|
 Fahrerassistenzsysteme - neue Perspektiven für Fahrlehrer
Prof. Dr. Hans-Peter Krüger, Methodenlehre und Verkehrspsychologie, UNI Würzburg
Laut Professor Krüger hat durch die Entwicklung der Fahrassistenzsysteme (FAS) das Fahren sich entscheidend verändert. Vor allem mit ABS und ESP wurde zuerst die passive Sicherheit erhöht.
Dass diese FAS heute in vielen Autos eingebaut sind haben wir sehr stark den Elchtest zu verdanken. Einen 20-prozentigen Rückgang tödlicher Unfälle durch ESP hat eine Reihe von Studien belegt.
Nachteil
FAS haben jedoch den Nachteil, dass viele Autofahrer deren fehlerloses Funktionieren vertrauen und somit mit mehr Risiko fahren. Zudem haben junge Fahrer oft keine FAS, da sie sehr oft mit den größten Schrottkisten unterwegs sind. Dabei wissen wir, wie groß die Unfallhäufigkeit bei jungen Fahrern ist.
Höhere Anforderungen an Fahrausbildung
Prof. Krüger ist der Meinung, dass FAS immer höhere Anforderungen an die Fahrausbildung stellen. Er bekräftigt, dass mit immer sicherer werdenden Fahrzeugen das Fahren nicht wirklich einfacher wird und Assistenzsysteme auch diverse Fallen beinhalten. Er führte dazu das Beispiel adaptive Fahrgeschwindigkeitsregelung (ACC, Adaptive Cruise Control) an, das eine Fahrgeschwindigkeitsregelung, die eine konstante Fahrgeschwindigkeit einstellt ist.
ACC überwacht den Bereich vor dem Fahrzeug und passt die Geschwindigkeit den Gegebenheiten an. Es reagiert auf langsamer vorausfahrende oder einscherende Fahrzeuge mit einer Reduzierung der Geschwindigkeit, sodass der vorgeschriebene Mindestabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten wird. Dabei greift ACC in Antrieb und Bremse ein. ACC erkennt jedoch stehende Fahrzeuge/Objekte nicht und beschleunigte vorerst beim Testvideo von Prof. Krüger, wodurch ein massiver Bremseingriff notwendig und die Testperson sichtlich geschockt war.
Fortgeschrittene
Alleine an diesem Beispiel kann gut erkannt werden, dass die neuen Technologien Systemgrenzen und Fehlfunktionen haben können, die nur der Fahrer durch Eingreifen bewältigen kann. Somit kann in modern ausgestatteten Fahrzeugen der Fahrer nicht mit weniger Fahrkönnen auskommen, sondern braucht davon eher mehr, um mögliche Systemfehler ausbessern zu können.
Prof. Krüger zeigte auf, dass Assistenzen einerseits Sicherheit, anderseits jedoch auch Gefahren mit sich bringen. Diese sind nur zu lernen, wenn man schon fahren kann, jedoch nicht für Fahranfänger. Er ist überzeugt davon, dass in der Fahrausbildung zusätzlich zum Basiskurs ein eigener Ausbildungsblock für Assistenzsysteme nötig wäre, in dem die Fahranwärter in Handhabung, Wirkungsweise und im richtigen Verhalten bei auftretenden Fehlfunktionen unterwiesen werden.
Chance
Hier sehe ich (Guido Peternell) große Chancen für Fahrschulen, die zweite Ausbildungsphase damit aufzuwerten und somit nachhaltig sinnvolles zur Verkehrssicherheit auf Europas Straßen beizutragen. Oder kennen Sie alle Funktionen und Auswirkungen Ihrer Assistenzsysteme, die Sie in Ihrem Kraftfahrzeug eingebaut haben?
60+
Ein Ausbildungsblock „Assistenzsysteme“ sollte nach Auffassung von Prof. Krüger nicht auf Fahranfänger beschränkt sein, sondern von Fahrschulen als Zusatzausbildung auch jenen älteren Fahrern angeboten werden, die eigene Erfahrungen mit Assistenzsystemen erst im höheren Alter machen.
Ihr
Guido Peternell

(Villach/Berlin, 30.12.2010, GP) |