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 Profis auf dem Beifahrersitz
Dr. Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), Berlin
Eine moderne Gesellschaft ist auf individuelle und flexible Mobilität, auf die Beförderung von Menschen und auf den Transport von Wirtschaftsgütern angewiesen. Dafür muss das komplexe System Straßenverkehr sicher und wirtschaftlich gestaltet werden.
Das fängt bereits bei den Kindern an, diese auf die sichere Teilnahme im Straßenverkehr vorzubereiten. Weiter geht’s dann bei der Aus- und Weiterbildung der jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die professionelle Fahrausbildung ist hier eine unverzichtbare Säule.
Unabhängigkeit
Für den DVR und seine Mitglieder steht der Schutz menschlichen Lebens im Vordergrund der Aktivitäten. Alle Mitarbeiter des DVR arbeiten ehrenamtlich. Nicht einmal die Reisekosten werden ersetzt. Dadurch ist der DVR auch vollkommen unabhängig.
Vision Zero seit 2007
„Vision Zero. Keiner kommt um. Alle kommen an.“, dient als Basis der DVR Verkehrssicherheitsarbeit.
Verkehrssicherheitskampagne
Erstmalig wurden für die Verkehrssicherheitskampagne auch Schock-Motive eingesetzt, denn die Zahl der Schwerverletzten hat sich nicht verändert, ist also nicht geringer geworden. Jährlich werden 20.000 Menschen schwer verletzt und ringen teilweise mit Tod.
Zahl der Verkehrsopfer deutlich senken
Aufbauend auf der bisherigen Arbeit in den Bereichen Mensch, Technik und Straße nimmt der DVR die Herausforderung an, die Zahl der Verkehrsopfer weiterhin deutlich senken zu wollen. Die Fahrlehrer haben in den verschiedenen Themen- und Handlungsfeldern zahlreiche Möglichkeiten, ihre Kompetenzen im Sinne der Vision Zero einzubringen.
Europäische Vernetzung
Durch die Vernetzung des DVR in Europa wird eng mit dem Europäischen Verkehrssicherheitsrat (ETSC) und dem internationalen Verband der Führerscheinorganisationen (CIECA) zusammen gearbeitet. Dabei wurden deutsche Standards in europäische Projekte übernommen. Als Beispiele führte Dr. Eichendorf die Projekte „HERMES - Coaching in der Fahrausbildung“ und ECOWILL - Sicheres, umweltfreundliches und energiebewusstes Fahren an.
Fahrlehrer als feste Säule der Verkehrssicherheitsarbeit
Gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), die von Beginn an DVR-Mitglied ist, konnten in mehr als 40 Jahren Projekte und Programme entwickelt werden, welche die Verkehrssicherheit in Deutschland erhöht haben. Weitere Fortschritte in der Verkehrssicherheit können nur mit dem Know-how und Engagement der organisierten Fahrlehrerschaft erzielt werden.
Die EU will in den nächsten 10 Jahren die Toten auf Europas Straßen auf 17.000 halbieren. Solche Vorhaben greifen nicht, wenn nicht auch die Fahrlehrerschaft mit eingebunden ist. Auch die Umsetzung der Berufskraftfahrerrichtlinie in nationales Recht wie die Umsetzung der 3. EU-Führerscheinrichtlinie wäre ohne die Fahrlehrerschaft nicht denkbar. Zu erwähnen sind auch die Mitarbeit in DVR-Fachausschüssen und DVR-Programmen wie: „Kind und Verkehr“, „sicher mobil“, die Umsetzung der „Aufbauprogramme ASF und ASP“ sowie die Beteiligung an Entwicklung, Qualitätssicherung, Evaluation und Weiterentwicklung dieser Programme.
Dr. Eichendorf betonte, dass Fahrlehrer Moderatoren, Umsetzer, Trainer, Entwickler und vieles mehr sind. Gesichert wird die Qualität der Fahrlehrerschaft durch Aus-, Fort- und Weiterbildungskonzepte, Pflichtfortbildungen nach dem Fahrlehrergesetz, eigenständige Curriculums und vieles mehr.
Die deutschen Standards in Fahrausbildung sollen weiter erhöht werden. Junge engagierte Fahrlehrer werden gebraucht und nicht vom Arbeitsamt umgeschulte 45-jährige. Und wenn deutsche Standards EU-weit gleich sind, dann kann auch niemand etwas dagegen haben, wenn Fahrlehrer aus anderen Ländern nach Deutschland kommen.
Technik-Lernen-Kontrolle
Speziell bei 2-Radfahrer muss die Ausbildung noch besser werden ist Dr. Eichendorf überzeugt. Es verunglücken zu viele Zweiradfahrer auf den Straßen. Dies hat verschiedenste Ursachen. Da ist einmal die Kontrolldichte viel zu gering und somit die Überwachung überhaupt nicht abschreckend. Auch Dr. Eichendorf ist neben der EU der der Meinung, dass die Verkehrssicherheitsarbeit nur dann Erfolg haben wird, wenn die Bereiche Technik-Lernen-Kontrolle ineinander fließen. Somit ist für erfolgreiche Verkehrssicherheitsarbeit die Arbeit an Straße ↔ Fahrzeug ↔ Menschen unabdingbar. Deshalb kann er keinesfalls einverstanden damit sein, dass die Führerscheinausbildung für Feuerwehr, Rettungsdienst und anderen Hilfsdiensten aufgeweicht wird. Er wird das auch in der EU bekämpfen.
Ihr
Guido Peternell

(Villach/Berlin, 7.1.2011, GP) |