 01-2Die Eingangsfrage: „Billig oder Kundenorientiert?“ brauche ich nicht zu beantworten. Die müssen Sie sich selbst für Ihr Unternehmen beantworten. Die meisten meiner Freunde und Leser kennen mich als Person mit dem Spruch: „Leben und leben lassen!“ Ich bin gerade in der Dienstleistungsbranche kein Freund von Discount, sondern von Premium. Lieber mehr KundenNUTZEN anstatt Rabatt. Ich kann Rabat(t), der Hauptstadt von Mexiko mehr abgewinnen als ruinösen Preisaktionen.

anders 01-3Ich kaufe lieber bei Firmen oder in Geschäften, die anders als die anderen sind. Diese haben ganz andere Mitarbeiter. Diese sind zuvorkommend, freundlich, top geschult und ständig gut weiter gebildet. Diese arbeiten anders als alle anderen. Diese haben einen Schmäh drauf, verkaufen zusätzlich, sind darin kreativ und erreichen damit höhere Preise. Diese sorgen persönlich für ihr Trinkgeld, das ich ihnen gerne für hervorragende Leistung an mir als Kunden gebe. Von Ähnlichkeit weit und breit keine Spur.

Und glauben Sie, dass Discounter sich solche Mitarbeiter leisten können oder wollen? Glauben Sie, dass Discounter ihren Mitarbeitern Nutzen geben können/wollen? Nutzen für Mitarbeiter kostet Geld und dieses wiederum mindert den Gewinn. Also können Discounter gar nicht die besten, motiviertesten und freundlichsten Mitarbeiter haben.

PS: Bitte beteiligen Sie sich an der Diskussion hier unten. Ich freu mich schon auf Ihr Feedback.

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– Autor: Guido Peternell

6 Gedanken zu „Billig oder Kundenorientiert?

  1. Jenny Köhler

    Hallo Guido,

    guter Artikel. Ich selbst kaufe auch lediglich Verbrauchsartikel wie z.B. Mehl und Butter beim Disounter. Ach und Katzenfutter. Bei diesen lege ich keinen großen Wert auf gute Beratung etc. Bei Dienstleistungen und damit Leistungserstellung direkt und zusammen mit dem Kunden kann man eine solche Discountstrategie sicherlich auch umsetzten. Genau diesen Weg geht nun auch Ryanair. Discounter leben nämlich durch ständige Kostenminimierung. Wenn diese gelingt ohne den einfachsten Kostenpunkt Personal zu berühren sicherlich möglich. Aber an der genauen Unsetzung arbeite ich noch 😉 DANKE für deine inspirierenden Ideen, Jenny

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Jenny,

      super deine kompetente Meinung auch hier in meinem Blog lesen zu können. Du handelst wie viele Menschen auf unseren Planeten. Der einzige Unterschied wird jedoch sein, dass du bei den Verbrauchsartikeln, die du und deine Familie konsumieren, nicht nur aufs billigste schaust, sondern auch auf die Qualität und Gesundheit. Es gibt auch genügend gegenteilige Beispiele wie zum Beispiel Personen, die in ihr Auto das beste wie auch teuerste Öl und ins sich selbst das billigste Öl schütten. Egal welche Konsequenzen dies hat.

      Die Discountstrategie im eigenen Unternehmen erfordert viel Analyse- und Verbesserungbereitschaft der Bereiche Systeme und Verfahren. Ob das Fahrschulen leicht umsetzen können, deren Unternehmer selbst ständig im Auto, im Kurs oder hinter der Buchhaltung sitzen, ist fraglich.

      Liebe Grüße nach Idstein
      Guido 🙂

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      1. Jenny Köhler

        Der Unternehmer muss Unternehmer sein. Je mehr Angestellte, umso besser 😉 klein aber fein geht da nicht mehr. Ich selbst finde das nicht erstrebenswert, da ich die direkten Kontakte mit meinen Kunden genieße. Aber interessant finde ich es mal so ein Konzept zu Ende zu denken. Sicherlich werde ich mir dafür mal Zeit nehmen. Wenn es fertig ist gebe ich es Dir dann 😉

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        1. guido.peternell Beitragsautor

          Ja Jenny,

          das ist natürlich eine Philosophie-Sache und eine Sache der Ziele, die man selbst anstrebt.
          Ich bin schon neugierig, was bei deinem zu Ende-Denken herauskommt und freu mich darauf.

          Liebe Grüße
          Guido 🙂

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  2. Dietbert Walter

    Hallo Guido,
    das Thema ist aktueller denn je.
    Gerade hat die Baumarktkette Praktiker 130 Filialen dicht gemacht. Und jetzt werden auch wahrscheinlich 130 Max Bahr Baumärkte geschlossen.
    Das gleiche passiert im Zeitungsgewerbe, wo immer mehr kleine Betriebe dicht machen oder einfach von größeren „geschluckt“ werden.
    In der Elektronikbranche konnte Media-Markt ihre Geiz ist geil Masche gerade noch retten. Sie hatten den Internethandel komplett verschlafen & haben damit erst sehr spät begonnen.
    Fazit: Nur billig ist kurzlebig &führt zu einer Ausverkauf-Mentalität der Kunden. Diese identifizieren sich nicht mit der Billigmarke & bauen nur eine kurzfristige Kundenbindung auf.
    Lg Dietbert

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    1. guido.peternell Beitragsautor

      Servus Dietbert,

      danke auch für deine Meinung hier in der Kommentarfunktion. Du sagst es: „aktueller denn je. Ob Baumarktkette(n), Zeitungsgewerbe oder Elektrobranche“. Das meiste ist hausgemachte Verweigerung betriebswirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten, basierend nur auf Umsatzwachstum, Marktanteilstrategien und Mitarbeiterausbeutung. Und der Tenor lautet: „Der Kunde will das!“ Nur wer hat diesen Kunden so heran gezüchtet? Sind das nicht dieselben Betriebe, die jetzt unter der Schnäppchenmentalität massiv leiden? War die Sichtweise dieser nicht zu blauäugig indem sie glaubten, die einzigen mit dieser Strategie zu bleiben? Wie dumm muß man sein um anzunehmen, der einzige Billigheimer seiner Branche sein zu können? Wie dumm muß man sein um zu glauben, dass man immer allein der billigste sein kann, ohne dabei nicht vor die Hunde zu gehen? Ich habe so manche Fahrschule gesehen, die das Familiensilber, das Eltern mit der Fahrschule erwirtschaftet haben, von der nachfolgenden Generation an die Gläubiger gebracht haben. Ist das der Sinn und Zweck eines Unternehmens?

      Und wie dumm muß man als Konsument sein um zu glauben, immer alles billiger kaufen zu können, ohne dass der eigene Arbeitsplatz damit in Gefahr kommt? Vergleichbare Produkte beim billigeren Anbieter zu kaufen ist legitim. Und das Internet macht so wie du richtig schreibst Dietbert, den Markt transparenter. Und da ich ja nicht blöd bin (wie Media Markt es hinaus posaunt), kaufe ich vergleichbare Produkte beim billigeren Anbieter. Interessant ist nur, dass der billigste nicht der Media Markt ist!

      Geiz ist geil kommt nicht von Media Markt, sondern von Saturn. Alleine dieser Slogan der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt hat den Markt und die Konsumenten total verändert. Er hat viele Nachahmer gefunden und machte die Schnäppchenjagd zum Wettbewerb. Ich gratuliere der Agentur zu viele vernichtete Arbeitsplätze, die den Mittelstand den Wohlstand kosten und diesen auf wenige Reiche verteilen.

      Billig alleine ist in der Dienstleistungsbranche nicht angebracht. Ich will nicht behaupten, dass es nicht funktioniert, wie man es ja bei den Billigflug-Airlines längere Zeit gesehen hat. In der Fahrschulbranche würde das bedeuten: „Ja, er hat seinen Führerschein billig bekommen. Er kann ihn nur nicht mehr nutzen, da er tot ist!“ Ja, ich bin bei diesem Thema polemisch und es kotzt mich an, wenn Fahrschulen nur Preisauskunft geben, weil sie sich zu geizig (Geiz ist geil) sind, die Mitarbeiter oder sich selbst topfit im Verkauf zu machen.

      Ich hoffe, noch viele Antworten auf dieses Thema geben zu können und freue mich auf euer Feedback.
      Liebe Grüße
      Guido 🙂

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