Billig, Mittelmaß oder Premium?

Billig, Mittelmaß oder Premium, das ist die große Frage. Wer Mittelmaß definieren möchte, braucht sich nur in der Fahrschulbranche umsehen. Der Großteil der Fahrschulen will anders sein, ist jedoch zu 99% mit den anderen (die auch anders sein wollen) vergleichbar.

Mittelmaß 02-2Auf der einen Seite die supermoderne Fahrschule, die gerade renoviert oder eröffnet hat und auf der anderen Seite die alteingesessene Fahrschule (oft Mittelmaß), die den Generationenwechsel versäumt oder noch nicht vollzogen hat. Viele Fahrschulen sind Künstler im Tarnen und Täuschen. Vielleicht deshalb, weil viele Fahrschulbetreiber (vor allem in Deutschland) aus der Landesverteidigung kommen. Sie tarnen sich mit den modernsten Schulfahrzeugen, täuschen mit niedrigen Grundbeiträgen und Fahrstundenpreisen um dann bei den Durchfallern groß die Hand aufzuhalten, damit sie wenigstens so halbwegs mit ihren Kosten über die Runden kommen.

Wollen Sie weiterlesen?

weiterlesen 01-2Indem sie weiter lesen, bestätigen Sie, dass Sie nicht zu den Mittelmaß Fahrschulen gehören, die ich gerade beschrieben habe. Wenn doch, dann sollten Sie bitte jetzt diesen Artikel verlassen. Sind SIE noch da? Und gehören Sie wirklich nicht zu den Teil der Fahrschulen, die ich oben beschrieben habe? Oder tun Sie nur so? Ist auch egal, denn die Branche verträgt auch solche Fahrschulen, die nur so tun. Man sieht es im täglichen Werken der Fahrschulen und gelegentlich auch in Medienberichten, wenn wieder einmal etwas in der Branche zu offensichtlich geworden ist. Zu offensichtlich natürlich im negativen Sinn. Oder haben Sie schon viel Positives über die Branche gehört oder gelesen?

Gebührenordnung

blog_Kontenzusammenfassungen01-3In diversen Foren und Gruppen wird immer wieder der Ruf nach einer Gebührenordnung laut. Das können nur Mittelmaß-Fahrschulen fordern. Einer Gebührenordnung für Fahrschulen, wie es Notare, Anwälte oder Steuerberater haben? Da kommt mir ja echt das Lachen, wenn sich Fahrschulbetreiber mit Steuerberater, Anwälte oder Notare auf dieselbe Stufe gestellt sehen möchten. Auch wenn es nur bei der Vergebührung ihrer Leistungen sein soll. So unter dem Motto „Verkehrssicherheit“ vielleicht? Ja ich weiß schon, es soll ja nur wegen dem ruinösen Wettbewerb sein.

Billig kann auch wirtschaftlich sein

IKEA 01-2Jetzt bin ich ein wenig vom Titel abgeschweift. Billig mit einem knallhart kalkulierten Diskontkonzept ist durchaus überlegenswert und hat mit Mittelmaß nichts zu tun. Dies muss jedoch ein schlüssiges Konzept von A wie Auto bis Z wie Zahlungssystem sein. Wer von Ihnen hat – wenn er ehrlich ist und sich nicht selbst in die Tasche lügt – ein solches lukratives Diskontkonzept mit seiner Fahrschule umgesetzt? Die meisten kopieren doch nur ihre Kollegen und Mitbewerber anstatt selbst konzeptionell etwas Außergewöhnliches auf die Beine zu stellen. Und das ist Mittelmaß, mit dem Sie sich wieder in die 99% der Durchschnittsfahrschulen einordnen.

Viele haben keine Lust mehr

negativ-Chart 01-3Mittelmaß ist ein Synonym für Müdigkeit und schlechte Arbeit. Wo ist die Zeit, in der Sie stolz und kreativ ihre Fahrschule gegründet und aufgebaut haben? Wo ist die Zeit, in der Sie den Ton in der Branche angegeben und sich die anderen nach Ihnen gerichtet haben? Warum mussten Sie ins Mittelmaß abgleiten? Sind Sie schon zu müde, sich aufzurichten und noch einmal richtig durchzustarten? Wenn ja, dann verkaufen oder übergeben Sie Ihren Laden, gehen in die Rente oder wo anders hin, um als guter Fahrlehrer zu arbeiten und ein geregeltes Einkommen zu beziehen. Die Branche sucht gute Fahrlehrer und die 1% anderen Fahrschulen bezahlen diese auch gut.

Marktbereinigung?

blog_Friedhof01-2Niemand braucht mehr mutlose Fahrschulen, die den Markt kaputt machen, nur weil sie es nicht anders können oder was noch viel schlimmer ist, sich gar nicht (mehr) weiter entwickeln wollen. Gefragt sind Fahrschulen mit herausragenden Ideen, mit denen sie ihre Fahrschüler überraschen und begeistern. Es braucht auch die Fahrschulbranche Ideen, die altes, längst verstaubtes und damit nicht mehr zeitgemäßes ersetzen. Und das geht nicht nur mit einem neuen Kraftfahrzeug, einem Smartboard oder einer neuen Einrichtung.

Wer mehr will muss besser sein

blog_QualitätsSIEGEL01-3Wer einen besseren Preis durchsetzen will, muss besser sein, muss mehr Selbstvertrauen haben, muss besser verkaufen können und muss sich ständig weiter entwickeln. Der darf keine Furcht davor haben, eine Preisschwelle zu überschreiten. Der braucht auch besser ausgebildete Mitarbeiter, die ebenfalls mit Selbstvertrauen, Kreativität und Engagement ausgestattet sind. Auch wenn solch mitdenkende Mitarbeiter nicht so pflegeleicht wie JA-Sager sind. Das ist gut so, denn höhere Preise und Premium strahlen Wertigkeit und Ehrlichkeit aus, die solche Kunden anspricht, die wertiges und ehrliches suchen. Und auch das ist gut so.

Weitere Blogbeiträge zu diesem Thema:

– Autor: Guido Peternell

4 Gedanken zu „Billig, Mittelmaß oder Premium?

  1. Dietbert Walter

    Hallo Guido,
    super recherchiert und leicht verständlich.
    Das Thema Gebührenordnung sollte doch endlich vom Tisch sein.
    Warum entwickeln sich viele Unternehmen nicht weiter? Das Mittelmaß ist ausschließlich mit sich selbst und seinen Mtbewerbern beschäftigt.
    Eine Entwicklung kann nur stattfinden, wenn sie sich aus anderen Branchen Ideen holen, sie anpassen & umsetzen. Dazu muss man sich bewegen. Den eigenen Schreibtisch verlassen, das eigene Fahrschulauto verlassen und sich in anderen Branchen umsehen. Dort ist der Verdrängungswettbewerb, wenn es den bei Fahrschulen überhaupt gibt, um ein Vielfaches größer. Es geht um ganz andere Summen.
    Finanziell: Im Volksbanken Report kann man nachlesen, dass sich Fahrschulen zusammen mit den Kioskbesitzern in der Kreditwürdigkeit ganz unten befinden. Wie sieht das in der Praxis aus? Viele haben kein finanzielles Polster. Sie leben von der Hand in den Mund. Zum Schluss werden aus Verzweiflung die Preise gesenkt. Übrigens ein sicheres Indiz dafür, dass das Unternehmen bald vom Markt verschwindet.
    Innovativ: Es gibt wenige Branchen, die so still vor sich hin arbeiten. Und wenn einer etwas anders macht, womöglich sogar pressewirksam, dann wird er von den eigenen Kollegen/Mitbewerbern eingebremst, oder noch besser angezeigt. Und alles bleibt danach wieder beim alten.
    Angestellte Fahrlehrer: Eine Berufsgruppe, die Mitglied in einem Verband von Fahrschulunternehmern ist, wird nicht wahrgenommen. Sie müssten eine Art Gewerkschaft gründen, ihre Rechte formulieren und diese auch durchsetzen. Da es derzeit und in Zukunft einen Fahrlehrermangel gibt, sind die Chancen für einen Berufsverband „Angestellte Fahrlehrer/innen“ etwas zu ändern, etwas zu revolutionieren, sehr gut.
    In der Hoffnung auf weitere spannende Themen von Guido
    Lg Dietbert Walter, Fahrlehrer aus Leidenschaft … seit 35 Jahren

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    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Servus Dietbert,

      was hat sich alles verändert seit wir zwei uns vor 2 Jahren am Fahrlehrerkongress in Berlin kennengelernt haben. Du machst statt 1 Monat heuer erstmals 3 Monate Urlaub im Jahr. Das ist sicher ein Novum in der Fahrschulbranche. Es freut mich, dass du mich damals in die Pizzeria im Estrel-Hotel eingeladen hast, denn sonst hätten wir uns sicher nicht so persönlich und gut kennengelernt.

      Mit deiner Analyse der Fahrschulbranche, die NUR mit sich selbst beschäftigt ist triffst du den Nagel auf den Kopf. Das AGABU-Syndrom und die Beratungsresistenz ist darin weit verbreitet. Nörgler werden platt geredet anstatt darüber nachzudenken, was sie mit ihren Aussagen meinen und die Trägheit der Branche tut schon richtig weh. Wahrscheinlich ist die Schmerzgrenze noch nicht hoch genug.

      Du gehst deinen Weg, der für dich und dein Unternehmen super ist. Andere gehen ihren Weg, mancher davon ist gut fürs Unternehmen, mancher davon ist jedoch schlecht dafür und vor allem schlecht für die gesamte Branche.

      Auch mit deiner Analyse zur angestellen Fahrlehrerschaft liegst du richtig. Dort gehört wie du sagst eine Vetretung dieser Berufsgruppe her. Nur wer nimmt das in Angriff? Es wird geraunzt und gejammert dass sich die Balken biegen und dann trotzdem nichts verändert oder in Angriff genommen. Also liebe Fahrlehrer, die ihr das lest, sammelt und formiert euch. Lehnt euch auf gegen die schlechte Bezahlung denn das hilft auch dem gesamten Preisgefüge, in wirtschaftliche Bereiche zu kommen. Und Dietbert schreibt es schon genau richtig: Die Zeit war noch nie so reif dafür wie jetzt.

      Und Dietbert, in meinen Fingern juckts wieder und in meinem Kopf haben sich weitere spannende Themen eingenistet, die den Weg in die Öffentlichkeit suchen.

      Danke für dein Feedback und liebe Grüße nach Idstein

      Guido 🙂

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  2. Wolfgang Ilsemann

    Lieber Guido,
    Danke für diesen „auf den Nagel getroffenen“ Artikel.
    Selbst bin ich 33 Jahre durch alle Höhen und Tiefen im Fahrschulgewerbe gegangen und landete trotz intensiven Bemühungen, wirtschaftlich im oberen Mittelmaß.
    Ich möchte die Gründe meiner Unzufriedenheit nicht im Einzelnen aufzählen, die sind jedem ausgebrannten Kleinunternehmer hinreichend bekannt.

    Der wichtige Schritt zur Premiumfahrschule oder der komplette Ausstieg aus dem Beruf stand an. Meine Entscheidung aus Liebe zum Beruf war der große Schritt zur Premiumfahrschule.
    Totale Absetzung vom regionalen Preisgefüge erfordert noch bessere Qualität der Dienstleistung und ständige, genaue Kontrolle im Feedback.
    Wem schreibe ich das? 🙂
    Für mich ist der erste Kontakt zu Dir und Dietbert ein weiterer wichtiger Schritt im Leben gewesen und ich möchte unsere langen Gespräche in Villach nicht missen, da schloss sich ein homogener Kreis im Denken, mit vielen Korrekturen, die ich aufnahm wie ein Schwamm.

    Nun bin ich ja am Ende meiner Fahrlehrerlaufbahn und pflege weiterhin gute Kontakte zum Berufsstand in facebook und anderen Netzwerken.
    Danke für Dein Bemühen auch dort, ich denke, wir haben im Umdenken vieler Kollegen/innen schon einiges erreicht.
    Mit meiner neu gegründeten Firma beschäftige ich mit z.Z. auch mit der Verkaufsvermittlung von Fahrschulen. Meine Erfahrung: Mittelmaß lässt sich schlecht oder gar nicht verkaufen.

    Ich freue mich auf weitere Artikel, Seminare bundesweit, weiter so!
    Herzlichen Gruß ins wunderschöne Villach
    Wolfgang Ilsemann

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    1. Guido Peternell Beitragsautor

      Servus Wolfgang,

      danke auch für dein Feedback. Ich denke dass wir alle in unserem Leben durch Höhen und Tiefen gegangen sind. Das gehört zu jedem Unternehmerleben dazu. Nun hast du deinen wohlverdienten Ruhestand angetreten und bietest durch deine Unternehmensberatung deine wertvollen Erfahrungen interessierten Kolleginnen und Kollegen an.

      Danke für deine Wertschätzung. Wir profitieren alle von unseren Gesprächen, Wissen und Erfahrungen. Das wir im Umdenken einiger Kollegen schon einiges Erreicht haben finde ich auch. Ergebnisse sind ja auch bereits sicht- und belegbar.

      Liebe Grüße in deine neue Heimat Bad Homburg

      Guido 🙂

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